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Zollernalbkreis Coronavirus-Schwerpunktambulanz öffnet am Montag

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Hier lang: Günther-Martin Pauli, Daniel Urban, Michael Gomeringer und Matthias Frankenberg (von links) weisen den Weg in die neue Corona-Schwerpunktambulanz. Foto: Maier

Zollernalbkreis - Den Kreisbewohnern Sicherheit geben, Ressourcen bündeln und zugleich schonen: Das sind die Ziele des Corona-Schwerpunktambulanz, die an diesem Montag in der Balinger SparkassenArena öffnet. Dort und eben nicht mehr bei ihren Hausärzten vorstellig werden sollen alle, die den Verdacht haben, sich mit dem neuartigen Virus infiziert zu haben.

Die Ambulanz steht grundsätzlich allen Kreisbewohnern offen. Anmeldungen sind nicht notwendig. Als Ärzte stehen der Balinger Internist Daniel Urban und dessen Kollegin Ivana Roso sowie Personal aus der Gemeinschaftspraxis Triebener-Windrich/Urban parat, dazu kommen etwa 20 Medizinstudenten.

Balingen-Süd wird Corona-Zentrale im Zollernalbkreis

Menschen mit Corona-Symptomen werden in der Ambulanz aufgenommen und untersucht. Je nach Ergebnis der Anamnese werden sie weiterverwiesen, etwa ans Testzentrum auf dem nahen Messegelände, wo DRK-Mitarbeiter einen Abstrich machen. Oder, in schweren Fällen, direkt ans Krankenhaus. Oder aber sie werden, wenn eine Corona-Infektion ausgeschlossen werden kann, nach Hause entlassen, vielleicht mit einem Rezept in der Hand, weil’s für den Husten doch einen Saft braucht. Die Abläufe sind so konzipiert, etwa anhand eines Fragebogens, dass täglich eine Vielzahl von Patienten durchgecheckt werden kann. An diesem Montagmorgen um 9 Uhr nimmt die Ambulanz den Betrieb auf.

Gefahr: Systemcrash

Das Kompetenzzentrum geht auf die Idee des Balinger Mediziners Daniel Urban zurück – Anlass sind das Coronavirus und die Herausforderungen, die der Erreger für die hausärztliche Betreuung und Versorgung im Zollernalbkreis mit sich bringt. Auch in diesem Sektor sei in den nächsten Tagen und Wochen mit einer Überlastung zu rechnen, erläuterte Urban am Sonntagmorgen – verbunden mit der Gefahr, dass die hausärztliche Versorgung destabilisiert, im schlimmsten Fall sogar zusammenbrechen könnte.

Schon jetzt seien viele Hausarztpraxen überlastet, so Urban. Mitunter kommen Patienten mit Covid-19 in Praxen – allerdings sei dort in den allermeisten Fällen ein ausreichender Infektionsschutz schon heute nicht mehr möglich, schon allein, weil die entsprechende Schutzausrüstung fehle. In der Folge sei zu befürchten, dass Praxen aus Quarantänegründen geschlossen werden müssten, sodass die Versorgung von Nicht-Corona-Patienten in Gefahr geraten könnte. Dazu komme, so Urban, dass viele Hausärzte im Zollernalbkreis älter als 60 Jahre sind und damit selbst zur Corona-Risikogruppe gehören.

Der Ausfall der hausärztlichen Versorgung: Dieses Szenario wäre tatsächlich die Hölle. In der SparkassenArena, wo üblicherweise die HBW-Bundesligahandballer ihre Heimspiele austragen und die wegen ihrer Atmosphäre als "Hölle Süd" bekannt ist, soll dem nun entgegengearbeitet werden. Der 40-jährige Urban sagte am Sonntag, er sei seiner Kollegin Christiane Triebener-Windrich dankbar dafür, dass sie ihm und der in der Gemeinschaftspraxis angestellten Ärztin Ivana Roso (32 Jahre) den Rücken für diese neue Aktivität freihalte. Seine Praxis in der Balinger Hauffstraße ist nun geschlossen, zusammen mit Roso kümmert sich Urban nun einzig und allein um den Betrieb der Schwerpunktambulanz. Urban und Roso sind, wenn man so will, die Dres. Corona im Zollernalbkreis.

Binnen einer Woche hat Urban das Konzept für die Schwerpunktambulanz erarbeitet, mit dem Landratsamt und dem Zollernalb-Klinikum abgestimmt und, ganz wichtig, die Genehmigung von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) eingeholt. Die Lieferung der notwendigen Schutzausrüstung erwartete der Mediziner am Sonntagmittag.

"Ein rundes Konzept"

Die Kreisärzteschaft habe die Planungen unterstützt, so Urban. Dankbar sei er auch für die Rückendeckung seitens des Landratsamts, insbesondere des Ersten Landesbeamten Matthias Frankenberg, der das Vorhaben seitens der Behörde maßgeblich nach vorne getrieben habe. Landrat Günther-Martin Pauli sagte am Sonntag, dass außergewöhnliche Zeiten wie diese außergewöhnliche Maßnahmen erforderten. Zusammen mit dem Testzentrum sowie dem Not-Lazarett an der Philipp-Matthäus-Hahn Schule in Balingen, das Corona-Erkrankte aufnehmen kann und zur Entlastung des Klinikums dienen soll, habe man im Zollernalbkreis nun ein "rundes Konzept".

Rund ist es auch deswegen, weil die verschiedenen Stationen miteinander vernetzt sind. Das Balinger Unternehmen E-Projecta von Marc Eber­hart hat dafür binnen 48 Stunden eine Softwarelösung – "Epro.Care" – entwickelt, dank der die Daten der Patienten ausgetauscht werden können und also nicht mehrmals an den verschiendenen Stellen erfasst werden müssen. Wer beispielsweise in der Ambulanz untersucht wurde und bei wem ein begründeter Corona-Verdacht besteht, erhält per SMS oder E--Mail einen Termin im Testzentrum – und auf demselben Weg sein Testergebnis. Positive Meldungen gehen ans Gesundheitsamt. Mitgetüftelt hat auch Marc Eberharts Sohn Pascal Ohrnberger: Er entwickelte quasi über Nacht eine Halterung, dank der die Registrierung der Patienten – insbesondere das Einlesen der Versichertenkarte – kontakt- und damit gefahrlos für die Mitarbeiter der Ambulanz erfolgen kann. E-Projecta Mitarbeiter Alexander Faust druckte die Ohrnbergersche Idee dann per 3-D-Drucker aus. Es ist ein Beispiel dafür, wie das Coronavirus die Digitalisierung in vielen Bereichen vorantreibt.

Die zentrale Schwerpunktambulanz sei eine der ersten im Land, so Pauli am Sonntag. In anderen Landkreisen setzt die KV auf Schwerpunktpraxen, die allerdings in bestehenden Räumen eingerichtet werden. Die medizinische Infrastruktur binnen so kurzer in der SparkassenArena einzurichten, das sei eine Herausforderung gewesen, sagte der Landrat; möglich gewesen sei es dank der kurzen Wege und Drähte zu hiesigen Orthopädietechnikunternehmen und zu kreiseigenen Einrichtungen. So wurden etwa die Computer und Drucker aus den Gewerblichen Schulen abgezogen, deren Träger der Landkreis ist. Teil des Konzept ist auch die Feuerwehr: Michael Gomeringer, im Hauptberuf für Groz-Beckert in Albstadt tätig und ehrenamtlich bei der Feuerwehr Heinstetten sowie im Führungsstab der Feuerwehr für den Zollernalbkreis aktiv, hat das Leitsystem auf dem weitläufigen Parkplatz vor der Arena sowie das Einlasssystem vor deren Eingängen konzipiert.

n  Die Corona-Schwerpunktambulanz ist von diesem Montag, 30. März, in der Balinger SparkassenArena (Auf Stetten 1) geöffnet. Die Sprechstunden sind täglich von 9 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 17 Uhr. Infos auch online unter www.csa-zak.de.

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