Das Glasfasernetz im Kinzigtal wird ausgebaut. An dem Unternehmen UGG wird dabei immer wieder Kritik laut. Foto: Anspach (Symbolfoto)

Üben die Mitarbeiter von "Unsere Grüne Glasfaser" zu viel Druck bei Haustürgeschäften aus? Diese Kritik ist in Wolfach laut geworden. Nun reagiert die UGG auf die Vorwürfe.

Wolfach/Mittleres Kinzigtal - Das Unternehmen "Unsere Grüne Glasfaser" (UGG) übernimmt in zahlreichen Kommunen im Kinzigtal den eigenwirtschaftlichen Glasfaser-Ausbau. Die Informationsgespräche mit Anwohnern, direkt an der Haustür, sorgen jetzt in Wolfach für Unmut. Das Thema kam in der jüngsten Gemeinderatssitzung auf. Aber was genau war passiert?

Henning Hermes von den Grünen sprach das Problem an: "Die UGG macht ja im Moment noch Werbung für Verträge bis Ende Januar. Die Mitarbeiter gehen zum Teil recht forsch vor. Das verunsichert den einen oder anderen, weil die Türverkaufsmentalität so stark herüber kommt." Er bezeichnete das als "schade", denn eigentlich sei man froh, dass sich mit der UGG überhaupt ein Anbieter gefunden hat, der den eigenwirtschaftlichen Ausbau übernehme. Bürgermeister Thomas Geppert betonte, die Stadt Wolfach habe ihren Teil getan, "indem man da interveniert hat, wo es machbar war".

Stadt hat Möglichkeiten zur Intervention ausgeschöpft

Hans-Joachim Haller (SPD) erzählte aus eigener Erfahrung. Er hatte bei einem Informationsgespräch gesagt, er möchte mit dem Unterschreiben abwarten: "Da hieß es, ich könnte den Vertrag ja schon einmal unterschreiben. Erst wenn irgendwann ein Ingenieur kommt, werde der Vertrag wirksam." Doch laut Haller habe das nirgendwo im Vertrag gestanden, sondern stattdessen, dass der Vertrag sofort zustande komme. Haller fand, dass man den UGG-Mitarbeitern "mehr auf die Finger schauen sollte", denn deren Vorgehen schaffe schlechte Stimmung und Unfrieden.

Carsten Boser (Grüne) kommentierte, er selbst habe ein hervorragendes Informationsgespräch gehabt. Er vermutet, dass bei den Anwohnern, die sich ganz am Ende nicht gemeldet haben, diese "Hausierermentalität" von Seiten der UGG komme und die Leute sich dann ein stückweit bedrängt fühlen. Aus Bosers Sicht müsse den Bürgern bewusst sein, dass es den Immobilienwert steigere, beim Glasfaserausbau teilzunehmen. Die Möglichkeit gebe es immerhin nur noch bis zum 31. Januar und im Nachhinein könne man nicht in fünf Jahren sagen, "buddeln wir halt schnell auf und machen neu". Boser merkte aber auch an, dass es Leute gebe, die Probleme hätten, weil bei ihnen von der UGG keine Broschüre eingeworfen wurde.

Hauptamtsleiter Dirk Bregger bestätigte die Aussagen der Räte: "Wir haben auch entsprechende Rückmeldungen aus der Bevölkerung bekommen". Es laufe insgesamt sehr unterschiedlich. "Einfluss nehmen können wir keinen. Hier agiert ein Unternehmen, da haben wir als Stadt keinen Einfluss." Man könne nur an die UGG appellieren, dass die Mitarbeiter weniger Druck aufbauen sollen.

Es entstehe manchmal wirklich der Eindruck, dass versucht werde, auf die schnelle ein Geschäft zu machen, so Bregger. Er verwies auf die Widerrufsmöglichkeit bei Haustürgeschäften, auf die er selbst auch beim Infogespräch hingewiesen worden sei. Aber er verweist auch darauf, dass es ein Widerrufsmöglichkeit gebe, da es sich um ein Haustürgeschäft handle, er sei darüber bei seinem Info-Gespräch auch aufgeklärt worden.

Laut Bregger könne man noch einmal auf die UGG zugehen und ihr mitteilen, dass auf das Ende der Vorvermarktungsphase hin vielleicht ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen werde.

Eine entsprechende Anfrager unserer Redaktion hat Jens Lauser, Pressesprecher der UGG, beantwortet. "Bei den Vertriebsmitarbeitenden handelt es sich um Beratungsexperten, die im Auftrag von UGG die Bürger in Wolfach über den Glasfaserausbau und die Möglichkeit, einen eignen Glasfaseranschluss zu erhalten, informieren", heißt es in dieser Antwort. Diese Beratungsleistung sei grundsätzlich unverbindlich. "Druck auf einzelne Personen soll mit diesem Beratungsangebot in keinem Fall ausgeübt werden", heißt es in der Antwort der UGG weiter.

Laut Lauser seien die Teams für eine professionelle und korrekte Beratung die Teams eigens geschult, zudem tragen die UGG-Mitarbeiter stets entsprechend gekennzeichnete Kleidung sowie einen Lichtbildausweis bei sich, um sich auszuweisen. "Informationsbroschüren per Post haben alle Haushalte erhalten, die keine Werbeverweigerungskennzeichnung am Briefkasten haben. Gerne können nach Rücksprache mit der Stadt zusätzliche Informationsbroschüren im Rathaus abgeholt werden", so Lauser.

Wer mit der Qualität oder Form des Beratungsgesprächs nicht zufrieden ist, soll sich direkt an die UGG wenden, die per E-Mail an info@unseregrueneglasfaser.de erreichbar ist. Laut Lauser könne das Unternehmen so schnellstmöglich reagieren. Die UGG verweist außerdem an den Infostand auf dem Wochenmarkt am Mittwoch, 8. Februar, den Bürger am Rathaus besuchen können.

Die UGG baut das Glasfasernetz in einigen Kommunen im Kinzigtal aus. Dabei kommt es aber immer wieder zu Unregelmäßigkeiten: Erst im Dezember war der Ausbau in Mühlenbach gestoppt worden, weil die Leitungen nicht tief genug vergraben werden. Außerdem hatte es während der jeweiligen Vermarktungsphasen ähnliche Kritik in unter anderem aus Mühlenbach und Hornberg gegeben.

"Unsere Grüne Glasfaser" ist einer der Kooperationspartner der "Breitband Ortenau" und soll das Glasfasernetz im Kreis mit ausbauen. In der Region erfolgt der eigenwirtschaftliche Glasfaserausbau durch die "UGG" in Mühlenbach, Fischerbach, Hausach, Steinach, Oberwolfach, Hornberg, Gutach und Wolfach. In Haslach und Hofstetten ist die Telekom in den Ausbau eingestiegen.