Die Stadt Dornstetten will das Ziel der Treibhausgasneutralität bis spätestens 2040 erreichen. (Symbolbild) Foto: Romolo Tavani - stock.adobe.com/Romolo Tavani

Laut dem Bericht von Christine Lucha zur Energie- und Treibhausgasbilanz 2019 der Stadt Dornstetten liegt der Anteil erneuerbarer Energien vor Ort weit unter dem Landesdurchschnitt. Die Reaktionen im Gemeinderat fielen unterschiedlich aus.

Christine Lucha, Volljuristin, Master of Science Energiemanagement und Mediatorin, die früher bei der Energieagentur in Horb tätig war und jetzt im Landratsamt Freudenstadt in der Stabsstelle Mobilität und Nachhaltigkeit arbeitet, referierte im Dornstetten im Rahmen ihrer Nebentätigkeit bei der Energieagentur und verschaffte dem Gemeinderat einen Überblick in Sachen Energie- und Treibhausgasbilanz.

 

Zielsetzung sei, die für 2019 erstellte Bilanz aller relevanten Sektoren in Dornstetten aufzubereiten, eine regelmäßige Fortschreibung der Situationsanalyse zu ermöglichen, einen Absenkpfad zur Erreichung der Klimaschutzziele der Gemeinde abzuleiten und basierend auf diesen Zielen sowie den Klimaschutzzielen von Land, Bund und EU weitere Handlungsfelder für die Kommune abzuleiten. Diese könnten als Diskussionsgrundlage für die politische Entscheidungsfindung im Hinblick auf kommunale Klimaschutzaktivitäten dienen, sagte Lucha.

Grundsätzlich empfahl die Fachfrau eine engmaschige Kontrolle aller Maßnahmen zur Erreichung von Klimaschutzzielen. Vier Jahre seien dabei schon sehr großzügig gedacht.

17 Prozent unter dem Landesdurchschnitt

In der Bilanz spielten unter diesen Gesichtspunkten Datenerhebungen zu Bereichen wie Flächen und Schutzgebieten, Bevölkerungszahlen, Wohngebäudebestand, Energie- und Wasserversorgung sowie Wirtschaft und Gewerbe zentrale Rollen. Wärmeverbrauch und Wärmeerzeugung würden ebenfalls, genauso wie Stromerzeugung und Stromverbrauch, untersucht. Hinzu komme eine Prüfung der sogenannten primärenergieschonenden Wärmebereitstellung und des Wärmeverbrauchs.

Der Endenergieverbrauch werde, so Lucha weiter, nach Sektoren aufgeschlüsselt. So sei zu konstatieren, dass der Anteil der erneuerbaren Energien vor Ort mit 10,9 Prozent unter dem Landesdurchschnitt von 27,9 Prozent liege. Die Emissionen von Treibhausgas seien zudem beim verarbeitenden Gewerbe am höchsten, gefolgt vom Verkehr, privaten Haushalten, Gewerbe und den kommunalen Liegenschaften am alleruntersten Rand.

Der Expertin zufolge liegt die Datengüte der jetzigen Bilanz bei 70 Prozent, was bedeute, dass durchaus noch mehr Bereiche und Fakten zugrundegelegt werden könnten, um noch verlässlichere Angaben zu erhalten.

Die Bilanz als solche wurde im Auftrag der Energieagentur in Horb vorgestellt. Die Kosten dafür liegen bei 4520 Euro, das Land bezuschusst diese mit 3130 Euro. Die Stadt Dornstetten hatte 2023 die unterstützende Erklärung zum vierten Klimaschutzpakt zwischen dem Land und den kommunalen Landesverbänden gemäß Klimaschutzgesetz unterzeichnet. Damit bekannte sie sich klar zur Erreichung der Treibhausgasneutralität im Sinne der Vorbildfunktion der öffentlichen Hand bis spätestens 2040.

Expertin betont städtische Vorbildfunktion

Christine Lucha wies darauf hin, dass die nicht zu unterschätzende kommunale Vorbildfunktion erweitert werden müsse. Zum Beispiel müssten Verwaltung und kommunale Liegenschaften energetisch sinnvoll konzipiert sein, um der Bevölkerung zu signalisieren, wie es gehen kann.

Bürgermeister Bernhard Haas berichtete, dass das geplante kommunale Energiemanagement 2025 losgehe, ein Energieberater solle im Januar seine Arbeit aufnehmen. Der Bundeszuschuss sei bewilligt.

Im Ausblick formulierte Christine Lucha nächste mögliche Schritte: Erstellung eines Konzepts zur Erreichung einer treibhausgasneutralen Stadt und Stadtverwaltung bis spätestens 2040, Einführung eines Klimachecks sowie, wie geplant, kontrollierter Ausbau des Wärmenetzes – gegebenenfalls auch mit aktualisierter Ermittlung der Potenziale von Gewerbe und Industrie.

Reaktionen im Gemeinderat

OGL
 Stadtrat Joachim Kumm forderte in der Diskussion, dass deutlich mehr getan werden müsse. In Sachen Eigenstrom liege man mit zehn Prozent vor Ort weit unter dem Bundesdurchschnitt von 50 Prozent. „Wir als Kommune sollten uns einen Fahrplan erstellen zur Erreichung der Klimaschutzziele bis 2023.“

SPD
 Christa Dengler meinte, man müsse mehr Abwärme von Unternehmen nutzen. Zu diesem Zweck müsse man das Gespräch mit den Betreibern suchen. Hans Lambacher wies darauf hin, dass es sich in bestimmten Gegenden, zum Beispiel am Silberberg in Aach, oft um ältere Anwohner handele, die gar nicht so schnell und einfach auf neue Heizsysteme umstellen könnten, auch aufgrund von Zuleitungsproblematiken. 

Freie Wähler/CDU
 Christoph Mannheimer mahnte zur Tempomäßigung – die Energiewende, das sei doch kein Sprint.