Walter Wadehn von der IG Metall (rechts) fordert gemeinsam mit der Belegschaft von Maquet gestern in Hechingen gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Foto: Mayo Foto: Schwarzwälder-Bote

IG Metall organisiert Demonstrationen und ruft Festangestellte zur Solidarität auf.

Zollernalbkreis - "Gleiches Geld für gleiche Arbeit", lautete gestern die Forderung am bundesweiten Aktionstag gegen Leiharbeit, den die IG Metall zum Anlass genommen hat, vor mehreren Firmen im Zollernalbkreis zu demonstrieren.

Bei Mettler-Toledo in Ebingen starteten die Kundgebungen, und der Erste Bevollmächtigte Walter Wadehn war selbst überrascht, wie viele - auch fest angestellte – Mitarbeiter gekommen waren. Gut 60 gibt es von ihnen in der Produktion, weitere 34 seien Leiharbeiter - eine Zahl, die Geschäftsführer Christoph Dermond bestätigt hat.

Wadehn kritisierte, dass Leiharbeit – einst ein Instrument zur Überbrückung von Auftragsspitzen und von der Regierung Gerhard Schröder "komplett entriegelt" – heute genutzt werde, um Löhne zu drücken, Belegschaften zu spalten, Weihnachtsgeld und Leistungszuschläge einzusparen. Viele Leiharbeiter seien angesichts des bis zu 50 Prozent niedrigeren Lohns auf Unterstützung durch den Staat angewiesen. "Leiharbeit ist ein riesiger Sozialversicherungsbetrug", rief Wadehn den rund 60 Demonstranten zu und kritisierte, dass manche über Jahre als Leiharbeiter tätig seien – ohne Chance auf Festanstellung. 90 Prozent der Leiharbeiter landeten wieder beim Arbeitsamt.

Wadehn kritisierte zudem, dass Mettler-Toledo seine Auszubildenden nicht in Festanstellung übernehme - eine Aussage, der Christoph Dermond widersprach: Zwei von fünf Azubis des jüngsten Jahrgangs seien in Festanstellung übernommen worden. Die anderen drei hätten das Angebot dazu nicht wahrgenommen. Der Waagenhersteller beschäftigt laut Dermond insgesamt 250 Mitarbeiter in Albstadt und habe "im Krisenjahr 2009 gar keine Leiharbeiter" mehr gehabt. "Wir nutzen diese Möglichkeit nur, um Spitzen zu brechen." Viele Leiharbeiter seien schon in Festanstellung übernommen worden.

In Hechingen protestierten gestern die Mitarbeiter von Maquet auch gegen die Schließung von zwei Werken in Hechingen und Hirrlingen. Sollten die Verhandlungen der IG Metall mit dem Vorstand scheitern, werde das Thema Leiharbeit für die Beschäftigten akut, so Betriebsratsvorsitzender Bernhard Schmid. Schließlich lande in Deutschland jeder zweite Arbeitslose in der Leiharbeit.

Die Stimmung im Betrieb sei gedrückt, aber gerade deswegen wolle man alles tun, was möglich sei, so die Beschäftigten. Zu der Aktion gegen Leiharbeit waren neben etwa 200 Maquet-Beschäftigten auch Betriebsräte anderer Firmen gekommen.

Unterdessen gab Walter Wadehn bekannt, dass man der Gegenseite einen alternativen Standort in Hechingen vorgeschlagen habe. Wie der Vorstand darauf reagiert, bleibt abzuwarten.

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