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Zollernalbkreis So arbeitet die Corona-Schwerpunktambulanz in Balingen

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Geschultes DRK-Personal testet die Patienten. Foto: Günzel

Zollernalbkreis - So etwas wie einen Rundumservice bietet die Corona-Schwerpunktambulanz (CSA) in Balingen: Dort können Bewohner aus dem Zollernalbkreis unangemeldet hingehen, sich untersuchen und auf das Virus testen lassen und werden darüber hinaus via Instagram noch rund um das Thema Pandemie informiert. Wie das Team um Dr. Daniel Urban arbeitet, hat sich www.schwarzwaelder-bote.de angesehen. 

Alles unter einem Dach - und zwar unter dem der Balinger Kreissporthalle. Dort befindet sich nicht nur die Corona-Schwerpunktambulanz, sondern auch die zentrale Abstrichstelle für den Zollernalbkreis. Schon vor dem Eingang trennt sich die Spreu vom Weizen: Reiserückkehrer sollen in die eine Richtung, Patienten mit Symptomen in die andere. "Bitte halten Sie Ihre Krankenversicherungskarte bereit", fordert ein weiteres Schild auf. Alles ist strukturiert und gut durchdacht.

Und zwar von Dr. Daniel Urban. Er ist Hausarzt und Internist in Balingen und hat im März die ärztliche Leitung der CSA Zollernalb übernommen. Seit August ist er außerdem der Pandemiebeauftragte der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg für den Zollernalbkreis und somit in Sachen Corona Ansprechpartner für den Landkreis und für die niedergelassenen Ärzte, die eine Corona-Schwerpunktpraxis betreiben. 

Urban wollte Teststelle weiter ausbauen

Als das Coronavirus im März die Region erreichte, war Urban gerade bei einer Forbildung in den bayrischen Alpen. "Ich kam zurück und war plötzlich in diesem Chaos", erinnert sich der Arzt. Er habe sich daraufhin intensiv damit beschäftigt, wie man trotz Ärztemangel und fehlendem Schutzmaterial die Bevölkerung optimal durch die Pandemie begleiten kann. Nachdem er am Wochenende das Konzept der CSA entwickelt hatte, habe er sich umgehend an das Landratsamt gewandt und vorgeschlagen, die damals schon existierende und vom DRK betriebene Teststelle um eine Einheit zu ergänzen - er wollte, dass Patienten auch vor Ort behandelt und beraten werden. Das Landratsamt sei von der Idee sofort angetan gewesen. 

Zunächst war diese "Behandlungseinheit" in der Sparkassenarena eingerichtet. Abstriche wurden bei der nahegelegenen Drive-in-Teststelle bei der Volksbankmesse gemacht. Im weiteren Verlauf wurde die CSA zur Teststelle in die Volksbankmesse verlegt. Als die erste Welle abklang, sei man dann in das ehemalige Gesundheitsamt neben dem Zollernalb Klinikum gezogen. Doch mit Blick auf die vielen Reiserückkehrer und auf die anstehende Erkältungszeit sei es sinnvoll gewesen, sich wieder zu vergrößern. 

Vorgespräch in der "Decision Box"

Groß und zugegebenermaßen auf den ersten Blick auch unübersichtlich wirkt die CSA beim Betreten der Halle. Überall sind große Stellwände aufgestellt - um Gänge zu kennzeichnen und auch die Privatsphäre zu wahren, wenn die Patienten beispielsweise untersucht werden. Auf der einen Seite ist mit Absperrband eine Warteschlange für die Patienten aufgebaut, die Symptome haben. Auf der anderen Seite ist eine Warteschlange für Reiserückkehrer und symptomlose Patienten aufgebaut. Sie alle steuern dann die Anmeldung an, wo die Versicherungskarten eingelesen und Patientenakten angelegt werden. 

Siehe auch: So arbeitet die Corona-Schwerpunktpraxis in Baiersbronn

Anschließend geht es in den nächsten Gang. Von dort aus werden die Patienten in fünf sogenannte "Decision Boxen" verteilt - natürlich einzeln oder mit der eigenen Familie. Dort werden dann Vorgespräche mit den Patienten geführt: Sie sollen angeben, welche Symptome sie haben, ob es Kontaktpersonen gab, ob sie zur Risikogruppe gehören und Weiteres. Im sogenannten "Decision Sheet" - ein Fragebogen, der dort von den CSA-Mitarbeitern ausgefüllt wird - wird alles eingetragen. 

Geschulte DRK-Mitarbeiter testen Patienten

"Der 'Decision Sheet' ist sinnvoll, weil die Ärzte dann nur noch kurz über den Bogen schauen müssen und wissen, wie es dem Patienten geht und was zu tun ist", erklärt Urban. Dieses Vorgespräch werde meistens von Krankenhaus-Mitarbeitern oder Medizinstudenten geführt. Von ihnen bekommen die Patienten auch ein Informationsblatt, auf dem genau erklärt wird, wie sie die Corona-Warn-App herunterladen können oder über eine weitere App auf ihr Testergebnis zugreifen können. "Wenn Patienten die App nicht nutzen wollen oder können, werden sie angerufen", ergänzt Urban. Außerdem bekommen die CSA-Besucher dort auch gleich den Laborschein mit, den sie eine Station weiter, nämlich bei der eigentlichen Abstrichstelle, abgeben sollen. 

Siehe auch: So funktioniert die Drive-in-Abstrichstelle in Calw

Die zusammen mit dem DRK Zollernalb organisierte Abstrichstelle kennzeichnet gleichzeitig auch die letzte Station in der CSA. Dort wird der Corona-Test durchgeführt. Das machen nicht die Ärzte, sondern speziell geschulte DRK-Mitarbeiter unter ärztlicher Aufsicht, wie Urban erklärt. Anschließend dürfen die Patienten gehen. "Damit sich die Leute nicht begegnen, haben wir hier ein Einbahnstraßensystem aufgebaut", sagt der Arzt. Unnötige Kontakte werden so vermieden. 

Im Herbst kommen mehr Ärzte

Nach diesem Model können pro Stunde rund 50 Patienten behandelt und getestet werden, erklärt der Arzt. Maximal 400 Patienten könnten theoretisch pro Tag in die CSA kommen. Aktuell seien pro Woche 600 bis 800 Besucher in der CSA, die unter der Woche von 14 bis 17 Uhr geöffnet ist. 

Was die ärztliche Begleitung betreffe, seien bisher vor allem Urban und seine Kollegin Dr. Ivana Roso vor Ort. Das soll sich auf den Herbst hin jedoch ändern: "Dann kommen noch weitere Ärzte aus dem Landkreis dazu, die hier mitarbeiten", sagt Urban. Über die Unterstützung in der Erkältungszeit sei er sehr froh. 

Dankbar ist Urban auch über die Unterstützung seines "unglaublichen Praxisteams", wie er sagt. Seine Mitarbeiterinnen haben in den vergangenen Monaten "unglaublich tolle Arbeit" geleistet und ihn bedingungslos unterstützt.

Minijobber gesucht

Die CSA könne jedoch durchaus noch weitere Mitarbeiter gebrauchen: "Der Personalbedarf wird zum Herbst hin weiter wachsen, da sind wir über weitere Minijobber, die sich um bürokratische Sachen kümmern, froh", sagt Urban. Auch würde der Mediziner sich wünschen, jemanden zu finden, der sich um den Instagram-Account der CSA kümmert. "Ich mach das grade nebenher und natürlich leider nicht so professionell, wie das sein könnte", sagt Urban bescheiden. Ihm sei es wichtig, auch die jüngere Generation über das Virus zu informieren, deshalb habe er den Account ins Leben gerufen. Inzwischen folgen ihm fast 500 User. 

Aktuell arbeiten pro Tag zirka zehn bis 14 Helfer in der CSA. Urban ist sehr dankbar für das Team, das sich inzwischen gut eingespielt habe. Denn obwohl er die ganze Sache ins Leben gerufen hat, findet er: "Die beste Idee taugt nichts, wenn man nicht die Menschen hat, die die Idee gemeinsam umsetzen."

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