Auf dem Kurhaus-Parkplatz in Dobel steht eine E-Ladesäule. Au der Sonneninsel gibt’s noch 37 weitere. Foto: Sabine Zoller

Neval Aras von der Netze BW berichtet im Gemeinderat über E-Autos, Solaranlagen, Erdkabel und davon, dass es für sein Unternehmen auf der Sonneninsel derzeit nichts zu tun gibt.

Eigentlich könnten Neval Aras und seine Kollegen von der Netze BW GmbH die Beine hochlegen, wenn sie an Dobel denken. Stattdessen gab der Konzessionsmanager den Gemeinderäten einen Überblick über das Dobler Stromnetz, das sein Arbeitgeber betreibt.

 

Ausgezählt 68,9 Kilometer lang ist das Stromnetz in Summe. Auf Mittelspannungskabel entfallen 20,6 Kilometer. Diese sind zu 100 Prozent unter der Erde verlegt. Die Niederspannungskabel haben eine Länge von 48,3 Kilometern und seien inzwischen ebenfalls alle unterirdisch verlegt. Wobei es in Dobel noch einige Dachträger gibt, die bisher nicht abgebaut sind. Von daher beträgt die Quote hier laut Aras – Stand 2024 – 91,7 Prozent.

Grund für Stromausfall bleibt oft unentdeckt

Ausfälle Dass die meisten Kabel unterirdisch verlaufen, macht die Ursachensuche bei Störungen indes schwierig. Unter der Erde, meinte Neval Aras, „da tut sich was“. Nur was? In 41 Prozent der Störungen im Netze-BW-Netz, also dem Großteil, ließ sich der Grund nicht finden. Mit 16 Prozent die zweithäufigste Ursache für Aussetzer in der Stromversorgung sind „atmosphärische Einwirkungen“ – etwa Stürme oder Äste, die infolge auf Leitungen stürzen. 13 Prozent der Störungen sind auf Erd- oder Baggerarbeiten, bei denen Kabel aus Versehen gekappt werden, zurückzuführen.

Für die Netze BW war das vergangene Jahr ein durchschnittliches, was die Zeiten mit Stromausfall betrifft: 2023 war in Summe netzweit 13,9 Minuten lang der Strom weg. „In etwa ist das der Schnitt über die Jahre“, erklärte Aras. 2023 waren es dagegen lediglich 2,7, 2022 sogar nur 0,3 Minuten. Dafür summierte sich die Ausfallzeit im Jahr davor auf 41,1 Minuten.

In den USA gibt es lange Aussetzer

Im internationalen Vergleich steht nicht nur das größte Netz in Baden-Württemberg, sondern auch Deutschland laut Aras gut da. 2023 war in der Bundesrepublik durchschnittlich 12,8 Minuten lang der Strom weg. In Frankreich waren es 56 Minuten, in den USA gar 118,4, in Österreich 32,3 Minuten.

Ausblick „Es wird generell mehr Strom benötigt für viele Anwendungen“, erklärte Neval Aras. Entsprechend hat das Unternehmen in den Jahren 2020 bis 2024 in Dobel 1,7 Millionen Euro investiert, so Aras. 1,3 Millionen Euro davon fielen allein für die Verkabelung an, also die Verlegung von Stromkabeln unter die Erde.

Und nun? Wie geht es weiter in Dobel? Dazu habe er vom Netzplaner die folgende Auskunft bekommen: „Hier ist alles getan.“

38 Ladestationen für E-Autos gibt es in Dobel

Auftanken Passend zur Sonneninsel gibt es in der Gemeinde immer mehr Photovoltaikanlangen. Stand 2024 waren 134 Anlagen verbaut mit einer Leistung von insgesamt 1547 Megawattstunden. Dazu kommen elf Balkonkraftwerke. Rein rechnerisch kann sich Dobel laut Aras so zu etwa 16 Prozent selbst versorgen.

Im Vergleich zu den Vorjahren sei etwa der Stromverbrauch für die Straßenbeleuchtung im Ort gesunken, dafür steige der Energiebedarf durch Wärmepumpen und Elektromobilität.

Im gesamten Netz des Unternehmens seien 84 401 Ladepunkte für E-Autos gemeldet, 75 Prozent davon gehörten Privatleuten, das restliche Viertel sei gewerblich.

In Dobel gibt es laut dem Konzessionsmanager 38 Ladestationen mit 39 Ladepunkten. Ebenso viele Fahrzeuge können völlig zeitgleich laden.

Aras berichtete von 67 E-Autos – 44 sind rein strombetrieben, 23 sogenannten Plug-in-Hybride – in der Gemeinde. Das entspreche einer Elektrifizierungsquote von 4,5 Prozent des Gesamtfahrzeugbestands.

Passend dazu fragte Gemeinderat Tobias Neubauer (Freie unabhängige Dobler), ob es sein könne, dass die Netzkapazität im Neubaugebiet Obere Hardt nicht ausreiche, um weiter E-Ladesäulen zu installieren. Dies sei ihm zugetragen worden.

Dass es mal zu Netzengpässen komme, das könne sein, meinte der Experte. Aber eher bei alten Netzen. Bei Neubaugebieten achteten die Betreiber darauf, die Netze entsprechend groß zu konzipieren. Allerdings: „Wir als Netzbetreiber dürfen Netze immer erst dann ausbauen“, wenn die Kapazität ausgeschöpft ist, und nicht vorsorglich.