Bis zu 50 Prozent der Patienten, die in die Notaufnahme – hier in Balingen – kommen, sind keine Notfälle, sagt Gerhard Hinger. Foto: Dick

Das Zollernalb-Klinikum hat auf seinen Stationen einen Pflegepersonalquotienten von 40,63. Das sei besser als in anderen Häusern der Region, teilt die Klinik mit. Nur: Den Ärger, der Patienten beim Warten in den Notaufnahmen überkommt, macht das nicht wett.

40,63 – das bedeutet, dass eine Pflegekraft auf den Stationen im Jahr rechnerisch durchschnittlich rund 40 Fälle mit durchschnittlicher Pflegelast betreut. Dabei gelte, so das Zollernalbklinikum, „je niedriger der Quotient, desto besser ist die Versorgungssituation für die Patienten“.

 

Im Vergleich zur Region schneide man damit sehr gut ab, heißt es weiter. Im Schwarzwald-Baar-Klinikum etwa beträgt der Quotient laut Bundesklinikatlas 57,67. In der Helios-Klinik Rottweil beträgt der Pflegepersonalquotient 40,60 – etwa so wie im Zollernalb-Klinikum. In Freudenstadt wiederum beträgt er 58,52 (unterdurchschnittlich).

Das lange Warten in der Notaufnahme

Hört sich gut an. Allerdings: Für Menschen, die in die Notaufnahme nach Balingen oder Albstadt müssen – vor allem am Wochenende – ist ein guter Pflegepersonalquotient kein Trost. Denn dort wartet man oft stundenlang – und läuft dabei noch Gefahr, sich bei hustenden Patienten anzustecken. 

Derartige Geschichten werden immer wieder an die Redaktion herangetragen. Dennoch: Die langen Wartezeiten haben nicht nur mit dem vielzitierten Personalmangel an deutschen Krankenhäusern zu tun. Gerhard Hinger, Vorsitzender Geschäftsführer der Zollernalb-Klinikums, erklärt die Situation.

Wie viele Patienten müssen im Durchschnitt in den Notaufnahmen von wie vielen Ärzten versorgt werden?

„Täglich werden 100 bis 120 Patienten in der Zentralen Notaufnahme behandelt. Die ärztliche Besetzung ist tageszeitlich unterschiedlich.“ Die ärztliche Besetzung sei am Spätnachmittag und in der Nacht geringer als im Tagdienst. So sei die ZNA pflegerisch mit mindestens vier Personen pro Schicht in Früh- und Spätdienst sowie mit mindestens drei Personen in der Nachtschicht besetzt.

 

Hat sich die Situation in dem Bereich mittlerweile etwas entspannt?

Das Zollernalb-Klinikum hatte die Bürger vor Weihnachten aufgefordert, sich in weniger dringenden Fällen an den ärztlichen Bereitschaftsdienst zu wenden oder an eine Notfallpraxis. Gerhard Hinger erklärt dazu: „Das Patientenverhalten ist völlig unverändert. Etwa 30 bis 40 Prozent der Patienten – manchmal auch 50 Prozent – benötigen keine Krankenhausversorgung.“ Deren medizinische Anliegen könnten genauso in der Arztpraxis behandelt werden. Im Vergleich zu anderen Notaufnahmen und in Relation zum Patientenaufkommen sei die Personalausstattung sehr gut.

 

Haben die Patienten gelernt, zwischen Notfall und Nicht-Notfall zu unterscheiden?

„Nein, die eben genannten Zahlen sprechen für sich“, sagt Hinger.

Gibt es eine Vorgabe, in welcher Zeit die nächste Notaufnahme erreichbar sein muss?

„Im Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz gibt es für bestimmte Leistungsgruppen das Kriterium der zeitlichen Erreichbarkeit. Für die Notfallversorgung ist vorgesehen, dass 90 Prozent der Patienten eine Notfallversorgung innerhalb von 30 Minuten erreichen sollen“, erklärt Gerhard Hinger abschließend. Eine Fahrzeitmessung im Zollernalbkreis zeige zeigt laut Klinikum, dass mehr als 99 Prozent der Bevölkerung die Klinik rechtzeitig erreichen können.