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Zollernalbkreis So gehen Veranstalter mit Corona-Krise um

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Bislang kann die Feier weitergehen: Diskos, Clubs und Kinos bleiben vorerst geöffnet. Foto: Maier

Zollernalbkreis - Reihenweise werden in dieser Woche öffentliche Veranstaltungen abgesagt. Doch wie reagieren Diskotheken und Kinos im Kreis auf die Ausbreitung des Coronavirus’?

Ohne Publikum, das bei ihnen Zerstreuung sucht, verdienen Diskos, Konzert- und Lichtspielhäuser nichts. Im Kreis haben sie weiter geöffnet – spüren aber teilweise bereits die Krise.

Newsblog zur Ausbreitung des Coronavirus in der Region

Keine Spur von Corona in der Hechinger Discothek WOM: Die Rocknacht am Samstag steigt wie geplant. Erwartet werden für das Event 200 bis 300 Gäste. Wie der Betreiber Wolfgang Bayer sagt, hat er diese Veranstaltung bereits mit Plakaten angekündigt und "selbstverständlich" finde alles wie gehabt statt. Desinfektionsmittel werde standardmäßig angeboten. Gaststätten hätten ja auch nicht geschlossen.

Das Hofgut Domäne hat weiterhin geöffnet. Doch die Betreiber spüren die Auswirkungen des Coronavirus’ inzwischen deutlich: "So viele Stornierungen haben wir normalerweise nicht", berichtet Manuela Lacher. Alleine diesen Mittwoch wurden fünf Reservierungen mit 45 Personen abgesagt. Auch zu Großveranstaltungen kommen weniger Besucher.

Brautpaare sind besorgt

Besorgt seien Brautpaare, dass Hochzeitsgäste wegen des Virus’ ihre Teilnahme an der Feier kurzfristig absagen. Gut 100 Hochzeiten werden jährlich auf dem Hofgut Domäne gefeiert, etwa die Hälfte davon mit mehr als 100 Personen. Bei manch künftigem Ehepaar gehe die Befürchtung um, dass die Feiern von Behörden generell untersagt werden könnten. Desinfektionsmittel gibt es im Hofgut Domäne, allerdings standardmäßig, nicht erst seit Corona.

Unter der Woche laufe es seit etwa zwei Wochen "katastrophal schlecht", sagt Markus Müller, Junior-Chef des Bali-Kino-Palasts über die Auswirkungen der Krise: "Wenn wir in einer Vorstellung 20 Leute haben, sind wir froh." Das Balinger Kino hat rund 900 Sitzplätze.

An den Wochenenden, vor allem Samstag und Sonntag, ziehe der Publikumszulauf dann aber wieder so an, dass man meinen könne, die Menschen hätten keine Angst mehr. "Die Zuschauerzahlen sind spürbar gesunken, aber nicht so, dass wir den Laden dicht machen müssen", fasst Müller zusammen.

"Mit Panik ist niemandem gedient"

Ob es in den sonst starken Osterferien besser wird, ist aus Sicht des Sohns des Kinobesitzers Hans Müller unsicher: Die Verleihe verschieben einige Blockbuster, der zugstarke, 25. Bond-Film kommt erst im Herbst, aber auch Animationsfilme wie "Peter Hase" fallen weg. "Da haben wir fast ein Filmloch", auch wenn keine Vorstellungen ausfallen müssten.

Zum Schutz von Zuschauern und Mitarbeitern hat das Kino überall Desinfektionsmittel aufgestellt und nach jeder Vorstellung werden die Türklinken gereinigt. Die Zuschauer könnten weiter ohne Sorge kommen. Schließen werde man nur im Fall einer direkten Anweisung der Gesundheitsbehörden.

"Mit Panik ist niemandem gedient", findet Dominique Brandt, der Inhaber der Diskothek Tropicana in Ebingen. Der Betrieb gehe weiter, auch die beiden Termine, der Auftritt des Rappers Sido am 21. und das Gastspiel des DJ-Duos "Gestört aber Geil" am 27. März, stehen nach wie vor im Kalender. Zu dekretieren, dass die Jugend abends zu Hause bleiben und sich nur noch mit dem Smartphone beschäftigen solle, könne auch keine Lösung sein.

Allerdings legt Brandt, der bis jetzt keinen durch Corona bedingten Rückgang des Kundeninteresses wahrgenommen hat, seinen Gästen dringend nahe, die Etikette der Gesundheitsprävention zu beachten: regelmäßig 20 Sekunden lang Hände waschen, in die Ellenbeuge niesen oder husten oder bei Erkältung gleich zu Hause bleiben. Wer’s schriftlich braucht, kann‘s haben: Die Regeln zur Prävention stehen auf Aushängen am Eingang.

Appell an den gesunden Menschenverstand

Außerdem ergehe ein Appell an den gesunden Menschenverstand: "Die Sache ernst nehmen, aber keine Panik verbreiten und aufgeschnappte Irrtümer und Falschinformationen nicht gedankenlos weiterverbreiten."

Im Übrigen, versichert Brandt, werde das 1000-Personen-Limit wird bei allen Veranstaltungen gewissenhaft eingehalten, die Toiletten würden mehrmals am Abend gereinigt und desinfiziert, das Personal werde zum Thema Händehygiene geschult und den Gästen stehe jederzeit ausreichend Seife zur Verfügung.

Dirk Bamberger, Geschäftsführer des Top 10, sagt, von einem Rückgang der Besucherzahlen sei in der Balinger Diskothek noch nichts zu spüren. Es gebe lediglich vereinzelt Anfragen, ob noch geöffnet sei, vornehmlich von Leuten, die eine VIP-Lounge reserviert haben.

Desinfektionsmitten an Ein- und Ausgängen

Desinfektionsmittel stehen im Top 10 an allen Ein- und Ausgängen, in Toiletten- und Sanitätsräumen sowie an allen Arbeitsplätzen zur Verfügung: "Wir haben zum Glück noch Bestände gehabt", sagt Bamberger. Teilweise habe man aber auch bereits selbst Desinfektionslösungen nach Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation gemischt.

Für gute Belüftung ist gesorgt, und auch der Außenbereich bleibt offen, damit die Menschen nicht zu eng aufeinander stehen müssen. Alle Mitarbeiter wurden über Hygiene- und Verhaltensregeln informiert. An den Einlässen sind die Security-Leute angewiesen, Personen mit erkennbaren Erkältungssymptomen anzusprechen: "Wir bauen auf die Vernunft der Gäste."

Das gilt auch für anstehende Veranstaltungen wie etwa ein Hiphop-Event am Wochenende: Der DJ wird nach derzeitigem Stand kommen. Über Social Media will das Top 10 die zahlenden Gäste dafür sensibilisieren, dass diese besser zuhause bleiben, falls sie gesundheitlich angeschlagen oder in einem Risikogebiet gewesen sind.

Schließung nur nach behördlicher Anordnung

Man müsse von Tag zu Tag zu entscheiden, ob geöffnet werde. Schließen werde die Disko nur, wenn eine entsprechende behördliche Anordnung erfolgt, sagt auch Bamberger. Bis dahin könnten die Gäste ohne Sorge kommen.

Ähnlich sieht das Stefan Helbing, der den Balinger Sonnenkeller betreibt: Solange es keine anderslautenden Richtlinien gibt, werde er keine Veranstaltungen absagen.

Konzerte und ähnliches finden in dem Live-Club weiter statt. Unter der Woche kämen zwar spürbar weniger Leute, aber es könne sein, dass die Gäste sich derzeit noch von der Fasnet erholten.

Helbing sieht die zahlreichen Veranstaltungsabsagen skeptisch: "Das finde ich schwierig. Das schürt die Panik."

Der Sonnenkeller fasst weit unter 1000 Gäste, fällt also bislang nicht unter das Veranstaltungsverbot. Ohnehin würden in der Unterhaltungsgastronomie strenge Hygienevorschriften gelten, so Helbing: "Türklinken reinigen, Hände waschen – da hat sich nichts geändert."

Viele seiner Kollegen in der Branche planten bereits ganz normal für April und Mai. Erstens müsse man weiter Umsatz machen, zweitens bringe ein drohendes, generelles Veranstaltungsverbot nichts: Zum Einkaufen oder an die Tankstelle gehe man ja weiterhin. Ausgerechnet Gastronomie mit kleinen Veranstaltungen zu unterbinden, sei nicht sinnvoll. "So wird man das nicht in den Griff bekommen."

Helbing fürchtet, dass solche Maßnahmen hauptsächlich die Sorge der Menschen vor einer Ansteckung förderten. "Vorsicht ja, Panik nein", lautet sein Grundsatz.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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