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Zollernalbkreis Eine Branche steht auf der roten Liste

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Zollernalbkreis - Es brennt in der Veranstaltungsbranche. Die Betriebe sehen kein Land in der Corona-Krise. Durch rotes Licht an markanten Gebäuden haben sie in der Nacht zum Dienstag vielerorts im Zollernalbkreis Hilferufe abgesetzt.

Am schlimmsten ist die Ungewissheit: Die Eventmanager und Sportveranstalter, Sicherheitsdienste, Getränkehändler und Zeltverleiher, Caterer und Messebauer, die sich kurz vor Dunkelheit in der "Night of Light" in Albstadt getroffen haben, haben mehr als einen Wunschzettel mitgebracht – inzwischen sind sie bitter enttäuscht: Seit Beginn der Corona-Krise verdienen sie nichts, und während andere Branchen nach und nach wieder hochfahren, können sie nicht einmal verlässlich für den Herbst oder für 2021 planen. Doch Veranstaltungsplanung braucht Vorlauf. Fazit: 2020 wird wohl nichts mehr gehen. Dass Urlauber derweil ins Ausland fahren und dort an Events teilnehmen dürfen, während in Deutschland eine der sechs größten Branchen vor die Hunde geht: Die Betroffenen verstehen die Welt nicht mehr.

Und dann die Breitenwirkung: Vereinen, die keine Feste ausrichten dürfen, fehle das Geld für die Jugendarbeit. Möglicherweise mit fatalen Folgen. Zulieferer – Lebensmittel, Material für Kulissenbau, Technik und viele mehr – seien mit betroffen. Überlebenswichtige Jobs – und Nebenjobs – fielen weg. Und wer weiß, ob die Kühlwagen nach monatelangem Stillstand noch funktionieren und die Toilettenwagen dann Sperrmüll sind, weil sie größer werden müssen?

"Wir leben von der Nähe der Menschen", sagt ein Zeltverleiher, der 2020 neue Toilettenwagen anschaffen wollte. "In jedem Bundesland gelten andere Regeln. Es gibt keinen Plan, keine Zeitschiene, keine Ziele", sagt ein Sportveranstalter. "Wir können jetzt nicht alle etwas Neues anfangen." Und überhaupt: Was soll dann aus der Kultur, dem Leben jenseits der Arbeit, werden, wenn Corona vorbei ist? Wo werden die mehr als eine Million Beschäftigten dann sein? Was wird aus dem deutschen Kulturgut, dem "Heckafeschtle"?

Genug Substanz haben die meisten nicht angesetzt in den Jahren, da das Publikum immer mehr verlangt, in denen sie wieder und wieder in Material und Technik investieren mussten, mit Datenschutzverordnungen, schärferen Brandschutzvorschriften und Bürokratie geknebelt wurden. Mieten, Lagerkosten, Versicherungen, Personal – all das macht fünf-, bei manchen sechsstellige Monatsumsätze notwendig, um zu überleben. Die Mehrwertsteuersenkung nun sei ein Teil des Prinzips Gießkanne, das nicht wirklich etwas bringe. Und so sind in der Stadt, wo nächste Woche eine Weltmeisterschaft stattfinden sollte, markante Gebäude rot angestrahlt: Die Zuckerguss-Villa mit dem "Wirtshaus zum Trödler" beleuchtet "Show + Media Design" von Elischa Dommer, den Schlossfelsenturm als rotes Ausrufezeichen im nachtschwarzen Himmel "Sound, Light and More" von Matthias Raible. In Winterlingen ist es die Kleinkunstbühne K3, die längst mehr ist als ein ehrenamtlich geführter Kulturbetrieb. In Balingen ist der Kulturtempel der Stadt, die Stadthalle, in Rot getaucht. Blaue Laser strahlen außerdem in den Nachthimmel. Spontan erleuchtet wird das Privathaus von Jessy Wilke, der als Produktionsleiter das jährliche Festival "Bang Your Head" organisiert. Das Gebäude an der viel befahrenen Eckenfelder Straße sorgt mit seiner Illumination für Aufsehen, spontane Gespräche mit Leuten, die dort anhalten, drehen sich nur um das eine Thema.

"Tosche On Tour", der Nightliner- und Shuttlefahrer des Bang-Your-Head-Festival, der "Sonnenkeller" und "Prolite Veranstaltungsservice" mischen mit. Viele der Dienstleister und Techniker stecken in ziemlich aussichtslosen Situationen; einige mussten die Branche bereits verlassen und sich andere Jobs suchen, um nicht in Hartz IV abzurutschen. Weil auch das "Bang Your Head" ausfällt, wollen sie in der "Night of Light" darauf aufmerksam machen.

"Wir haben eigentlich Berufsverbot", sagt Frank Pfister, Geschäftsführer von Prolite Event aus Owingen. Alle sprächen über die Gastronomie, kaum jemand aber über seine Branche, so Pfisters Eindruck: "Klar, wir sind eine kleine Branche, aber ohne uns gäbe es keine Veranstaltungen." Zusammen mit der Hechinger Firma DWS Veranstaltungstechnik hat er die Fassade des Hohenzollerischen Landesmuseums in Rot getaucht. Die Farbe soll zeigen, dass die Branche ausblutet. Auch die Villa Eugenia wird an diesem Abend beleuchtet. "Wir sind die ›First in Last Out‹-Branche und damit härter betroffen als alle anderen", sagt Jürgen Wirth, Geschäftsführer von AMS Alpha Media Solutions aus Hechingen: "Die Veranstaltungswirtschaft steht auf der roten Liste der akut vom Aussterben bedrohten Branchen. Auch wenn Veranstaltungen wieder stattfinden dürfen, wird es Monate vielleicht sogar Jahre dauern, bis wir wieder im Normalbetrieb arbeiten können."

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