Der HC Lahr erhält vorerst keine neue Spielstätte. Der Gemeinderat hat am Montagabend mehrheitlich entschieden, erst einmal nur die Fördermittel zu beantragen.
Enttäuschung beim Lahrer Hockeyclub: Der Gemeinderat hat die Entscheidung über den Bau eines neuen, rund zwei Millionen Euro teuren Hockeyplatz beim Tiergesundheitszentrum aufgeschoben. Die Fördermittel sollen zwar beantragt werden, doch die Mehrheit der Räte möchte erst einmal detailliertere Planungen zum Gesamtkonzept.
Max Walter von der Abteilung Bildung und Sport brachte eingangs die Öffentlichkeit auf den neuesten Stand: Nach dem Aus der Sport-Kita im Oktober habe die Verwaltung den Auftrag erhalten, Planungen für das Sportstättenkonzept zu erstellen. „Ein neuer Kunstrasenplatz für den HC und die Sanierung des Platzes des SC Lahr haben höchste Priorität“, so Max, sei der Tenor damals gewesen. Im zweiten Schritt sollten HC und TC Lahr ein gemeinsames Konzept für ein neues Vereinsheim in eigener Bauherrschaft vorlegen. Für den Neubau des Hockeyplatzes stehen bis zu 2,1 Millionen Euro im Plan, bis zu 750 000 Euro könnte das Bundesprogramm der „Sportmilliarde“ zuschießen. Eine Antwort aus Berlin, ob und wenn ja wie viel Geld es gibt, erwartet Walter bis Ende Februar.
Dann verkündete er eine Überraschung: Im Technischen Ausschuss wurde ein alternativer Beschlussvorschlag entwickelt. Der besagt, dass der Baubeschluss entfällt, der Rat lediglich die Interessenbekundung am Programm „Sportmilliarde“ gebilligt. Das muss bis 31. Januar geschehen – sonst sind Fördermittel komplett vom Tisch.
Kommunale Freie Wähler zweifeln Neubau an
Im Rat bildeten sich drei Lager. Die Kommunalen Freien Wähler stellten in Person von Klaus Schwarzwälder in Frage, ob es einen Neubau braucht. „Wir sind zu dem Stand gekommen, dass der alte Platz saniert werden soll.“ Das, darauf wies ihn Bürgermeister Guido Schöneboom hin, würde das Aus der kompletten Sportstättenkonzeption bedeuten. Wie mehrfach berichtet, ist ein neuer Hockeyplatz nicht nur für den HC von Bedeutung. Denn der SC Lahr schielt darauf, den dann nicht mehr benötigten Platz zu einem Fußballspielfeld umzufunktionieren, um sich von der Klostermatte trennen zu können und eine Heimat für den ganzen Verein zu erhalten.
Das zweite und größte Lager, bestehend aus AfD, CDU, Grünen und FDP, sah es als wichtig an, am Sportstättenkonzept festzuhalten, hatte aber noch viele Fragen. „Wie sieht es aus mit der Fusion der Vereine?“, fragte Ilona Rompel (CDU) mit Blick auf HC und TC Lahr, die sich zusammenschließen und gemeinsame Vereinsräume bauen wollen. Doch „die Vereinsheim-Gespräche sind noch nicht so weit“, kritisierte Sven Täubert (Grüne). Jörg Uffelmann bezeichnete es als „Abenteuer“, sich auf den Beschluss einzulassen, ohne Informationen, wie viel Fördermittel es gibt. Auch Sven Haller (AfD) äußerte Bedenken, es sei jedoch „unstrittig, dass der Hockeyclub einen neuen Platz braucht“.
Nur die SPD wollte einen Baubeschluss fassen
Einzig die SPD wollte mit dem ursprünglichen Vorschlag der Verwaltung gehen und den Baubeschluss fassen. „Seit acht Jahren diskutieren wir über dieses Sportkonzept, treiben die Vereine vor uns her“, so Fraktionschef Roland Hirsch. „Das belastet die Vereine“. Er habe den Eindruck, dass die Stadträte das Projekt „auf den St. Nimmerleinstag“ verschieben wollen. „Dann sollten wir doch lieber so ehrlich sein und sagen, dass wir es nicht wollen, weil wir kein Geld haben.“
Auch Schöneboom versuchte es noch einmal: „Als wir im Oktober auseinander gegangen und aus finanzieller Verantwortung heraus den Beschluss gegen die Sport-Kita gefasst haben, waren wir uns einig, dass ein nicht unerheblicher Millionenbetrag für den Sport zur Verfügung gestellt wird.“ Die Verwaltung habe wie in der Runde mit Vereinsvertretern und Fraktionen besprochen gehandelt. Doch es half nichts, bei drei Enthaltungen erhielt der modifizierte Beschlussvorschlag eine deutliche Mehrheit. „Es darf kein Abschied von der Sportkonzeption sein“, betonte OB Markus Ibert, der im zweiten Quartal dem Gemeinderat ein gesamtheitliches Konzept vorlegen will.
Beim HC Lahr kam das Ergebnis erwartungsgemäß nicht gut an. Im Anschluss an die Sitzung diskutierten Vereinsmitglieder vor dem Ratssaal emotional und äußerten Sorge, dass der Neubau nicht kommt – vor allem, wenn es keine Fördermittel geben sollte.
SC Lahr darf sanieren
Seine Zustimmung gab der Gemeinderat am Montagabend bei zwei Enthaltungen den Plänen, den Kunstrasenplatz des SC Lahr sanieren zu lassen. Dieser ist inzwischen in die Jahre gekommen und benötigt eine Überholung. Gesamtkosten: 450 000 Euro, wovon die Stadt 262 500 Euro trägt.