Manuel Liniger kann nicht nur mit dem Handball, sondern auch mit dem Puck ganz gut umgehen. Foto:Eibner Foto: Schwarzwälder-Bote

Für Manuel Liniger ist der HBW Balingen-Weilstetten ein Glücksfall

Von Ulrich MußlerMit fünf Treffern avancierte Manuel Liniger im ersten Saisonspiel des Handball-Bundesligisten HBW Balingen-Weilstetten zum besten Schützen seines Klubs. Die 20:25-Niederlage bei der TSV Hannover-Burgdorf aber konnte der 168-fache Schweizer Nationallinksaußen (745 Tore) mit dieser Ausbeute aber auch nicht verhindern.

Der Handball wurde Manuel Liniger quasi in die Wiege gelegt. Bereits sein Vater Ernst war Schweizer Nationalspieler, spielte für Pfadi Winterthur und leitete nach seiner aktiven Karriere als Manager die Geschicke des Traditionsklubs. Und dennoch hätte nicht viel gefehlt und Manuel Liniger hätte sich dem Eishockey verschrieben. In seiner Kindheit lebte die Familie eineinhalb Jahre in Kanada. Und in Toronto jagte er ab und an dem Puck nach. Eine Ausrüstung war schnell besorgt. Zurück in der Schweiz wollte er zum Nachwuchstraining beim EHC Winterthur – doch binnen weniger Monate war Liniger aus den Eishockey-Klamotten herausgewachsen.

Aus dem Training wurde nichts und er sagte zu seinem Vater: "Komm Papa, jetzt gehen wir zum Handball." Die Liebe zum Eishockey aber ist geblieben. In der nordamerikanischen Profiliga NHL drückt er den Vancouver Canucks die Daumen, sein Lieblingsteam in der Schweiz ist der HC Fribourg-Gottéron. Weshalb er sich ausgerechnet einen Klub aus der Westschweiz ausgesucht hat, hängt mit zwei ehemaligen russischen Weltstars zusammen. "Wjatscheslaw Bykow und Andrei Chomutow haben mich unglaublich beeindruckt, als sie in Fribourg gespielt haben. Irgendwie bin dann hängen geblieben", sagt Liniger und lacht.

Was die eigene Karriere anbelangt, war es sicher kein Fehler unfreiwillig dem Handball den Vorzug gegeben zu haben. Allerdings war es weder für ihn noch für seinen zwei Jahre jüngeren Bruder Raphael, der inzwischen beim Schweizer Erstligisten St. Otmar St. Gallen spielt, nicht einfach aus dem Schatten des Vaters zu treten.

"Als ich in die Junioren-Nationalmannschaft kam, hieß es zunächst, das sei nur wegen meines Vaters. Als ich bei Pfadi in die erste Mannschaft kam, war das nicht anders." Doch er strafte seine Kritiker Lügen, holte mit Pfadi drei Schweizer Meistertitel, wechselte dann für zwei Jahre zum Wilhelmshavener HV in die deutsche Bundesliga. Danach ging's zurück in die Schweiz. Mit den Kadetten Schaffhausen mischte Liniger in der Champions.League mit und stand im Finale des EHF-Cups gegen den TBV Lemgo.

Dort zog es ihn als nächstes hin. Nach einer ersten, starken Saison aber, lief es nicht mehr rund. "Sportlich war es eine Katastrophe. Es war schon früh klar, dass man mich nicht mehr will und ich habe nur noch wenig gespielt", sagt Liniger.

Nach der vergangenen Saison stand der 30-Jährige, der im November Vater wird, plötzlich ohne ein Engagement in Aussicht da. "In einer solchen Situation war ich noch nie. Ich habe mich in der Schweiz fit gehalten, in der Hoffnung doch noch einen Klub zu finden. Ich hatte sogar schon überlegt, meine Karriere auf diesem hohen Niveau zu beenden, um mich verstärkt um meine zweite Karriere zu kümmern", so der angehende Sportfachwirt, der einmal ins Management eines Sportklubs einsteigen will. "Der HBW war für mich ein absoluter Glücksfall. Nach ein paar Gesprächen mit Trainer Rolf Brack und Geschäftsführer Bernd Karrer war für mich gleich klar, dass ich das machen will. Schließlich kenne ich die tolle Atmosphäre in der Halle, und in der Mannschaft herrscht ein super Zusammenhalt. Außerdem ist es stark, wie es der HBW immer wieder geschafft hat, die Klasse zu halten. Es reizt mich unglaublich, jetzt Teil dieses Projekts sein zu dürfen." Und so ist für Liniger klar: "Wir wollen möglichst schnell genügend Punkte sammeln."