Was jetzt? Meßstetten 17 Kilometer – oder doch lieber 13,1 Kilometer? Und welchem Schild und Symbol soll man zum Lochenstein und zum Hörnle folgen? Foto: sb

Wegweiser an Wanderwegen weisen mehrfach aufs gleiche Ziel hin – mit unterschiedlichen Distanzen, auch in falscher Richtung.

Zollernalbkreis - Die Sonne lacht, es grünt und blüht, der Frühling legt sich mächtig ins Zeug – und die Zol­lernalb lockt. Brandneue Schilder in Gelb und Grün begrüßen den Wanderer. Zuweilen zu viele, meint ein Leser, der nicht auf die Eröffnung der Wandersaison im Mai warten wollte, sondern schon mal auf Schusters Rappen losgezogen ist.

Ein Glück für ihn, dass der begeisterte Wanderer ortskundig ist und sich nicht auf die Schilder verlassen muss. Denn die Wegweiser beim Lochenparkplatz, am Lochen­stein und am Hörnle hätten ihn möglicherweise nur verwirrt. Im besten Fall hätte er die Qual der Wahl gehabt zwischen unterschiedlich langen Strecken mit gleichem Ziel. Ein doppeltes Glück sogar: Am Wegweiser-Pfosten beim "Hörnle" stimmte so gut wie gar keine Richtung.

Zum besseren Verständnis: Etwas größer und knallgelb sind die überörtlichen Wanderwege ausgeschildert. Dabei handelt es sich um die Albvereinswege, die früher mit silbernen Schildern gekennzeichnet waren. Beibehalten wurden die alten Markierungszeichen – die roten, blauen und gelben Dreiecke, Rauten, Balken, Punkte und Gabeln. Neu und hellgrün ausgeschildert sind die örtlichen Rundwanderwege: als Wegmarke dient ein gelber Ring. Zusätzlich wird auf Orte, Sehenswürdigkeiten oder Aussichtspunkte hingewiesen.

Das Versprechen in der Ankündigung: "Auch wenn dem einen oder anderen zuerst der Begriff ›Schilderwald‹ einfällt, soll genau dieser reduziert werden." Das gelinge an markanten Punkten wie dem Hörnle oder dem Plettenberg nicht immer, weil dort viele Wege verlaufen. Aber in den Städten, in denen bisher für jeden Rundweg ein eigenes Symbol verwendet worden sei, würden jetzt die Wanderer profitieren. Mehr noch: Auch die Beschilderungspflege werde einfacher.

"Einfacher? Wohl kaum", meint unser Leser. Am Hörnle weisen gleich drei Schilder auf Lochenstein und Lochenpass hin, und am Lochen-Parkplatz kann der Wanderer zweimal in Gelb und einmal in Grün lesen, wo es zum Lochenpass und zum Hörnle geht, und wie weit es bis dorthin ist. Was den Lochenstein angeht, kann man je nach Lust und Laune eine Strecke zwischen 0,4 und 0,5 Kilometern wählen. Noch verwirrender: Auf dem einen gelben Schild heißt es "Meßstetten 17 Kilometer" und gleich darüber steht "Meßstetten 13,1 Kilometer". Also was jetzt?

Wenigstens sind die Angaben auf den beiden gelben Schildern, die nach links zeigen, einheitlich: "Gespaltener Fels 1,5 Kilometer", "Plettenberg 5 Kilometer". Ob man sein Ziel auf dem "Schwäbische Alb Nordrand-Weg", dem "Main-Neckar-Rhein-Weg", dem "Hohenzollernweg", dem "Donau-Zollern­alb-Weg" oder gar dem "Interstuhl-Pfad" erreichen will, ist gehupft wie gesprungen. Alle führen dorthin.

"Zugegeben, zu viel des Guten", meint WFG-Geschäftsführerin Silke Schwenk angesichts der Bilder, die unser Leser an Weggabelungen geschossen hat. Der separate Hinweis auf den "Interstuhl-Pfad" müsse auf jeden Fall weg, denn die betreffenden Symbole seien in die neuen Schilder integriert. Letztere seien durch die Helfer des Albvereins in der Tat auch mal doppelt aufgehängt worden – wohl im Eifer des Gefechts. Das könne bei Hunderten Wegweisern passieren, meint Silke Schwenk: "Allein die Stadt Meßstetten hat 19 Rundwanderwege." Bei der WFG gebe es derzeit Riesenstress, es werde "Tag und Nacht gearbeitet". Immer wieder bekomme man mit, dass die Beschilderung stellenweise fehlerhaft oder doppelt sei.

"Wir müssen raus und alles noch einmal kontrollieren", sagt sie. Wir – damit meint Schwenk die WFG/Zollern­alb-Tourist­info, die LEADER-Gemeinden und die Helfer des Albvereins. In Zusammenhang mit den Schildern am "Hörnle" gehen die Vertreter der Stadt Meßstetten und des Vereins Kohlraisle davon aus, dass unbekannte Witzbolde daran gedreht haben. Sie seien umgehend in die richtige Richtung gedreht und fester angezogen worden, teilt Silke Schwenk per E-Mail mit. Und was den Riesenstress angeht, gesteht die WFG-Chefin: "Am liebsten wäre ich zwei Wochen älter." Dann hätte sie es nämlich hinter sich. Denn die offizielle Eröffnung der neu beschilderten Wanderwege findet am Samstag, 25. April, in der Rosenfelder Festhalle statt.