Nadine Bitzer aus Meßstetten und Laura Gloning aus Lauffen kennen sich schon seit knapp einem Jahrzehnt. In der Jugend spielten beide noch für die TSG Balingen. Wir waren vor Ort.
Donnerstagmittag, 13 Uhr: Der Sommer ist zurück und die Sonne strahlt über die Anlage in St. Leon-Rot. Blauer Himmel, ein knallgrüner Rasen – es ist fast schon idyllisch. Auf dem Platz befinden sich bereits Hütchen für die anstehende Trainingseinheit, der Rasensprenger läuft. Im Gebäude nehmen Nationalspielerin und Torschützenkönigin der Saison 2024/25 Selina Cerci und ihre Kolleginnen gerade das Mittagessen zu sich, es herrscht beste Stimmung.
Verständlich, schließlich sind wir an diesem Tag zu Gast beim Tabellenführer der Frauen Bundesliga (Anm. d. Redaktion: Durch die 1:2-Niederlage am Wochenende in Bremen, ist dies nicht mehr der Fall). Unter anderem dank einem 3:0-Erfolgs über Eintracht Frankfurt feierte die TSG Hoffenheim einen tollen Saisonstart. Die Gründe für unseren Besuch sind Nadine Bitzer (Meßstetten, Zollernalbkreis) und Laura Gloning (Lauffen, Kreis Rottweil). Gut gelaunt erscheinen die beiden, welche sich schon eine ganze Weile kennen, zum Interview.
Zusammen in der Auswahl
„Wann war eure erste Begegnung?“ lautet die Startfrage. Beide fangen an zu lachen. „Das muss ewig her sein. Ich habe neulich ein Bild von uns gefunden“, schmunzelt Bitzer. Diese ist 2006 geboren, Gloning ein Jahr früher. Gemeinsam spielte man in der Talentfördergruppe Schwarzwald-Zollern und der WFV-Auswahl.
Beide schnürten die Fußballschuhe auch für die TSG Balingen und kickten bis zur U15 (Gloning) respektive U16 (Bitzer) mit den Jungs. „Das war schon eine prägende Zeit, ich habe mich mit allen gut verstanden“, denkt Bitzer zurück. Gloning sagt: „Ich habe nur positive Erinnerungen an diese Jahre und es hat mir auch viel gebracht.“
Erfolg bei Bayern München
Während Bitzer sich 2022 der TSG Hoffenheim II anschloss, ging es für Gloning bereits 2020 zur U17 des SC Freiburg, ehe sie anschließend zum FC Bayern München wechselte. Zumeist spielte sie in der U20, kann sich aufgrund eines Bundesliga-Einsatzes aber auch Deutsche Meisterin nennen. Seit dem Sommer sind die beiden nun Teamkolleginnen.
Bitzer unterschrieb einen Vertrag bei der 1. Mannschaft, Gloning wechselte vom FCB ins Kraichgau. „Früher haben wir immer gesagt, dass wir irgendwann mal zusammen in einer Mannschaft spielen. Dass es so schnell der Fall ist, hätte ich aber nicht gedacht“, erzählt die Meßstetterin.
Bitzer noch in der Warteschleife
Diese muss bisher noch auf das Debüt in der Bundesliga warten. Den so erfolgreichen Saisonstart verpasste sie gesundheitsbedingt.„Das oberste Ziel ist nun, wieder vollends fit zu werden. Dann brenne ich natürlich auf meinen ersten Einsatz“; so Bitzer.
Ihr Coach Theodoros Dedes erläutert: „Leider konnte Nadine aufgrund von Verletzungen und Krankheiten an der Vorbereitung auf die angelaufene Saison nicht in der Weise teilnehmen, wie wir und sie uns das gewünscht haben. Sie bringt sehr viel positive Energie mit, die sie auf dem Platz in Intensität und Dynamik umwandelt. Menschlich ist sie mit ihrer Frohnatur, ihrem Lachen und vor allem ihren Führungsqualitäten jedoch bereits heute eine große Bereicherung für uns.“
Zuletzt im Zentrum
Gloning hingegen rutschte sofort in die Startelf von Dedes, der seit 2024 im Kraichgau ist und zuvor Co-Trainer bei den Herren von Waldhof Mannheim war. Sie überzeugte auf ungewohnter Position im zentralen Mittelfeld. In den vergangenen Jahren hatte sie fast immer als Rechtsverteidigerin gespielt, unter anderem auch beim Titel mit der DFB-U17 bei der Europameisterschaft 2022. „Das hat sich durch Verletzungen in der Vorbereitung ergeben. Im Testspiel gegen den VfB Stuttgart wurde ich dort das erste Mal eingesetzt. Früher habe ich immer mal wieder im Zentrum gespielt. Es macht auf jeden Fall Spaß. Mal schauen, wie es weitergeht.“
Hierzu sagt Dedes: „Laura ist eine sehr spielintelligente Spielerin, die schnell in unsere Abläufe gefunden hat. Es hilft uns enorm, dass sie auf verschiedenen Positionen eingesetzt werden kann. Sie hat gerne den Ball am Fuß und tritt kreativ damit auf, weshalb sie auch sehr pressingresistent ist.Ich bin sehr zufrieden mit ihrer bisherigen Entwicklung im TSG-Trikot!“
Bald Konkurrentinnen?
Da auch Bitzer in der Vergangenheit häufig rechts hinten spielte, könnten die Freundinnen womöglich auch zu direkten Konkurrentinnen werden. Schmunzelnd geben sie zu Protokoll: „Darüber haben wir bisher gar nicht gesprochen, aber auf einem gewissen Niveau gibt es eben Konkurrenzkampf.“
Bei der anschließenden Trainingseinheit, welche wir ebenfalls beobachten, legen sich Bitzer, Gloning und Co. dann voll ins Zeug. Auffällig: Immer wieder wird trotz aller Ernsthaftigkeit auch gelacht, das Team harmoniert. „Das ist schon die gesamte Vorbereitung so. Die ’Neuen’ wurden sehr schnell integriert“, so Bitzer. Parallel zur Aufgabe als Fußballerin studiert sie noch in Heidelberg. Dies plant auch Gloning, die in diesem Jahr ihr Abitur gemacht hat, will sich aber ein Jahr nur auf den Fußball konzentrieren. „Die vergangenen Jahre waren sehr anstrengend mit der Schule parallel, das tut jetzt erstmal gut“, sagt die Lauffenerin.
Von München ins Kraichgau
Im Vergleich zur Metropole München, ist im Kraichgau alles etwas ruhiger. Sie meint: „Ich fühle mich genau so wohl, und bin das ja von zu Hause gewohnt.“ Top-Favorit auf den Meistertitel ist für Bitzer und Gloning der FC Bayern München. In Hoffenheim selbst will man von Spiel zu Spiel schauen, „Wille und Mentalität zeigen“ sowie „den eigenen Fußball auf den Platz bringen“.
Dass das Interesse größer wird und der Frauenfußball mehr Aufmerksamkeit erhält, zeigte das Eröffnungsspiel der Liga in der Allianz-Arena vor fast 60.000 Zuschauern. Auch im „Alltag“ sind positive Zeichen zu vernehmen. „Der Frauenfußball wächst. Ich habe schon das Gefühl, dass man mehr gesehen wird“, so Bitzer. Gloning, die in den vergangenen Jahren regelmäßig mit Akteurinnen wie Giulia Gwinn und Klara Bühl trainierte, bestätigt dies.
Mut und Vertrauen wichtig
Und welche Tipps hat das Duo für junge Mädchen, die ebenfalls gerne Fußball spielen und vielleicht auch von einer Profikarriere träumen? „Man soll nie den Mut und das Vertrauen in sich verlieren und versuchen sein Ding durchzuziehen. Wenn es Spaß macht, ist es auch das Richtige“, formuliert Gloning und wird von Bitzer ergänzt: „Lasst euch nie einschüchtern.“ Und wer weiß, vielleicht schaffen es ja noch mehr talentierte Mädels aus der Region in die Sphären der beiden.