In Ettenheim, Kippenheim, Mahlberg, Ringsheim, Rust und Kappel-Grafenhausen stürmten Narren die Verwaltung und rissen die Schlüssel an.
Die Rathäuser der Kommunen Ettenheim, Kappel-Grafenhausen, Kippenheim, Mahlberg, Ringsheim und Rust sind fest in Narrenhand. Nicht alle Bürgermeister gaben ihre Schlüssel freiwillig her, sondern lieferten sich einen Kampf mit den Narren.
Ettenheim/Altdorf: Angeführt von der Stadtkapelle, zog am Donnerstagabend der große Hemdglunkerumzug vom oberen Tor durch die ganze Innenstadt. Mit dabei waren auch einige Muckedatscher und Stadtlatschi der Narrenzunft Hoorig. Nach dem Umzug stürmten die Hemdglunker und die Narrenzunft Sendwelle Altdorf das Rathaus und entrissen Ortsvorsteherin Manuela Steigert den Rathausschlüssel. Danach war Party mit den Altdorfer Jungs und der Feuerwehr Abteilung Altdorf angesagt.
Orschweier: Nach dem Hemdglunkerumzug fand die Rathaustürmung statt. Mit dem Ruf „Schlüssel russ, Schlüssel russ“ forderten die Narren stimmgewaltig die Macht und die Stadtkasse ein. Außerdem pochten die Hornig auf die rechtzeitge Fertigstellung der Mehrzweckhalle zur nächsten Fasentkampagne. Ortsvorsteher Bernd Dosch wollte den Schlüssel partout nicht hergeben, musste sich dann aber geschlagen geben. Zur Freude aller Teilnehmer gab es noch ein kleines Schauspiel: In Anlehnung an den bunten Abend eröffnete Bürgermeister Dietmar Benz sein eigenes Gasthaus und gab Getränke aus.
Kippenheim: Auch ein ganzer Tag mit närrischem Treiben, Frühstück mit Weißweinschorle, umtriebigen Besuchen in Kindergärten, Schule und Senioreneinrichtungen konnten dem Elan und der Entschlossenheit der vereinigten Kippenheimer Narren nicht Einhalt gebieten. Zur närrischen Stunde um 18.45 Uhr walteten Schelmewinkler, Hexen und Moore-Bätscher ihres Amtes und schleiften den Bürgermeister ihrer Heimatgemeinde Matthias Gutbrod durch ein Spalier seiner Untertanen vor das bereits auf sein Eintreffen wartende Narrengericht. Schnell waren die Insignien des Gemeindeoberhaupts, Rathausschlüssel und eine – wie wäre es anders zu erwarten gewesen – leere Gemeindekasse, in den Händen der Gerichtsbarkeit. Die Freude über die Machtübernahme wurde von den versammelten Narren mit einem gemeinsamen Tanz ums Hexenfeuer zelebriert, der von den lautstarken, gewollt schrägen Tönen der Guggenmusik auch noch angespornt wurde. Die gesamte Narrenschar zog dann johlend und singend im traditionellen Hemdglunckerzug zum Schützenhaus.
Rust: Auch in Rust wankte die weltliche Macht gründlich und wurde kurzerhand abgeschafft. Hunderte hatten sich zu einer Narrenschar gebildet und gingen beim Hendglunker-umzug von der Halle aus erst mal Richtung Elzbrücke zum Abholen ihres neuen Vogtes Marvin I., um dann von dort aus zum Rathaus zu ziehen. Dort erwartete sie Bürgermeister Kai-Achim Klare, angstfrei und gut gelaunt aus einem Fenster im ersten Stock herunter winkend. Dort hatte sich zuvor auch der Hanfrözi-Narrenrat mit seinem Vogt zur Regierungsübernahme gebührend in Positur gebracht. Klare dachte nicht daran, heroischen Widerstand zu leisten, und fügte sich sofort der Narrenmeute. Alles andere als traurig stellte er fest: „Nun habe ich im Rathaus gar nichts mehr zu sagen.“ Anschließend ging es in die Rheingießenhalle, wo bis in die Nacht gefeiert und getanzt wurde.
Ringsheim: Gut gelaunt waren die Narren auch beim Hemdglunkerumzug mit anschließender Rathausstürmung in Ringsheim. Nachdem Rämässer-Königin Jana Erny gemeinsam mit Oberzunftmeisterin Eva Obergföll den Schlüssel aus den Händen von Bürgermeister Pascal Weber erhalten hatte, wurde kräftig gefeiert, geschunkelt und gelacht. Für die Kinder gab es einen Gutsele-Regen: Weber warf jede Menge Gutsele in die Menge auf dem Rathausplatz.
Kappel-Grafenhausen: Der schmutzige Donnerstag begann in Kappel-Grafenhausen mit einer kleiner Narrenabordnung, die Kinder aus Kitas und Schule befreiten. Um 18.31 Uhr war es dann wieder so weit: Nachdem die beiden Nachtwächter traditionell das Spektakel zum Rathaussturm eröffnet hatten, fuhr Oberzunftmeister Benjamin Utz mit dem Leiterwagen vor das Rathaus, um die Macht zu übernehmen. Bürgermeister Philipp Klotz wollte den Rathausschlüssel nicht freiwillig herausgeben, daher stürmten Hexen und Teufel das Rathaus über Leitern und Fenster. Nachdem der Rathausschlüssel in den Händen des Hexenmeisters war, wurde Klotz abgeführt und die Hexen konnten den Hemdglunkerumzug in die Halle starten – begleitet durch die Musikkapelle Grafenhausen.