Der „Streetfood-Summer“ in Dobel soll den Ort mit Leben füllen. Doch das gefällt nicht jedem. Ein örtlicher Imbissbetreiber fühlt sich übergangen und übt harte Kritik.
Seit Mai gibt es den „Streetfood-Sommer“ in Dobel. Er soll nicht nur ein gastronomisches Angebot sein, sondern auch ein Ort der Begegnung und den Dorfplatz mit Leben füllen. Damit das Konzept auch aufgeht, hat die Gemeinde dafür einige Anreize geschaffen. Doch das kommt nicht bei jedem gut an.
Die Gemeinde stellt für das Event den Foodtrucks kostenfrei den Dorfplatz mit Stromanschluss zur Verfügung. „Wir stellen außerdem Biertischgarnituren und die nötige Infrastruktur wie Toiletten im Kurhaus, Müllentsorgung und mehr zur Verfügung und übernehmen die Werbung“, erklärte Dobels Tourismusleiterin Rahel Schilling bereits im Januar auf Anfrage unserer Redaktion.
Ort der Begegnung und Gemeinschaft
Während sich die Tourismusleiterin eine schöne Veranstaltungsreihe erhofft, „die nicht nur ein gastronomisches Angebot in Dobel schafft, sondern auch ein Ort der Begegnung und der Gemeinschaft werden kann“, ist ein örtlicher Imbissbetreiber alles andere als begeistert.
In der vergangenen Gemeinderatssitzung meldete sich Guido Koch zu Wort, der Inhaber von „First Kitchen“ beim Netto-Markt, der derzeit abgerissen und neu gebaut wird. Mit der Frage „Warum vernichtet die Gemeinde meine Existenz?”, eröffnete er seinen Vortrag. Er sieht sich durch den geplanten „Streetfoodsommer“ in seiner wirtschaftlichen Existenz gefährdet und forderte die Gemeinde auf, die Veranstaltungsreihe abzusagen, andernfalls werde er einen Rechtsanwalt einschalten.
Keine E-Mail bekommen?
Bürgermeister Schaack kündigte an, den Vorgang rechtlich prüfen zu lassen, verwies aber darauf, dass der Betreiber per E-Mail eingeladen worden sei, selbst an den Veranstaltungen teilzunehmen. Koch bestritt bereits in der Sitzung und zudem in einer E-Mail an unsere Redaktion, dass er eine E-Mail von der Gemeinde bekommen habe.
Überdies sei es auch gänzlich unerheblich, ob er angeschrieben worden sei: „Selbst, wenn ich mich beworben und das entsprechende Equipment hätte, hätte das für mich an dem oder den Wochenenden bedeutet, zwei Betriebe mit zusätzlichem Personalaufwand im Abstand von etwas mehr als 500 Metern Luftlinie betreiben zu müssen.“
Schwierige Zeiten für die Gastronomie
Gegenüber unserer Redaktion äußert sich Koch ausführlich: „Dass ich meinem Ärger in der Gemeinderatssitzung Luft gemacht habe, dürfte wohl mehr als verständlich sein, wenn man die Gesamtsituation, in der wir uns befinden, in Betracht zieht“, beginnt er seine Nachricht. Seit Corona befinde sich die Gastronomie in schwierigen Zeiten. Als Gründe dafür nennt er die Bundes- und Weltpolitik und die dadurch „explodierenden Kosten im Energiesektor“ und steigenden Preise im Einkauf.
Für seinen Imbiss sehe die Situation „aber noch ungleich schwerer aus, da durch den Abriss und Neubau des Netto-Marktes über das ganze Jahr die Laufkundschaft des Netto fehlt, sich die Parksituation für unsere Kundschaft deutlich verschlechtert hat, die Lärmbelästigung, Staub und Dreck von der Baustelle sicherlich auf keine Kundenmagneten sind“. Dass die Gemeinde „dann noch über den gesamten Sommer an den Wochenenden eine Konkurrenzveranstaltung organisiert“, die zudem noch durch den Erlass der Stellplatzgebühren und Stromkosten subventioniert werde, „ist zum einen eine Wettbewerbsverzerrung, da ich hier schon von dem Kalkulationszwang benachteiligt bin“, so Koch. Außerdem stehe auch sein Gebäude auf Gemeindegrund, weshalb auch hier eine Ungleichbehandlung stattfinde.
Handeln für Koch nicht nachvollziehbar
Das Handeln der Gemeinde und des Tourismusbüros ist für ihn nicht nachvollziehbar. „Hätte man an ein oder zwei Wochenenden eine vergleichbare Veranstaltung organisiert, wäre das zwar für uns nicht schön gewesen, hätten wir aber durchaus mit leben können. Hier handelt es sich aber um eine Veranstaltung, die sich über den gesamten Sommer zieht und gerade freitags und samstags in direkter Konkurrenz zu uns steht“, so Koch weiter.
Er müsse in den Sommermonaten so viel erwirtschaften, dass er die Wintermonate, „in denen wir umsatzbedingt schließen müssen“, überbrücken kann. Durch die Veranstaltung würde potenzielle Kundschaft aus Richtung Pforzheim, Neuenbürg oder Dennach „bereits im Ortskern abgefangen, bevor diese uns erreichen kann“. Das sei eine zusätzliche Belastung, „die wir Stand jetzt nicht tragen können“, so Koch.
Messer in den Rücken gestochen
Die beworbene Vielfalt sehe so aus, dass ein Foodtruck-Betreiber gleich fünfmal komme, ein anderer dreimal, wieder ein anderer vier- oder zweimal und nur ein Betreiber einmal. „Allein an acht Wochenenden wird exakt das gleiche Speisenangebot angeboten, was unser Kerngeschäft betrifft.“ Wenn, dann „hätte man zumindest darauf achten sollen, solche Foodtrucks zu bekommen, die mehr Vielfalt bringen könnten“, etwa schwäbische oder bayerische, vegane oder vegetarische Spezialitäten. „Das wäre Abwechslung gewesen, wo selbst ich gesagt hätte, das bereichert den Dobel“, schreibt Koch weiter.
Ob es nun rechtlich für die Gemeinde in Ordnung sei oder nicht, sei das eine. „Anstand gegenüber mir als ansässigem Gastronom wäre es gewesen, zumindest in diesem Jahr auf die Durchführung dieser Veranstaltung zu verzichten“, so Koch weiter. Fürsorge durch die Gemeinde wäre es gewesen, „auf uns zuzukommen und mit uns im Vorfeld persönlich zu sprechen, vielleicht sogar mal nachzufragen, wie man uns in diesem Jahr, da wir zusätzlich durch die Baustelle belastet sind, unterstützen kann“. Nichts davon sei passiert. „Im Gegenteil, hier wird einem noch zusätzlich ein Messer in den Rücken gestochen“, teilt er weiter aus.
Selbst aus dem Gemeinderat sei scheinbar niemand auf die Idee gekommen, was das für den Imbiss bedeute. „Ich persönlich würde mich in Grund und Boden schämen, wenn ich so mit einem örtlichen Gastronomen umgehen würde“, so Koch, der weiter schreibt: „Wenn die Gemeinde Dobel auch noch ein Fünkchen Anstand hätte, dann würde man spätestens jetzt auf uns zukommen und eine Pachtminderung anbieten.“
Kein Rechtsstreit
Von einer von ihm angekündigten Unterlassungsklage will er aber nach nochmaliger Rechtsberatung absehen, „da sich ein Rechtsstreit in dieser Angelegenheit über einen längeren Zeitraum ziehen könnte und Kosten und Nutzen in keinem Verhältnis stehen würden“, so der Imbissbetreiber abschließend.
Und was sagt die Gemeinde zu dem Ganzen? Unsere Redaktion hat bei Bürgermeister Christoph Schaack angefragt, ob es etwas Neues zu der Veranstaltung gebe und was aus der Unterlassungsaufforderung und der angekündigten Klage geworden sei. Schaacks Antwort: „Ich habe, so wie bereits in der betreffenden Gemeinderatssitzung angekündigt, den Schriftsatz des Imbissbetreibers und die hierin erhobenen Vorwürfe gegen die Gemeinde rechtlich prüfen lassen.“ Die Bewertung seitens „unseres Rechtsanwalts“ hierzu liegt dem Imbissbetreiber vor. In der Angelegenheit habe er „daraufhin nichts mehr gehört – die Veranstaltungsreihe läuft wie geplant weiter“.