Der dänische Feldroboter der Marke Farmdroid bewegt sich langsam, läuft aber fast lautlos und hackt das Unkraut in den Zuckerrüben rund um die Uhr. „Aber zwei oder drei Mal täglich muss ich ihn kontrollieren“, sagt der Hailfinger Landwirt Jan Rebmann. Foto: Hete Henning

Jan Rebmann setzt bei seinen Bioland-Zuckerrüben voll auf eine solarbetriebene Maschine. Sie sät und hackt und nimmt dem Bauern viel Arbeit ab. Aber alles kann sie nicht.

Das Jahr 2025 markiert einen Wendepunkt im Arbeitsleben von Jan Rebmann, denn damals wurde vieles einfacher für ihn. Der 27-jährige Landwirt und sein Vater Wolfgang Rebmann ergänzten ihren Maschinenpark um einen hochmodernen Feldroboter, solarbetrieben und GPS-gesteuert. Der Farmdroid FD20 ist seither für die zehn Hektar Zuckerrüben zuständig, die die Rebmanns jährlich anbauen. Er sät sie nicht nur vollautomatisch aus, sondern befreit sie mit seinen Hackmessern auch von Unkraut.

 

Jan und Wolfgang Rebmann bewirtschaften einen 100-Hektar-Hof in Rottenburgs Stadtteil Hailfingen. Vor acht Jahren wagten sie die Umstellung von konventioneller Landwirtschaft auf Bioland-Anbau. Außer den Zuckerrüben haben sie jährlich auf etwa zehn Hektar Sojabohnen sowie auf jeweils acht Hektar Linsen und Luzerne-Klee-Gemenge – letzteres für den Düngerkreislauf auf ihren Feldern. Auf der restlichen Fläche des Birkenhofs produzieren sie Getreidearten wie Dinkel, Emmer und Hafer.

Bioland-Bauern dürfen das Unkraut nicht totspritzen Der Zuckerrübenanbau ist für Bioland-Bauern kein Zuckerschlecken. Weil sie keine Unkrautvernichter spritzen dürfen, müssen sie Disteln, Ackerwinde und Konsorten, die den Rüben Nährstoffe und den nötigen Platz rauben, mechanisch entfernen. Das ist sehr viel Arbeit und meist nur mit Saisonarbeitskräften zu schaffen, die verköstigt, bezahlt und unter Umständen auch beherbergt werden müssen.

Bis vor zwei Jahren machte es auch die Familie Rebmann so. „Wir waren mit vier Leuten aus der Familie in den Zuckerrüben und hatten zusätzlich zwei bis drei Studierende von der Forsthochschule Rottenburg im Einsatz“, sagt Jan Rebmann. Bis er und sein Vater viel Geld für den Kauf des Feldroboters in die Hand nahmen. Neu kostet der Farmdroid FD20 rund 100.000 Euro, die Rebmanns nahmen ein günstigeres Vorführgerät. Das Gerät läuft voll elektrisch, den Strom dafür erzeugt es mit Solarpaneelen selbst.

Der Roboter weiß, wo er nicht hacken darf Der Pfiff an der Maschine des dänischen Herstellers Farmdroid: Sie ist GPS-gesteuert und merkt sich punktgenau die Position eines jeden Saatkorns, das sie in den Boden legt. „Deshalb weiß sie später auch, wo sie nicht hacken darf“, sagt Jan Rebmann. „Man bekommt 80 Prozent des Unkrauts sicher eliminiert. „Was Besseres gibt’s aktuell nicht.“

Vor der kostspieligen Anschaffung hätten er und sein Vater lange über das Für und Wider eines solchen Feldroboters für ihre Rübenschläge nachgedacht, sagt Rebmann. Eine wesentliche Frage dabei: „Bekommt man überhaupt noch Arbeitskräfte, die durch den Acker laufen und hacken?“ Bedenken müsse man auch, dass Löhne wie auch Dieselpreise spürbar gestiegen seien, während die Verkaufspreise für Getreide und Zuckerrüben gleich blieben, so der 27-Jährige.

Die Rebmanns verkaufen ihre Zuckerrüben an die Rebio, die regionale Bioland-Erzeugergemeinschaft in Rottenburg. Zu Bio-Zucker verarbeitet werden sie in Frauenfeld in der Schweiz. Von dort kommt der Zucker zurück nach Deutschland, wo er bei der Getränkeherstellung und in Bio-Bäckereien Verwendung findet.

Der Farmdroid läuft langsam und sehr leise Der Farmdroid läuft sehr, sehr langsam. Bei der Aussaat bringt er es auf 700 Meter pro Stunde. Weil er gleichzeitig sechs Reihen sät, entspricht das einer Flächenleistung von stündlich 2000 Quadratmetern. Wenn beim Hacken innerhalb der Reihe die mit Messern besetzten Hackarme hin und her fahren, ist der Farmdroid mit 400 Metern pro Stunde unterwegs. Das allerdings auch nachts und am Wochenende. „Der ist so leise, dass er sonntags auch direkt am Ortsrand niemanden stört“, sagt Jan Rebmann. Das sei wichtig, denn: „Wenn er nach dem ganzen Regen und bei der jetzigen Wärme nicht durchfährt, wächst ihm das Unkraut davon.“

Das ursprünglich nur für den Zuckerrübenanbau entwickelte Gerät kann inzwischen rund 50 Kulturpflanzen aussäen. Und weil der dänische Feldroboter nicht wie ähnliche Geräte mit Kameratechnik arbeitet, sondern GPS-gestützt, kann er aufkommendes Unkraut bereits beseitigen, bevor die erwünschten Pflanzen aus dem Boden schauen. „Wir hatten schon einige Kollegen da, die sich das angucken wollten“, berichtet Rebmann. Eine Veranstaltung der Bioland-Regionalgruppe Gäu-Schwarzwald lockte kürzlich 150 Bäuerinnen und Bauern auf den Birkenhof, die sich über KI-gestützte Maschinen mit Kameras oder GPS zur Unkrautentfernung informieren wollten.

Dank GPS merkt sich der Farmdroid, wo er jedes einzelne Samenkorn abgelegt hat. Deshalb weiß er später, wo er mit seinen Unkraut-Hackmessern später nicht hacken darf. Foto: Hete Henning

Der Roboter erfordert Begeisterung und Zeit „Wir waren 2025 positiv überrascht, wie problemlos der Farmdroid läuft“, sagt Rebmann. Ein Selbstläufer sei er allerdings nicht. „Man muss eine gewisse Begeisterung für die Technik haben, man muss sich da reinfuchsen.“ Nötig seien außerdem Geduld und Zeit, um alles zu verstehen, so der 27-Jährige.

Ein- und Ausschalten kann Jan Rebmann den Roboter per Handy-App am Küchentisch. Von dort aus kann er auch nachschauen, wo der elektrische Helfer sich gerade befindet, und wie die Arbeit voranschreitet. Die grundsätzlichen Einstellungen wie beispielsweise Reihenabstand und Aussaattiefe muss der Landwirt an der Steuerungseinheit direkt an der Maschine vornehmen. Außerdem sei es nötig, das Gerät zwei- bis dreimal täglich zu kontrollieren und eventuell nachzujustieren, so der Hailfinger.

Erntereste auf dem Acker mag der Farmdroid nicht Was die moderne Maschine nicht kann, verrät er auch: Sie kann nicht von einem Acker zum nächsten fahren. Wenn der Farmdroid mit dem Unkrauthacken auf der einen Fläche fertig ist und das nächste Feld in ein paar hundert Metern Entfernung in Angriff nehmen soll, muss Rebmann anspannen und ihn mit dem Schlepper dorthin ziehen. Außerdem brauche der Roboter einen akkurat und eben vorbereiteten Acker. „Wenn beim Säen noch viele Erntereste darauf rumliegen, verstopft er“, sagt Rebmann. „Steine und Unebenheiten sind Gift für die Maschine.“

Ein kleines Insekt bedroht die Amortisations-Pläne

Schilf-Glasflügelzikade
Die Hailfinger Landwirte Jan und Wolfgang Rebmann gingen 2015 beim Kauf ihres dänischen Feldroboters Farmdroid FD20 davon aus, dass sich die Maschine innerhalb von fünf Jahren amortisieren würde. Die Amortisation hängt jedoch vom Erzeugerpreis und vom Ertrag ab, und da sorgt gegenwärtig die Schilf-Glasflügelzikade für Ungewissheit. Das kleine Fluginsekt saugt an Pflanzenteilen der Zuckerrüben und überträgt dabei eine bakterielle Infektionskrankheit, das „Syndrom des niedrigen Zuckergehalts“, französisch „Syndrome Basses Richesses“ (SBR). SBR mindert die Erträge erheblich. 2008 wurde diese Infektion erstmals in Deutschland beobachtet. Dem Bundeslandwirtschaftsministerium zufolge nutzt die Zikade inzwischen auch Kartoffeln als Wirtspflanze. In der Anbausaison 2024 waren in Deutschland 85.000 Hektar Zuckerrüben mit den Bakterien infiziert und 22.000 Hektar Kartoffeln, so das Ministerium. 2025, sagt Jan Rebmann, sei die Glasflügelzikade erstmals in der Region Rottenburg-Gäu aufgetaucht. Laut Landwirtschaftsministerium gibt es derzeit „keine kurzfristigen oder einfach umzusetzenden Maßnahmen, mit denen eine Infektion zuverlässig verhindert werden kann“.