Mehrere Teilnehmer einer Skiausfahrt nach Südtirol haben sich mit dem Coronavirus infiziert. (Symbolfoto) Foto: Pixabay

Zahl Erkrankter steigt auf elf. Betroffenen waren bei Skiausfahrt in Südtirol dabei.

Zollernalbkreis - Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen im Zollernalbkreis steigt weiter: Am Donnerstag wurden weitere neun Fälle bekannt – damit sind es nach aktuellen Stand elf Betroffene. Alle elf Infizierten waren nach Informationen unserer Zeitung in der vergangenen Woche auf derselben Skifreizeit in Südtirol – und haben sich, wie es aussieht, dort auch angesteckt.

 

Der erste Betroffene, ein 61-jähriger Mann aus dem Raum Balingen, hatte nach der Rückkehr vom Wedeln am Sonntag erste leichte Symptome verspürt, war am Montag zum Arzt gegangen – und positiv auf das Coronavirus getestet worden.

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Daraufhin wurde alle Teilnehmer der Skifreizeit – 40 Frauen und Männer sowie Kinder und Jugendliche – in häusliche Quarantäne gesteckt. Nach und nach, je nachdem, ob Symptome auftreten oder nicht, sind sie seit Bekanntwerden der ersten Infektion am Dienstag auf das Virus gestestet worden: Am Mittwoch wurde bekannt, dass der Test bei einer 25-Jährigen positiv ausgefallen war, dabei handelt es sich um die Tochter des 61-Jährigen. Und die neun weiteren Fälle – wurden nun am Donnerstag bekannt.

Es kann Tage dauern, bis die Infektion nachweisbar ist

Die Wege der Infektion, das kann man so sagen, sind derweil unergründlich. Das zeigt sich an dem Fall des 61-Jährigen, dessen Infektion mittlerweile vielen Menschen in Balingen bekannt ist, der auch viele Genesungswünsche erhält, der aber dennoch weiterhin seinen Namen in diesem Zusammenhang nicht in der Zeitung lesen möchte. Er schilderte am Donnerstag unserer Zeitung, dass er gemeinsam mit seiner Frau, seiner Tochter und deren Lebensgefährten im Auto von Südtirol nach Hause gefahren sei. Bei seiner Frau und dem Freund seiner Tochter sei der Test negativ ausgefallen – obwohl sie über Stunden gemeinsam im Auto saßen. Anderes Beispiel: ein Ehepaar, das gemeinsam mit dem Sohn bei der Skiausfahrt dabei war. Bei den Eltern fiel der Corona-Test negativ aus, beim Sohn positiv. Mitunter, sagen Mediziner, kann es indes Tage dauern, bis die Infektion nachweisbar ist.

Der 61-Jährige nimmt seine Infektion mittlerweile mit Humor und Gelassenheit – auch wenn die Umstände, die die Quarantäne mit sich bringen, nicht eben angenehm sind. Mit seiner Frau, die als sogenannte Kontaktperon ebenfalls zuhause bleiben muss, lebe er derzeit weiter unter einem gemeinsamen Dach, allerdings schliefen sie in getrennten Zimmern. Glücklicherweise verfüge sein Haus über zwei Toiletten und zwei Badezimmer. Mittlerweile desinfiziere er die Türklinken mehrmals täglich.

Patient darf das Haus nicht verlassen

Vom Balinger Amt für öffentliche Ordnung habe er, so der 61-Jährige, zwischenzeitlich auch ein Schreiben mit diversen Vorgaben erhalten. So dürfen er als Infizierter sowie seine Frau das Haus nicht verlassen und auch niemanden hereinlassen. "Ich habe gerade sehr viel Zeit zum telefonieren", scherzt der Mann am Telefon.

Ein wichtiges Utensil allerdings fehlt ihm, wenn man das so sagen kann, derzeit zu seinem Infiziertenglück: ein Fieberthermometer. Der Mann hatte eines bestellt, der Postbote wollte liefern, klingelte, aber weder er noch seine Frau hätten das Läuten gehört. Also steckte der Bote eine Benachrichtungskarte in den Briefkasten – die die Frau herausfischte. Aber was nun? Weder er noch seine Frau dürften das Päckchen bei der Post abholen, seine Frau habe die Karte zudem angefasst, sodass diese niemand anderem in die Hände fallen dürfe. Ob die Post das Päckchen auch ohne Benachrichtungskarte an eine andere Person als den eigentlichen Empfänger herausgebe, darauf sei er nun wirklich gespannt, so der 61-Jährige.

Info: Die Auswirkungen

Die steigende Zahl der Coronainfektionen hat zunehmend Auswirkungen auf das öffentliche Leben im Zollernalbkreis.

Das Gesundheitsamt des Landratsamts hat aufgrund der derzeitigen Infektionslage mit dem Coronavirus die Empfehlung an die Gemeinden herausgegeben, größere Veranstaltungen zunächst in den nächsten 14 Tagen abzusagen. In Zweifelsfällen sei die Entscheidung abhängig vom Teilnehmerkreis zu treffen (Alter der Teilnehmer, Mitglieder "kritischer Infrastrukturen", Einzugsgebiet). Für die Absage von Veranstaltungen sei indes die jeweilige Gemeinde als Ortspolizeibehörde zuständig.

Auch die Feuerwehren im Zollernalbkreis reagieren auf die steigenden Corona-Fälle. In der Dienstversammlung der Feuerwehrkommandanten am Dienstag dieser Woche wurde laut einer Mitteilung des Landratsamts im Beisein des Kreisfeuerwehrarzts über den Sachverhalt beraten – am Ende standen Handlungsempfehlungen: Kreisbrandmeister Stefan Hermann wies insbesondere darauf hin, dass Einsatzkräfte, die unter Symptomen leiden, sich in Risikogebieten aufgehalten haben oder im Kontakt mit Verdachtsfällen waren, nicht zum Dienst erscheinen sollen. Größere Feuerwehrabteilungen sollen zudem ihre Mannschaft unterteilen; nicht alle Einsatzkräfte sollen sich gleichzeitig bei Übungen und Veranstaltungen aufhalten. Verschiebbare Veranstaltungen mit großer Teilnehmerzahl sollen nicht durchgeführt werden – das betrifft etwa Hauptversammlung.