Glatten setzt in seinem Gemeindewald nicht nur auf Neupflanzungen, sondern auch auf natürliche Aussaat. (Symbolbild) Foto: Uli Deck

Die Forsteinrichtungserneuerung war Thema in der jüngsten Gemeinderatssitzung in Glatten. Dabei bekamen die Räte einen faktenreichen Überblick über die Entwicklung des Gemeindewalds präsentiert.

Glatten - Bereits im Oktober hatte sich der Gemeinderat in seiner Klausurtagung und im Rahmen einer Waldbegehung ein Bild vom Zustand des Gemeindewalds gemacht. In der jüngsten Sitzung musste das Gremium nun die Planung für die nächsten zehn Jahre beschließen.

Vorab fasste Forsteinrichter Jochen Weber den aktuellen Zustand des Gemeindewalds noch einmal zusammen und stellte vor, was laut Beschlussfassung für die nächsten zehn Jahre geplant ist. Mit dabei waren der Forstbereichsleiter des Stadtwalds Freudenstadt, Björn Waidelich, und Revierleiter Jochen Armbruster.

Waldfläche um 22,1 Hektar gewachsen

Weber berichtete, dass sich die Forstbetriebsfläche des Gemeindewalds Glatten aus 460,2 Hektar Holzboden und 18 Hektar Nichtholzboden zusammensetzt. Der Fachbegriff Holzboden bezeichnet dabei jene Flächen, auf denen Bäume wachsen oder die für die Bepflanzung mit Bäumen vorgesehen sind. Unter den Begriff Nichtholzboden fallen baumlose Flächen des Waldgebiets, wie zum Beispiel Wildwiesen. Dabei sei die Gesamtfläche des Waldes in den letzten zehn Jahren durch Zukäufe um 22,1 Hektar gewachsen.

Tannen-Mischwald mach 70 Prozent der Fläche aus

Der Gemeindewald setzt sich laut Weber aus verschiedenen Waldtypen zusammen. So machen Tannen-Mischwälder 70 Prozent der Fläche aus und dominieren somit den Gemeindewald. Der Anteil der Fichten-Mischwälder liegt hingegen nur bei 25 Prozent. 67 Prozent der Waldfläche sind dem Altersklassenwald und 33 Prozent dem Dauerwald zugeordnet. Die aktuellen Anteile von Tanne und Fichte betragen je 45 Prozent gefolgt von der Buche mit vier Prozent und der Kiefer mit drei Prozent. Aus klimatischen und standörtlichen Gründen sollten der Laubholzanteil und die Baumartenvielfalt deutlich angehoben werden.

Angesichts der Klimaerwärmung erweist sich die Douglasie zunehmend besser an die steigenden Temperaturen angepasst als die Fichte. Weber erläuterte, dass sich die Temperatur ändere und es in den letzten 30 Jahren um 1,5 Grad wärmer geworden sei. Konstant dagegen sei der Niederschlag geblieben.

Baumbestand ist vergleichsweise alt

Durch den Klimawandel wird auch zum Problem, dass der Baumbestand des Glattener Gemeindewalds vergleichsweise alt ist. Denn ältere Bäume litten stärker unter den steigenden Temperaturen als jüngere Bäume, erklärte Weber.

Im Vergleich zum Normalwaldmodell besteht eine deutliche Überausstattung der 101- bis 160-jährigen Bestände, die mit einer Unterausstattung der 21- bis 80-jährigen Bestände (24 Prozent) sowie der jüngsten Altersklasse (1,3 Prozent) einhergeht.

Natürliche Aussaat statt Anpflanzung

Doch es gibt auch gute Nachrichten. Denn laut Weber ist Glatten im Holzvorrat überdurchschnittlich gut ausgestattet. Der Vorrat pro Hektar Holzbodenfläche liegt bei 485 Vorratsfestmetern (Vfm) auf tendenziell hohem Niveau. "Ein sehr guter Wert hier im Kreis", so Weber. Im Altersklassenwald liegt der durchschnittliche Vorratswert mit 468 Vfm pro Hektar niedriger als im Dauerwald mit 519 Vfm pro Hektar.

Festgehalten ist in der Forsteinrichtung auch, dass die Naturverjüngung prinzipiell Ausgangsbasis für die nächste Waldgeneration ist. Der Fachbegriff Naturverjüngung bezeichnet dabei die Entstehung neuer Bäume aus den Samen der bereits bestehenden Bäume. Also natürliche Aussaat statt Anpflanzung durch den Menschen.

Anteil an Buche und Bergahorn soll erhöht werden

Im Gesamtbetrieb hat sich die Naturverjüngung auf 39 Prozent der Fläche etabliert. Im Gemeindewald funktioniere die Naturverjüngung – insbesondere von Tanne und Fichte, berichtete Weber.

Eingeschränkt ist die Verjüngung wegen der relativen Seltenheit bei Buche und Bergahorn. Hier sollen die Anteile erhöht werden und es sind Pflanzungen für das kommende Jahrzehnt auf 13,9 Hektar vorgesehen.

Probeweise Anpflanzung von Zedern

Um zukünftig standortgerechte und klimastabile Wälder zu erhalten, sind Erfahrungen mit bisher weniger bekannten oder benutzten Baumarten erforderlich, weshalb das Baumartenspektrum beim Anbau erweitert wurde. Deshalb sind neben dem Anbau von Douglasien auf 2,1 Hektar auch die Pflanzung von Traubeneichen in Mischung mit Feldahorn, Hainbuche und Elsbeere auf 5,9 Hektar vorgesehen. Hinzu kommen Spitzahorn, Flatterulme, Buche, Bergahorn, Baumhasel und Esskastanie sowie die probeweise Anpflanzung von Zedern.

Höherer Hiebsatz vorgesehen

Im nächsten Jahrzehnt ist ein Hiebsatz von 51 500 Festmetern vorgesehen, womit man 14 Prozent über der Planung des vergangenen Jahrzehnts liegt. Die letzte Forsteinrichtung sah 45 000 Festmeter vor – tatsächlich eingeschlagen wurden in den vergangenen zehn Jahren allerdings nur 39 100 Festmeter.

Gemeinderat stimmt dem Plan zu

Gemeinderat Andreas Pfau wollte daher wissen, warum die neue Forsteinrichtung einen im Vergleich zur vergangenen Dekade so hohen Holzeinschlag vorsehe. Darauf erklärte Weber: "Sie haben einen sehr hohen Vorrat mit sehr viel Altholz und das verträgt sich mit dem Klimawandel nicht."

Schließlich stimmt der Gemeinderat der Forsteinrichtungserneuerung für die nächsten zehn Jahre zu.