Wenn das Wasser auf den Feldern steht, ist die Ernte in Gefahr. Die sintflutartigen Regenfälle vom Wochenende haben viele Äcker unbefahrbar gemacht. Foto: Visel

Kaltes Schmuddelwetter im Mai und tonige, nasse Böden machen den Landwirten das Leben schwer.

Zollernalbkreis - "Ist der Mai kühl und nass, füllt’s dem Bauern Scheun’ und Fass", sagt eine Bauernregel. Das treffe gewöhnlich zu, sagt der Leiter des Landwirtschaftsamts, Franz Keßler. Aber nicht in diesem Jahr: Denn davor sollte es ein paar trockene Tage geben. "Seit November ist es nasskalt, es gibt einen riesigen Pilz- und Infektionsdruck."

Wie genau sich die anhaltende Nässe und die überfluteten Felder auf die Ernte auswirken werden, könne man jetzt noch nicht sagen. Was hingegen fest steht: Bei dauernder Nässe zeigen sich die Bodenunterschiede deutlicher als in den trockenen Jahren; schwere Tonböden, auf denen das Wasser zum Teil stehen bleibe, seien bei Nässe nicht befahrbar. "Seit März hat es nur wenige Tage gegeben, an denen die Bauern mit den Maschinen auf den Acker konnten." Anders sei es mit den Kalkböden auf der Alb, wo das Wasser rasch versickert.

Von den 33 000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche im Kreis sind 13 000 Hektar Ackerland, davon 8000 mit Getreide bestellt, etwa 1000 mit Raps. Auf drei Vierteln der Getreideflächen wachse Wintergetreide. "Da kommt es darauf an, wie zeitig man dran war: Wenn früh gesät wurde, steht das Getreide jetzt gut", sagt Keßler. Und im Gegenteil: "Wenn die Saat spät ausgebracht wurde und der Boden wenig gelockert ist, stehen die Bestände jetzt schlecht." Das Gleiche gelte für Winterraps.

Hafer und Braugerste, die im Frühjahr in den Boden kommen, seien zum Teil gefährdet: "Manche Bauern haben das Saatgut gut reingebracht, bei denen steht der Hafer gut, bei anderen ist er gelb und zieht nicht", erklärt Keßler. Wer später dran war, habe auch Pflanzenschutz und Düngung später ausgebracht, "und bei Herbiziden darf es zum Beispiel nicht zu kalt sein". Immerhin gebe es noch nicht "die ganz große Katastrophe, wie man vielleicht vermuten könnte".

Nässe und einstellige Temperaturen machen vor allem den Landwirten zu schaffen, die Grünland oder Maisfelder haben. "Sie fürchten, dass der Mais nicht mehr aufholen kann." Viehzüchter hätten bereits vor drei bis vier Wochen mit der Gras-Silage beginnen müssen, aber das Gras dürfe nicht zu nass sein. "Viele Betriebe haben erst jetzt damit angefangen, und das alte Gras ist von der Futterqualität her nicht mehr so gut", erklärt Keßler. "Sie hoffen jetzt, dass der zweite Schnitt besser wird, die erste Chance ist vertan." Wer bei so großer Nässe siliere, richte allerdings erhebliche Schäden auf den Wiesen an, und wer es nicht tue, habe eben ein schlechteres Futter: "Die Landwirte haben also die Wahl zwischen Pest und Cholera." Ähnlich sehe es auch bei Gemüse und Obst aus: Pilze nehmen bei der Feuchtigkeit überhand, die Pflanzen "verhocken" wegen der Kälte, und "bei fünf Grad fliegen die Bienen nicht".

Er gehe davon aus, dass es am Ende nicht ganz so dramatisch kommen werde, resümiert Keßler. "Aber endgültig kann man das erst im Herbst sagen, wenn die Ernte in der Scheune ist." Immerhin habe es seit einigen Jahren "gute, auskömmliche Getreidepreise" gegeben, auch die Notierungen bei Raps seien gut.