Rund 2200 Kilogramm heimisches Streuobst kommen im Zollernalbkreis in den Verkauf. Foto: Schatz

Natur: Äpfel und Birnen von regionalen Streuobstwiesen werden in Edeka-Märkten verkauft

Die Apfelerntezeit lädt zum Genießen ein, so der Tenor zahlreicher Gütlesbesitzern und Verbraucher. Streuobstwiesen haben wieder an Bedeutung gewonnen.

Zollernalbkreis. Die Zeiten ändern sich. Die regionale Versorgung der Bevölkerung, der Erhalt der Kulturlandschaft sowie der Klima- und Artenschutz rücken ins Bewusstsein der Verbraucher. Im zweiten Jahr hat sich der Verein Schwäbisches Streuobstparadies das Ziel gesetzt, Obst aus heimischen Streuobstwiesen an Verbraucher und Handel zu vermitteln. Die sechs Landkreise Böblingen, Esslingen, Göppingen, Reutlingen, Tübingen und Zollernalb beteiligen sich an dem Projekt.

Der Verein Schwäbisches Streuobstparadies startet mit dem Zollernalbkreis, den Baum- und Fachwarten sowie einigen Edeka-Märkten das Projekt, heimische Apfelsorten zu vermarkten – allerdings in diesem Jahr mit reduzierter Menge: "Die Erträge können im Vergleich zur vorigen Saison als ›knapp durchschnittlich‹ beschrieben werden", sagt Markus Zehnder, Obst- und Gartenbauberater des Zollernalbkreises. Zufrieden ist auch Baumfachwart Dieter Jenter, der mit seinen Söhnen Daniel und Stefan eine Streuobstwiese auf dem Kleinen Heuberg bewirtschaftet. Manche Äste biegen sich durch den Ertrag fast durch, berichten die beiden jungen Fachwarte.

"In anderen Regionen mussten wir viel Ausfall durch Hagel hinnehmen. Auch entwickelten sich durch die ungünstigen Wettereinflüsse die Berostung und der Schorf auf der Schale sehr unterschiedlich in diesem Jahr", erläutert Zehnder. Doch dieser "optische Schaden" führe zu keinem Qualitätsverlust, daher stehe ungespritztes Obst von Streuobstwiesen hoch im Kurs.

Der Verkauf der traditionellen Sorten Berner Rosenapfel, Kardinal Bea, Geheimrat Dr. Oldenburg, Kaiser Wilhelm und erstmals die Doppelte Philippsbirne beginnt in ausgewählten Märkten: Mit 24 Lieferanten im Vereinsgebiet stehen etwa acht Tonnen zum Verkauf in 19 Märkten bereit. Im Zollernalbkreis mit dabei sind sieben Edeka-Märkte in Rosenfeld, Meßstetten, zweimal Balingen, Bisingen, Schömberg und Frommern.

Erfreulicherweise sei das Vorhaben bei den Einzelhändlern auf Begeisterung gestoßen, sagt Zehnder. Die Lieferanten kommen aus Hechingen, Balingen, Dotternhausen und Bisingen. Das Obst stammt aus dem Vereinsgebiet des Schwäbischen Streuobstparadieses.

"Mit dem Kauf und Verzehr der Äpfel wird ein direkter Beitrag zum Erhalt der landschaftsprägenden Streuobstwiesen geleistet", sagen die Vorsitzende Maria Schropp und Co-Geschäftsführerin Lena Schlotterbeck. Im Zollernalbkreis werde mit einer Auslieferungsmenge von 2200 Kilogramm geplant.

In diesem Jahr gebe es eine erfreuliche Neuerung, sagte Schropp: Erstmals würden Tafelbirnen wie die Doppelte Phillippsbirne ausgeliefert. Weitere Auslieferungen von Obst würden zum späteren Zeitpunkt mit den Sorten Brettacher, Gewürzluike, Glockenapfel, Champagner Renette und Schöner aus Boskoop erfolgen.

Strenge Vorgaben

Die Annahmen werden von den Fachwarten Gerlinde Palme (Hechingen) und Alfred Frick (Wolfenhausen) sowie Kreisfachberater Markus Zehnder auf dem Rapphof Vöhringer in Bisingen vorgenommen.

Jedoch unterliegen die Anlieferungen strengen Vorgaben: Das Obst darf nur von Hochstämmen oder anderen großkronigen Bäumen auf stark wachsenden Unterlagen geerntet werden. Es muss handgepflückt sein, keine Druck- und Faulstellen besitzen, madenfrei sein und eine geringe Verschorfung von maximal fünf Prozent der Fruchtoberfläche vorweisen.

Um eine professionelle Abwicklung zu gewährleisten, muss das Obst sortenrein in Bodensee-Obstkisten in bestimmten Zeitfenstern angeliefert werden. "Die Mühen werden fair entlohnt", sagt die Geschäftsführerin Maria Schropp. Denn der Verein Schwäbisches Streuobstparadies werde die Lieferung der Bewirtschafter mit einem Preis von brutto einem Euro je Kilo vergüten.