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Zollernalbkreis Kriegt der Kreis die Corona-Kurve?

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Die Feldbetten stehen in der Balinger Kreissporthalle bereit – aber noch werden sie nicht benötigt. Foto: Maier

Zollernalbkreis - Tag für Tag veröffentlichen das Gesundheitsamt des Landkreises und das Zollernalb-Klinikum aktuelle Zahlen im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Dabei wird deutlich: Zunächst stimmte die Zahl der Infizierten und der Klinik-Patienten annähernd mit den Vorhersagen überein. In den vergangenen Tagen aber flachte die Kurve der tatsächlichen Zahlen ab.

"Es sieht derzeit tatsächlich besser aus als befürchtet", sagt Gerhard Hinger, Chef des Zollernalb-Klinikums. Vor zwei Wochen hatte er die Simulation der Fallentwicklung vorgestellt, die er gemeinsam mit Chefarzt Boris Nohé, Leiter der Zentralanästhesie, erarbeitet hatte.

Ausgehend von den bis 13. März bekanntgewordenen Infektionen – 21 – und der laut Robert-Koch-Institut zu diesem Zeitpunkt zu erwartenden Entwicklung der Fallzahlen Verdoppelung alle drei Tage – hatten sie für den 31. März eine düstere Prognose gestellt: 2688 Infizierte, 403 Menschen im Krankenhaus, davon 134 in intensivmedizinischer Behandlung. Nun wird deutlich, dass die tatsächlichen Zahlen, glücklicherweise, muss man sagen, weit darunter liegen. Warum?

Hinger verweist bei der Antwort auf diese Frage auf mehrere Aspekte. Er ist vor allem bei der Frage nach den tatsächlichen Fallzahlen vorsichtig, denn diese liegt richtig deutlich unter den Vorhersagen. Statt wie simuliert 1344 waren am 31. März 419 Infektionen bekannt geworden. Voreilige Entwarnung will Hinger nicht geben. Es könne sein, dass tatsächlich so viele Menschen den Virus in sich tragen – und es nur noch nicht wüssten. Es nicht wissen, weil sie keinerlei Symptome aufweisen und damit auch keinen Verdacht schöpfen. Oder nicht wissen, weil das Ergebnis des Abstrichs noch nicht vorliegt.

"Der lange Rückstand bei den Laborergebnissen ist definitiv ein Problem", sagt Hinger unserer Zeitung. Nicht nur, weil die Menschen im ungewissen seien, sondern weil sie während der Wartezeit den Erreger möglicherweise weitergeben. Bedeutet: Je schneller ein Testergebnis vorliegt, desto besser kann man Infektionsketten unterbinden. Und es würde dem Klinikum helfen, Verdachtsfälle von echten Fällen zu unterscheiden, zu trennen.

Ziel: Testergebnis binnen 24 Stunden

Zuversichtlich stimmt Hinger, dass das "ZAKLab" in Endingen nunmehr Corona-Abstriche auswerten darf: Binnen zweier Tage liegen die Testergebnisse vor. Ziel sei es, innerhalb von 24 nach einem Abstrich Gewissheit zu geben. "Das Labor schafft das", so Hinger, es werde dort sehr professionell gearbeitet, davon habe er sich bei einem Besuch am Mittwoch selbst überzeugt. Landrat Günther-Martin Pauli kündigte am Mittwoch in seiner Facebook-Sprechstunde an, dass demnächst ein weiteres Labor in Straßberg Proben untersuchen werde. Die Abstriche aus dem Zollernalbkreis – Stand Mittwoch wurden im Testzentrum auf dem Balinger Messegelände rund 3000 genommen – können also künftig noch schneller abgearbeitet werden.

Lesen Sie auch: Was passiert eigentlich mit den Tests im Labor? - ZAKlab Gründerin im Interview

Während die Zahl der Infektionen also immer mit einem gewissen Ungenauigkeitsfaktor behaftet ist, gibt’s an einer anderen Größe nichts zu deuteln: der der wegen des Virus behandelten Patienten im Krankenhaus. Grundsätzlich gehen Fachleute anhand der Vergleichsdaten in anderen Ländern davon aus, dass die neuartige Lungenkrankheit bei 80 Prozent der Betroffenen mild verläuft, immerhin aber 20 Prozent in Krankenhäusern behandelt werden müssen. Bei fünf Prozent der Erkrankten ist demnach ein kritischer Verlauf anzunehmen, der intensivmedizinische Betreuung notwendig macht.

Tatsächlich hat sich die Zahl der Corona-Patienten in den beiden Krankenhäusern in Balingen und Ebingen zunächst fast analog der Vorhersagen entwickelt, ehe die Kurve auseinanderging: Aufgenommen waren am 22. März 19 Menschen, vier davon mit schwerem Verlauf (vorhergesagt: 25/8). Am 25. März waren es mehr Patienten als vorhergesagt – 66 (50), aber weniger mit schwerem Verlauf (9 – 17). Am 28. März waren es 73 Patienten (vorhergesagt: 101), davon sieben kritische Fälle (34). Der bisherige Höchststand an Patienten war mit 109, davon 12 kritische Fälle, am 30. März erreicht; am 31. März waren es insgesamt 97, elf davon kritisch – prognostiziert waren für Ende des Monats 202 Patienten (67 kritische).

Beim Blick auf diese Zahlen zeigt sich: Das Verhältnis der Zahl der Infektionen insgesamt zu jener der kritischen Fälle entsprach noch am 22. März jenem in anderen vom Coronavirus heimgesuchten Ländern. Danach aber wurde es deutlich besser, die Zahl der Patienten, die intensivmedizinische Betreuung benötigten, stieg auch deutlich langsamer als die Zahl der Erkrankten. Ob das möglicherweise mit einer robusteren Gesundheit der Zollernälbler zu tun hat?

Derzeit sieht es so aus, dass das Zollernalb-Klinikum recht gut mit der Zahl der Corona-Patienten zurechtkommt, dass alle – auch die kritischen Fälle – entsprechend der Schwere ihrer Erkrankung behandelt werden können. Auch wenn sich die Krankenhäuser nahe an der Improvisationsgrenze bewegen: So waren am Mittwoch 13 Intensivpatienten im Zusammenhang mit Corona aufgenommen, elf davon mussten beatmet werden. Laut Klinik-Chef Hinger stehen am Zollernalb-Klinikum 13 intensivmedizinische Beatmungsgeräte zur Verfügung. Zudem könnten etwa ein Dutzend Narkosebeatmungsgeräte eingesetzt werden: Diese sind laut Hinger eigentlich zwar nicht für den Dauerbetrieb gedacht. Es handele sich aber um Hightech-Geräte, die zur Not durchaus auch dafür verwendet werden könnten: "Besser so ein Gerät als gar keines." Hinger sagt auch, dass die jetzigen Zahlen nicht dazu verleiten sollten, es mit den strikten Abstands- und Verhaltensregeln nun schleifen zu lassen. Es sei weiterhin sinnvoll und dringend geboten, Kontakte zu Mitmenschen zu meiden. Auch Landrat Pauli beonte, es komme weiterhin darauf, Abstand einzuhalten und so Neuinfektionen zu vermeiden.

Not-Lazarett ist im Standby-Modus

Dass die Zahl der behandlungsnotwendigen Patienten bislang nicht so stark nach oben gegangen ist wie angenommen hat auch zur Folge, dass bislang niemand mit einer Coronainfektion ins vom DRK betriebene Not-Lazarett in der Kreissporthalle verlegt werden musste. Die Kapazitäten des Klinikums reichen noch aus, rund 150 bis 160 Corona-Patienten können dort aufgenommen werden. Die "Corona-Station", wie sie auch genannt wird, steht weiter auf Standby, sie könnte schnell in Betrieb genommen werden, wenn die Patientenzahlen weiter ansteigen – wenn die Kurve also, entgegen dem Trend der vergangenen Tage, wieder ansteigen sollte.

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