Harald und Hannelore Sturmlinger triumphierten mit ihren Vögeln bei der Weltschau im belgischen Marche-en-Famenne. Dabei scheute das Züchterehepaar lange die Reise.
Wer denn eigentlich Weltmeister sei, will die Redaktion beim Ortstermin in Kürzell von Harald Sturmlinger wissen. Er und seine Frau Hannelore – oder der Vogel? „Der Vogel ist Weltmeister“, sagt Sturmlinger mit einem Lächeln. „Oder besser: die Vögel.“ Denn das Ehepaar Sturmlinger hat insgesamt acht Tiere mit nach Belgien zu seiner ersten Weltmeisterschaft genommen – und diese direkt als Sieger absolviert. Einen individuellen Namen haben die Tiere nicht, nur die Bezeichnung ihrer Gattung.
Seit vielen Jahren sind die Sturmlingers Dauersieger bei Deutschen Meisterschaften. Davon zeugt die beeindruckende Sammlung an Pokalen, Urkunden und Rosetten, die an drei Wänden im Oberstock des Hauses in Kürzell platziert ist. Doch zu einer Weltschau zog es sie bisher nicht. Harald Sturmlinger nennt den Grund: Es sei ihm jahrelang zu unsicher gewesen, seine geliebten Vögel in die Hände ihm völlig Unbekannter zu geben.
Denn von der Abgabe der Vögel bis zur Verleihung sind die Tiere in Obhut des Veranstalters und damit von ihren Züchtern getrennt. „Dann habe ich mit ihnen nichts mehr zu tun“, sagt Sturmlinger. Das ist zwar auch bei anderen Meisterschaften so, allerdings sei der Ruf der Weltschauen in puncto Versorgung lange Zeit nicht der beste gewesen. Das habe sich mittlerweile geändert – und so seien er mit seiner Frau und den Vögeln ins belgische Marche-en-Famenne zur 73. Vogel-Weltschau gefahren. Bereuen musste der 80-Jährige dieses Abenteuer nicht, ganz im Gegenteil.
Langjährige Erfahrung
Seit 1978 züchtet Harald Sturmlinger die kleinen Vögel. Ob Zeisig, Gimpel oder Stieglitz: Alle gehören zur Familie der Finken und sind etwa zwölf Zentimeter groß (die Gimpel sind etwas größer). Warum ausgerechnet seine Tiere so preisgekrönt sind, kann Sturmlinger nicht genau sagen: Es habe etwas mit ihrer Haltung zu tun und mit der Ausprägung ihres Gefieders. „So wie er sich gibt“, fasst es der Kürzeller zusammen.
Einige Vögel stehen zum Verkauf, um die Unkosten zu decken
Dass sich seine Vögel seit Jahrzehnten außerordentlich gut geben, wird von den geschulten Preisrichtern entsprechend gewürdigt. Und auch dem Gast wird der Grund beim Betrachten der Tiere sonnenklar: Es sind wahre Prachtexemplare, die das Ehepaar Sturmlinger besitzt. Voller Anmut sitzen die Vögel in korrekter 45-Grad-Haltung auf der Stange. Die Tiere sehen aus wie gemalt.
Rund 70 Tiere haben die Sturmlingers im Haus. Wer möchte, kann bei ihnen auch Exemplare kaufen. Das deckt zumindest einen Teil der hohen Kosten, die die Passion des Kürzeller Ehepaars mit sich bringt. Bereitwillig führt Harald Sturmlinger im Garten durch die Volieren. Dort sind die Tiere geschlechtergetrennt zu fünft oder sechst untergebracht. Nur zur Zucht werden jeweils ein Männchen und ein Weibchen in besondere Zuchtkäfige gesetzt.
Bei den Urkunden an den Wänden fällt auf, dass entweder Hannelore oder Harald Sturmlinger als Preisträger vermerkt ist – niemals beide. „Das ist abhängig davon, wer von uns als Besitzer eingetragen ist, je nach Gattung“, sagt Sturmlinger. Ab kommendem Jahr würden aber beide Namen eingetragen – „als Zuchtgemeinschaft“. Ob Hannelore und Harald Sturmlinger dann auf Jahre hinaus unschlagbar sein werden? Der wahre Meister ist auf jeden Fall immer der Vogel.
Futtersuche
Das Ehepaar ist immer in der Natur unterwegs, um frisches hochwertiges Vogelfutter zu sammeln. Dafür reisen sie bis auf den Kniebis, erzählt Harald Sturmlinger. Besonders in der Wachstumsphase sei hochwertiges Futter wichtig – wegen des Gefieders. Und was ist mit gekauftem Futter? „Viel zu wenig Vitamine“, gibt der gelernte Mechaniker zu Protokoll.