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Zollernalb-Klinikum Instagram-Post sorgt für Aufsehen bei Mitarbeitern

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Über Instagram verbreitet: das umstrittene Bild von der Teambildungsaktion. Foto: Eyrich

Balingen - Für Aufsehen hat ein Foto gesorgt, das Anfang Oktober auf Instagram gepostet wurde. Es zeigt Mitglieder der Pflegedirektion am Zollernalb-Klinikum nach einer Team-Aktion im Escape-Room in Frommern. Mit einer Waffe.

Als teambildende Aktion, die in der Wahrnehmung bei manchen falsch verstanden worden sei, bezeichnen es die einen. Als Affront sehen es die anderen.

"Legen Sie sich nicht mit der PD an"

Was war passiert? Am 2. Oktober hatten sich mehrere Mitglieder der Pflegedirektion zu einer Freizeitaktion im Escape-Room in Frommern getroffen, um gemeinsam ein Spiel zu absolvieren, bei dem es darum gegangen war, "die Mafia zu besiegen", wie Pflegedirektorin Blerta Muqaku berichtet. Am Ende ließen sich die Teilnehmer zur Erinnerung an die gemeinsame Aktion fotografieren. Eine der sieben Personen hat eine Waffe in der Hand, und darüber steht geschrieben: "Legen Sie sich nicht mit der PD an", noch weiter oben in schwarzer Farbe "@zollernalbklinikum".

Dennoch betont Gerhard Hinger, Vorsitzender Geschäftsführer des Zollernalbklinikums, ausdrücklich, dass es sich um eine "private Veranstaltung von Mitarbeitern des Zollernalb-Klinikums" gehandelt habe, bei der es darum gegangen sei, als Team eine Aufgabe zu lösen, "und wenn man erfolgreich war, freut man sich darüber". So sei dieses Foto entstanden.

Bei einigen Pflegedienstkräften des Klinikums hielt sich die Freude hingegen in Grenzen, wie sie unserer Zeitung berichtet haben. In Zeiten, da die Gewerkschaft zum Streik aufgerufen habe, und angesichts ohnehin schlechter Stimmung, von der mehrere Mitarbeiter berichten, war das Foto in ihren Augen eine Provokation, gar eine Drohung. "Ich habe als erstes an IS-Propaganda gedacht", sagt einer: "Die Geste, die Symbolik." Dass in der Pflege Menschen arbeiteten, die aus dem Nahen Osten geflohen seien, darauf weist er ausdrücklich hin.

Waffe ein Teil des Spiels

Sie selbst sei in einem Kriegsgebiet groß geworden und distanziere sich von jeglicher Gewalt, sagt indes Blerta Muqaku und erklärt, wie es zu dem Foto kam: "Wir hatten eine sehr harte Zeit dieses Jahr", betont sie mit Blick auf die Coronavirus-Pandemie, "und es war uns wichtig, als Team etwas zu unternehmen." Die Waffe sei aus Plastik und eben Teil des Team-Spiels gewesen.

Das Foto habe eine der beteiligten Personen gepostet, zwei weitere – darunter sie selbst – hätten es über Instagram geteilt, und zwar in der so genannten "Story", wo es 24 Stunden lang sichtbar gewesen sei.

Auf Unverständnis stößt bei Blerta Muqaku, dass Mitarbeiter, die sich an dem Foto oder an anderen Dingen störten, nicht direkt zu ihr kämen, obwohl sie eine Mitarbeitersprechstunde anbiete und alles getan werde, um die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu stärken. Befragungen zeigten, dass sich dieselbe bereits verbessert habe, und zudem habe niemand sie selbst auf das Foto angesprochen. Hinger wünscht sich, dass "sich jene, die Vorwürfe erheben, mal eine Sekunde Zeit genommen hätten, die Einstellung und die Vita von Frau Muqaku kennenzulernen".

Aus den Reihen der Pflegedienstmitarbeiter ist indes von einem anderen Betriebsklima die Rede: "Jeder hat Angst, keiner traut sich etwas zu sagen, sonst muss man mit einer Abmahnnung rechnen." In der Pflegedirektion fehle es an konkreten Ansprechpartnern, und vor allem an Freitagnachmittagen und Wochenenden fühlten sich Mitarbeiter alleine gelassen.

Fast 15.000 Überstunden abgebaut

Muqaku verweist auf die vielen Veränderungen seit ihrem Amtsantritt 2018. Das komplette Managementsystem werde gerade verändert. Alleine 2020 seien fast 15.000 Überstunden abgebaut worden – unter rund 470 Mitarbeitern im Pflegedienst. "Wir entwickeln kein Konzept, ohne die Stationsleitung und die Führungskräfte einzubinden", wobei sie selbst eher für das Strategische, weniger für die Mitarbeiter zuständig sei – dennoch biete sie Mitarbeitersprechstunden an, "und wenn es Probleme gibt, können sie zu mir kommen".

Gerhard Hinger verweist darauf, dass bis auf ganz wenige alle Stellen besetzt seien – in deutlich höherer Quote als an vielen anderen Krankenhäusern. "Es gibt offensichtlich Menschen, die das Zollernalb-Klinikum attraktiv finden."

Ziel sei es, die Struktur in Richtung eines modernen Zentralklinikums vorzubereiten, erklärt Hinger, und dabei spiele die Mitarbeiterorientierung eine große Rolle. Das unterstreicht auch Blerta Muqaku: "Wir verändern die Führungspositionen so, dass wir nah an den Mitarbeitern sind."

Dass das Foto der teambildenden Aktion in Frommern solche Wellen geschlagen habe, tut der Pflegedirektorin "natürlich leid", wie sie betont. "Es war nie die Intention, Menschen Angst zu machen. Hätte ich gewusst, welche Ausmaße das annimmt, hätten wir das Bild nicht veröffentlicht."

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