Die Verkehrsoptimierung am L 171-Zubringer sorgte im Vorhinein für hitzige Diskussionen. Das sagen Polizei, Ämter und Betroffene nach den ersten Wochen.
Die Testphase für die neue Verkehrslösung am Zubringer der Landesstraße 171 bei Donaueschingen-Allmendshofen läuft – und das jetzt schon seit sechs Wochen. Der Verkehrsknoten wurde über Jahre hinweg in Gemeinderäten, Behörden und unter Fachleuten kontrovers diskutiert.
Im Zuge der Umgestaltung wurde der Straßenverlauf als abknickende Hauptstraße neu geregelt. Gleichzeitig entfällt die bisherige Vorfahrtsberechtigung für den Verkehr, der aus Richtung Hüfingen auf der L 171 kommt. Durch den Verkehrsversuch soll erprobt werden, wie wirksam die Maßnahme ist, bevor sie dauerhaft umgesetzt wird.
Im Februar präsentierte Bernd Göggel, Leiter des Straßenbauamts, dem Gemeinderat in Hüfingen die zunächst auf sechs Monate angelegte Testphase. Er stellte eine höhere Leistungsfähigkeit, kürzere Wartezeiten und weniger Unfälle in Aussicht. Eine Eingewöhnungszeit von etwa sechs Wochen sei einzuplanen. Zeit also, eine erste Bilanz zu ziehen.
Das bisherige Unfallgeschehen bewerten sowohl das Landratsamt als auch die Polizei als unauffällig. „Nach dem Inkrafttreten der neuen Verkehrsführung kam es an besagter Einmündung zu drei Unfällen. Bei zweien davon gab es jeweils eine leicht verletzte Person“, erklärt Daniel Brill vom Polizeipräsidium Konstanz.
Auch Bernd Göggel vom Straßenbauamt sieht die Unfälle der Umgewöhnung geschuldet: „Diese Unfälle sind während der sogenannten Adaptationszeit nicht ungewöhnlich und waren zu erwarten“.
Die Analyse der Unfälle zeigte, dass sich zumindest eine der beteiligten Personen nicht regelkonform verhalten habe, teilt Heike Frank, Pressesprecherin des Landratsamtes, mit. Grundsätzlich zu beobachten war wohl, dass die Fahrtrichtung in der abknickenden Vorfahrtsstraße nicht angezeigt wurde, so Frank. Das heißt, dass viele Fahrzeuge dort nicht blinken.
Der Einführung der Testverkehrslösung ging eine Verstimmung im Städtedreieck voraus. Der Gemeinderat Hüfingen fühlte sich in der Planung nicht abgeholt, nachdem die alternative Verkehrsführung in der Sitzung Ende Februar präsentiert worden war. Zwischenzeitlich scheinen die Wogen jedoch geglättet und sowohl Hüfingen, als auch Donaueschingen blicken der Testphase wohlwollend entgegen.
Patrick Haas betrachte die Lage positiv
Der Hüfinger Bürgermeister Patrick Haas betrachtet die Lage entsprechend positiv: „Die aktuelle Verkehrsführung wirkt im ersten Moment durchaus etwas komplex und gewöhnungsbedürftig“, erklärte er.
Bislang gebe es dennoch keinen Anlass zu größerer Kritik. „Bis zum jetzigen Zeitpunkt sind bei mir persönlich keine Bürgerbeschwerden eingegangen, was ich als positives Signal werte.“
Vor diesem Hintergrund bewertet Haas die Auswirkungen derzeit als überschaubar: „Die Auswirkungen auf Hüfingen erscheinen mir aktuell eher begrenzt“. Dennoch plädiert er für ein weiteres Beobachten der Situation, „um ein abschließendes und belastbares Gesamtbild zu ziehen.“
Erste Anpassungen bereits vorgenommen
Diesen Eindruck einer positiven Gesamtstimmung bestätigt auch Kai Scheffler, der als Linienbusfahrer auf der Strecke unterwegs ist und den Knotenpunkt täglich zehnmal passiert. „Ich finde die Lösung gar nicht so schlecht. Mir ist aufgefallen, dass man nun vermehrt am Kreisverkehr steht. Zu Hauptverkehrszeiten ist das normal, irgendwo steht man immer“, sagt Scheffler.
Die bisherigen Beobachtungen würden fortlaufend ausgewertet und genutzt, um die Verkehrsführung anzupassen, erklärt Heike Frank. „Die gewonnenen Erkenntnisse aus dem Verkehrsverhalten fließen direkt in die weitere Optimierung ein.“ So seien bereits erste Anpassungen vorgenommen worden. „Wir haben alte Markierungen entfernt und eine Blitzleuchte installiert, um die Aufmerksamkeit zu erhöhen.“
Die Markierungen würden zudem regelmäßig überprüft. Für eine belastbare Bewertung brauche es noch Zeit. „Nach der Eingewöhnungsphase erfassen wir die Verkehrsströme genauer“, so Frank. Entsprechende Zählungen seien noch im April geplant.
Neue Verkehrslösung gesucht
Planung
Seit Jahren kommt es an der B 27-Abfahrt Allmendshofen regelmäßig zu stockendem Verkehr und Verkehrsbehinderungen. Insbesondere zu Stoßzeiten stauen sich Pendler auf dem Zubringer. Die Städte Donaueschingen und Hüfingen setzen sich daher intensiv für den Bau eines Kreisverkehrs ein. Eine entsprechende Lösung war bereits 2021 geplant, wurde jedoch 2023 vom Regierungspräsidium Freiburg verworfen, vor allem wegen der veranschlagten Kosten sowie der betroffenen Flächen in Privateigentum.