Das Zollhauser Pfetzergericht tagt am Fasnetsdienstag. Das närrische Urteil ist hart, aber dennoch fair.
Das traditionelle Pfetzergericht der Zollhauser Narrenzunft kommt am Fastnachtsdienstag, 13. Februar, zur Verhandlung zusammen. Pünktlich ab 10.11 Uhr muss der Angeklagte, der Blumberger Entertainer Franz Vogt, vor dem hohen Gericht in angemessenem Häs im Zollhauser Narrennest, dem Gemeinschaftshaus, erscheinen.
Mit Klängen des Fanfarenzuges und würdiger Vorladung wurde der angeklagte Musikus persönlich bei ihm zu Hause von diesem närrischem Gerichtstermin mit schriftlicher Urkunde in Kenntnis gesetzt.
Der ehemalige Zunftmeister Werner Waimer und jetzige Obrist der Narrenvereinigung Hegau/Bodensee trug in markanten Worten die Anklageschrift vor. Wegen groben Verstößen gegen den närrischen Alefanz muss sich der ehemalige Burgpfeifer und Alleinunterhalter der Blumberger Saalfastnacht dem hochwohllöblichen Pfetzergericht stellen.
Seit diese Instanz von dem Zollhauser Erznarren Werner Waimer ins Leben gerufen wurde, ist die prominente Liste der bisher Verurteilten lang. Von Bürgermeister Markus Keller und einem seiner Vorgänger, Clemens Stahl, über den Blumberger CDU-Vorsitzenden Dieter Selig mussten sich bereits knapp 30 Angeklagte dem Gericht stellen. Nie kamen sie hinter die Gitter, doch die zumeist symbolischen Strafen hatten es in sich.
Ein Höhepunkt
Diese Veranstaltung entwickelte sich zu einem der Höhepunkt der regionalen Fastnacht und ist aus dem Terminkalender nicht mehr wegzudenken. Auch für den Blumberger Humoristen Franz Vogt wird es an diesem Tag ernst werden. Mit sperrigem Maulkorb aus dem Mittelalter wird er beim Betreten der Anklagebank unter dem Holzjoch mundtot gemacht. Dies ist für die schlagfertige Frohnatur bereits die Höchststrafe.
Erstmals wird der Vorstand des Fanfarenzuges und stellvertretende Zunftmeister der Pfetzerzunft, Silvio Waimer, als Nachfolger seines Vaters Werner Waimer die umfangreiche Anklage verlesen. Verteidiger Tim Wölfle, Richter Simon Bank sowie mehrere Schöffen werden das närrische Gerichtsgremium vervollständigen. In ansprechenden, originalen Kostümen strahlt diese Instanz viel Respekt aus. Erst nach dem Richterspruch wird der Verurteilte aus seinen Ketten befreit. Dass es Franz Vogt dann die Sprache ganz verschlagen hat, ist wohl nicht zu erwarten. Vor allem sängerisch ist mit einem passenden Kontra zu rechnen.
Besondere Atmosphäre
Beim Pfetzergericht herrscht immer eine ganz besondere Atmosphäre und die Öffentlichkeit ist zu diesem spektakulären Akt eingeladen. Die gastgebende Pfetzerzunft ist stets in kompletter Stärke vertreten und sorgt für einen bunten, aber auch würdigen Rahmen. Seit der ehemalige Zunftmeister Werner Waimer diese Gerichtsveranstaltung 1993 ins Leben rief, hat sie sich auf Anhieb zu einer großen Bereicherung der lokalen Fastnacht etabliert.
Jedes Jahr schaut man mit einigen Erwartungen und voller Spannung diesem Prozess entgegen: Wer muss sich in diesem Jahr stellen und wie lautet das närrische Urteil? So lauten die Fragen derjenigen, die zur Verhandlung kommen. Das diesjährige Opfer Franz Vogt hat sich diese Ehre verdient. Der Bruder des bekannten Musiker- und Comedystars Hansi Vogt war an der Blumberger Fastnacht viele Jahre eine feste Größe.
Nicht umsonst wurde er bei der Vorladung als „Möchtegern-Silbereisen“ des lokalen Karnevals betitelt. Mit passendem Liedgut und perfekter Stimme war er bei den Programmabenden der Blumberger Narrengesellschaft mehr als ein Pausenfüller. Außerdem gehörte er bei den legendären Burgpfeifern zu den unvergessenen Originalen und hat dort tiefe Spuren hinterlassen.
Fasnetprogramm
Die Pfetzerzunft
aus Blumberg-Zollhaus gehört im Raum Blumberg zu den ältesten Narrenvereinen. Zuletzt konnte man sie beim Jubiläumsumzug des Gaszug Randen vor zwei Wochen auf Blumbergs Straßen in voller Stärke bewundern. Am heutigen Schmutzigen Donnerstag ist man nach dem Wecken in Zollhaus anschließend in Blumberg mit bei der Schul- und Kindergartenbefreiung unterwegs. Ab 13.31 Uhr wird mit dem Kinderumzug und anschließender Kinderfastnacht im Gemeinschaftshaus Zollhaus der Nachwuchs gepflegt. Nach weiteren auswärtigen Fastnachtsterminen wird am Dienstag mit dem Pfetzergericht, 10.11 Uhr, im Gemeinschaftshaus und dem abendlichen Hemdglonkerumzug ab 18 Uhr die Fastnacht nochmals kräftig gefeiert.