Nach wie vor in den Miesen: Das Zollernalb-Klinikum schreibt 2023 ein Jahresdefizit von 13,8 Millionen Euro. Foto: Gern

Eine bundesweite Prognose geht davon aus, dass sich der Trend bis Ende des Jahrzehnts fortsetzen wird. Dem Zollernalb-Klinikum fehlen im Haushalt 2023 13,8 Millionen Euro, im laufenden Jahr kommen voraussichtlich weitere 12,7 Millionen hinzu.

Das Zollernalb-Klinikum setzt den Negativtrend der vergangenen Jahre weiter fort: 13,8 Millionen Defizit im Jahr 2023, geschätztes Defizit im laufenden Jahr 12,7 Millionen. Der Verwaltungs- und Finanzausschuss des Kreistags hörte das nicht gerne. Aber das Kreisklinikum steht mit seinen Verlusten in guter Gesellschaft: Bundesweit, weiß Klinik-Geschäftsführer Gerhard Hinger, würden 75 Prozent aller Krankenhäuser Verluste verzeichnen.

 

Wurde da etwa schlecht gewirtschaftet?

Wurde da etwa schlecht gewirtschaftet? Keineswegs: Die Wirtschaftsprüfung habe einen „uneingeschränkten Bestätigungsvermerk“ erteilt. Aber die Entwicklung des Basisfallwerts von 2,32 Prozent im Jahr 2022 auf 4,42 Prozent im Jahr 2023 und im laufenden Jahr auf 5,31 Prozent schlage zu Buche. Genau wie die explodierenden Personalkosten, die hohen Material- und Energiekosten. Nicht zu vergessen die Umstrukturierung der Krankenhauslandschaft und die Einführung der Kinder- und Jugendmedizin am Klinik-Standort Balingen. „Die Strukturveränderung“, sagte Hinger, „ist ein Muss. Stellt sich nur die Frage der Geschwindigkeit.“

„Uns hilft nur politischer Druck“

Fixe und variable Kosten schlüsselte der Klinik-Chef auf: Erstere betragen rund 45 Prozent der Ausgaben, letztere 55 Prozent. „Uns hilft nur politischer Druck“, sagte Hinger und verwies auf ein Papier des Landkreistags, in dem beispielsweise eine Erhöhung des Landesbasisfallwerts um mindestens vier Prozent gefordert wird. „Die Entwicklung“, sagte er, „trifft nicht einzelne Abteilungen, sondern alle.“

Ab 2026 könnte es noch enger werden, denn 2025 werde als Rechenbasis für die Vorhaltepauschalen der nächsten Jahre genommen. Und: Wenn Leistungen, die ambulant erbracht werden können, nicht ambulant erbracht werden, „fällt uns das bei der nächsten Prüfung auf die Füße“. In der Tat nimmt die Zahl der ambulanten Eingriffe kontinuierlich zu, während die Zahl der stationären Patienten in der Allgemeinen und Viszeralchirurgie seit Corona einen Abwärtsknick aufweist, der bislang nicht habe aufgefangen werden können. Abhilfe verspricht die Kooperation mit der Uniklinik Tübingen in diesem Bereich: „Wir hoffen, die Fallzahlen wieder nach oben zu bekommen“, sagte Hinger.

Mit dem neuen Chefarzt wird neu gezählt

Um bestimmte Behandlungen auch in Zukunft anbieten zu dürfen, seien „Mindestmengen“ die Voraussetzung. Und diese seien vom Gesetzgeber angehoben worden. Waren bisher 50 Fälle von Brustkrebs-OPs erforderlich, so sind es künftig 100. Und: „Der 30. Juni ist Stichtag für das Folgejahr.“

Im Bereich der Bauchspeicheldrüsen-Operationen sei nach dem Weggang von Chefarzt Uwe Markert die Mindestmenge an OPs nicht erreicht worden, aber mit dem neuen Chefarzt beginne man neu zu zählen.

Ein wichtiger Faktor ist die Liegedauer, die je nach Behandlung vorgegeben sei: Werde sie überschritten, gelte das als Fehlbelegung. Die Schere zwischen Aufwendungen (plus sieben Prozent im vergangenen Jahr) und Erträgen (plus fünf Prozent) gehe immer weiter auseinander.

Nur ein Tropfen auf den heißen Stein

Sachkosteneinsparungen von 700 000 Euro und der Verzicht auf Honorarärzte (Einsparungen in Höhe von einer Million) sind eher ein Tropfen auf den heißen Stein. Und es gibt noch ein Problem: Wenn man nicht die vorgeschriebene Anzahl von Pflegekräften pro Klinik-Bett habe, müsse man Betten schließen. „Sonst gibt es Strafzahlungen.“ Derzeit betreibe das Klinikum an den beiden Standorten 300 Betten, „plus-minus“. Rund 160 Betten dürften nicht genutzt werden.

Das Zentralklinikum, sagte Landrat Günther-Martin Pauli, der auch Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums ist, sei „unbedingt nötig, um eine Kostenreduzierung zu erreichen“. Die bundesweite Entwicklung in der Klinik-Landschaft, sagte der Klinik-Geschäftsführer, sei „politisch gewollt“. Er bezog sich auf eine Prognose, die besagt, dass es bis Ende des Jahrzehnts so weitergehen werde. „Wenn die Krankenhäuser mehr Geld bekommen würden“, so die Begründung, „würder Landkreis als Träger nichts ändern. Es ist eine gewollte Fachbereinigung.“ Das Gremium nahm den Bericht bei zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung zur Kenntnis; der Aufsichtsrat wurde bei einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen entlastet.