Mit 14 zu 13 Stimmen hat der Albstädter Gemeinderat am Donnerstag den Umbau der Zollernalbhalle in einen provisorischen Kulturtempel abgelehnt – was passiert nun? Zunächst einmal gar nichts.
Albstadt - Sie wollten den kleinen Finger und bekamen die ganze Hand: Hätten die Grünen, die SPD und die WSA-Stadträte eine Mehrheit für ihren Geschäftsordnungsantrag erhalten, den Tagesordnungspunkt "Interimsnutzung der Zollernalbhalle" und die Vergabe der Umbauplanung auf eine spätere Sitzung zu vertagen, dann hätte das Stück bereits in wenigen Wochen wieder gespielt werden können. Jetzt aber sieht die Sache anders aus: Der TOP wurde nicht abgesetzt; vielmehr wurde ein Beschluss gefasst, und zwar wurden Projekt und Vergabe mit der kleinsten möglichen Stimmenmehrheit abgelehnt. Was bedeutet: Das Thema kann frühestens in sechs Monaten wieder auf eine Tagesordnung des Gemeinderats gesetzt werden. So schreibt es die Gemeindeordnung vor.
Mag sein, dass das einigen der Beteiligten gar nicht unlieb ist – an einem solchen Reizthema, das hat sich schon mehrmals bei Albstädter Oberbürgermeisterwahlen gezeigt, kann man sich als Kandidat furchtbar die Finger verbrennen. Andererseits: Wenn in der Folge der Ablehnung nicht eine einigermaßen fruchtbare Diskussion geführt wird, sei es über den tieferen Sinn dieser Interimslösung oder aber über brauchbare Alternativen, dann geht nur Zeit verloren, und gewonnen ist nichts.
Einen Plan B gibt es nicht
Aus dem Rathaus Albstadt war zur Frage, wie es jetzt weitergehen könnte, am Montag nicht viel zu erfahren. Die Stadt hat, wie Udo Hollauer, der Erste Bürgermeister, am Montag auf Anfrage des Schwarzwälder Boten freimütig einräumte, nicht mit einer Ablehnung des Projekts Umnutzung der Zollernalbhalle gerechnet – welchen Grund hätte sie auch gehabt; schließlich ist es ein integraler Bestandteil des Hallenkonzepts, dem der Gemeinderat im Juli mehrheitlich zugestimmt hatte. Einen Plan B, so Hollauer, gebe es deshalb auch nicht. "Wir müssen jetzt erst einmal hausintern unsere Gedanken machen."
Von 32 fehlten Fünf
Was das für Gedanken sein könnten, behält er erst einmal für sich. Theoretisch könnte e die Stadt es drauf ankommen lassen und im kommenden Sommer noch einmal versuchen – von 32 Gemeinderäten hatten am Donnerstagabend fünf gefehlt; vielleicht wäre die Abstimmung ja anders ausgegangen, wenn die Mannschaft komplett gewesen wäre.
Zweifel am Projekt Kulturhalle
Andererseits kann sich die Stadt eine solche Schlappe wohl kein zweites Mal leisten. Die Debatte am Donnerstag hatte gezeigt, dass sich seit dem Juli einiges geändert hat: Das Vertrauen in die Fähigkeit der Stadtverwaltung, in Zeiten, in denen man finanziell auf Sicht fahren muss, verlässliche Prognosen zu den Kosten einer funktionstüchtigen Kulturhalle zu machen, hat gelitten, das Vertrauen in die eigene Finanzkraft ebenfalls – schon in der Juli-Debatte hatten etliche Stadträter erkennen lassen, dass sie die Strategie, Infrastruktur für Kultur zu beseitigen, ohne zu wissen, wann vollwertiger Ersatz zur Verfügung stehen werde, für sehr riskant hielten. Mittlerweile ist auch von anderen als den grünen Gemeinderäten zu hören, man wolle jetzt noch ein paar Zahlen auf den Tisch haben: Wieviel würde eine Sanierung des Tailfinger Thalia-Theaters kosten, wenn man Mindeststandards ansetzte? Und in welcher Größenordnung bewegen sich mittlerweile die Kostenschätzungen für eine Kulturhalle, deren Bau noch viele Jahre auf sich warten lassen könnte? In der mittelfristigen Finanzplanung steht sie jedenfalls nicht.
Überlegungen gibt es schon
Udo Hollauer mochte sich am Montag nicht zu möglichen Optionen äußern – allerdings ließ er erkennen, dass die Stadtverwaltung das Gespräch mit den Gemeinderatsfraktionen suchen will; es bedürfe offenbar größerer Überredungskunst. Und ja, es gebe weitere Überlegungen zur geplanten Kulturhalle, und es gebe auch Überlegungen zum Thalia-Theater. Aber welche das seien, das könne er jetzt noch nicht sagen.