Der Ettenheimer Bürgermeistersessel galt im 20. Jahrhundert als Schleudersitz: Kaum einem Rathauschef war dort mehr als eine Amtszeit vergönnt. Bürgermeister Bruno Metz beendete diese Serie – und ist seit 30 Jahren im Amt. Leicht war es aber nicht immer.
Als 14. Ettenheimer Bürgermeister im 20. Jahrhundert trat Bruno Metz am 2. Januar 1995 sein Amt an. Zuvor war es ihm bei der Wahl am 10. Oktober gelungen, sich gegen den damaligen Amtsinhaber durchzusetzen. Nach seiner Zeit als Hauptamtsleiter von Oberkirch war es für den damals 35-Jährigen der nächste Karriereschritt.
Wirtschaftsschwaches, aber verheißungsvolles Ettenheim: Doch warum ausgerechnet Ettenheim? Die Stadt gehörte 1994 zu den wirtschaftsschwächsten im Ortenaukreis, die Bevölkerung wählte ihre Bürgermeister meist nach einer Amtsperiode wieder ab und die beiden größten Betriebe im Ort, BASF und Stoelcker, hatten gerade dichtgemacht. Doch Metz sah, „dass in dem Städtchen mehr Potenzial steckt, als damals sichtbar gemacht wurde. Ich habe damals nicht auf die kommunalen Strukturen geachtet, sondern darauf, wie ich die Stadt wahrgenommen hatte: Ihre wunderschöne Lage zum Übergang in den Schwarzwald, die grundsätzliche Infrastruktur, bei der alles zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar ist – und ich dachte: Da kann man was tun!“, schildert er unserer Redaktion. Die Schönheit Ettenheims fasziniert ihn noch immer: „Es gibt wahnsinnig schöne Plätze auf der Gemarkung, die ich immer mal wieder besuchen muss und die mir Kraft geben“, verrät er.
Vom Schlusslicht ins Mittelfeld: Ein Angriffspunkt 1994/1995 war die Wirtschaftspolitik. Die Gewerbesteuer betrug in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre noch 700 000 Mark (rund 350 000 Euro), schätzt Metz. Zum Vergleich: Inzwischen sind es rund acht Millionen Euro. Für 11 000 Bewohner bot die Stadt 1800 Arbeitsplätze. „Wir haben die Arbeitsplätze in 30 Jahren um rund 80 Prozent gesteigert“, so Metz – und damit auch die Identifikation der Bürger für den Ort erhöht. Dabei musste er die Finazen stets im Blick behalten: „Wir haben nie aus dem Füllhorn leben können, sondern mussten immer mit knappen Mitteln versuchen, eine Vielzahl an Wünschen zu erfüllen – und zugunsten kostengünstiger Lösungen Kompromisse eingehen“. Doch das mit Erfolg: In seinen Amtszeiten ist es ihm gelungen, Ettenheim ins wirtschaftliche Mittelfeld der Ortenau zu ziehen.
Industriepark für wirtschaftliche Stabilität: Doch zurück zu 1994: Bereits vor seinem Amtsantritt sprach Metz mit den Verantwortlichen darüber, was mit dem früheren BASF-Gelände passieren sollte. Ein großer Möbelhändler hatte ein Angebot gemacht, doch Metz war das zu unsicher. Was wenn dieser wieder pleite machte? „Ich wollte einen Industriepark nach dem Vorbild von Willstätt. Und ich bin heute noch dankbar, dass die BASF diesen Schritt mitgegangen ist“, resümiert Metz.
Klimaschutz im Blick: Und das Stoelcker-Areal? Dort entstand die Fernwärme Ettenheim mit der Heimschule St.Landolin als Ankernutzer für eines der größten Solar-Thermie-Kraftwerke Deutschlands. Das Thema Klimaschutz beziehungsweise erneuerbare Energien lag Metz mit Blick auf die nachfolgenden Generationen schon immer am Herzen. In Sachen Windkraft gilt Ettenheim als Pionier. Der erste Windpark ging 2000 ans Netz. Zum Teil in Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden befinden sich in und bei Ettenheim sieben Windräder im Betrieb, drei sind im Bau und vier weitere geplant. „Das heißt, wenn alles gut läuft, kann Ettenheim bis zu 100 Millionen Kilowattstunden Strom über Windkraft produzieren, dazu kommen 13 bis 14 Millionen aus Solaranlagen.“
Zu viel und zu wenig Wasser: Auf Metz’ Initiative hin wurde ein neues Hochwasserkonzept entworfen – denn die Altstadt stand regelmäßig unter Wasser, die Leute fuhren zum Teil mit den Kanu zum Einkaufen. Mit einem Ingenieurbüro arbeitete er ein Konzept aus, das Wasser bereits mit vier Becken oberhalb der Stadt abzufangen. Auch die Wasserversorgung war ein Problem: Das Wasser im Tal reichte nicht, das Wasser im Westen war durch einen Industrieunfall CKW-belastet. So kam Metz auf die Idee, sich gemeinsam mit dem Ringsheimer Bürgermeister mit Rust zusammenzutun, das große und gute Wasservorkommen hat, – die Geburtsstunde des Wasserversorgungsverbands Südliche Ortenau, der heute 42 000 Menschen „mit exzellentem und erschwinglichem Wasser“, versorgt.
Viele Investitionen in die Infrastruktur: Auch Abwasserkanäle und ein neues Schulkonzept sollten Metz noch lange beschäftigen. Der damals vieldiskutierte Espen-Ring wurde gebaut, um die Innenstadt vom Verkehr zu entlasten und sie „den Bürgern zurückzugeben“, wie er sagt. In Zusammenarbeit mit Experten, Aktiven und Arbeitskreisen erhielt die Innenstadt ein völlig neues Gesicht, mit vielen Aktionen, Veranstaltungen und Angeboten für Familien. Das Krankenhaus gelang es Metz 1995 vor der Schließung zu retten und stattdessen zu erweitern. Mehr als 25 Jahre hatte Ettenheim noch ein Krankenhaus. Und auch wenn dieses seit 2023 in ein Zentrum für Gesundheit mit Rehaklinik umgewandelt wird – der Notarztstandort blieb erhalten. „Medizinische Leistungen und Arbeitsplätze gibt es auch künftig“, versichert Metz.
Zusammenarbeit und Gestaltung: Metz lobt die Zusammenarbeit mit Gemeinderäten, Ortschaftsräten, Arbeitskreisen, Vereinen und vielen engagierten Bürgern. Auch bei seinen Mitarbeitern legt er Wert auf ein gutes Verhältnis. „Natürlich müssen meine Angestellten fachlich versiert sein, aber es geht auch immer um den Menschen dahinter“, betont er. Deshalb hätten die Verwaltungsmitarbeiter auch regelmäßig Persönlichkeitsschulungen und fänden bei Metz eine offene Tür vor. „Alleine erreicht man nichts, aber als Bürgermeister hat man eine Position, in der man in Zusammenarbeit mit Vielen viel erreichen kann“, betont er. Diese Gestaltungsarbeit sei das was für ihn den Reiz an seinem Job ausmache. Die meisten Begegnungen mit Menschen und ihren Ideen und Ansichten bleiben Metz positiv in Erinnerung. Selbst dann, wenn sie scheinbar ganz alltäglich sind, – und alte Damen ihn beim Geburtstagsbesuch für den Herrn Pfarrer halten oder Kinder für den Hausmeister von Ettenheim – bringt ihn das zum Schmunzeln.
Schwere Zeiten: Doch mitunter hatte Metz auch ordentlich Gegenwind bekommen. „Ich bezweifle, dass mich der damalige Gemeinderat gewählt hätte“, so Metz über die ersten Jahre, als er sich mit seinen neuen Ideen nicht nur Freunde gemacht und sogar Dienstaufsichtsbeschwerden erhalten hatte. „Es war nicht eine Einzige relevant. Aber man hat es halt probiert“, so Metz. Und dann gab es noch einen kurzen Moment, in dem er davor war, alles hinzuwerfen: Als nach wochen- und monatelangen Debatten, teils persönlichen Anfeindungen und sogar einer Anzeige beim Staatsanwalt gegen Metz bei einem Bürgerentscheid der Bau des Biomassekraftwerks durchfiel. Doch als Bürger auf ihn zugingen, betonten, dass sie nur gegen die Sache und nicht gegen ihn gestimmt hatten und ihm sogar Respekt für seine Haltung aussprachen, konnte er das akzeptieren.
Ettenheim treu geblieben: Auch wenn er – gerade während seiner ersten beiden Amtszeiten – viele Angebote und Anfragen anderswo erhielt, Metz blieb Ettenheim immer treu. „Ich habe zigfach mehr schöne als unschöne Momente gehabt. nach wie vor überwiegt eindeutig das Positive“, betont er. Eine fünfte Amtszeit steht für Metz trotz aller Liebe zum Beruf aber nicht zur Debatte. 2026 wird definitiv Schluss sein, erklärt er.
Wahlergebnisse
Bruno Metz wurde am 10. Oktober 1994 mit 55,1 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister von Ettenheim gewählt. Der damals 35-Jährige setzte sich auf Anhieb gegen drei weitere Kandidaten – darunter auch den Amtsinhaber Ruthard Hirschner – durch. Bei seiner Wiederwahl 2002 hatte Metz zwei Gegenkandidaten, war aber mit 93,4 Prozent der Stimmen klarer Wahlsieger. 2010 erhielt Metz ohne Gegenkandidaten 98,97 Prozent der Stimmen. 2018 hatte Metz drei Gegenkandidaten und setzte sich mit 74,93 Prozent durch.