Mit den Plänen, im Zivi-Haus eine Gedenk- und Begegnungsstätte für die jüdische Geschichte von Müllheim einzurichten, geht es zu langsam voran, findet unser Leser Christian Mees.
Es ist nun ziemlich genau drei Jahre her, dass der Gemeinderat beschlossen hat, dass aus dem von der Stadt erworbenen Zivi-Haus eine Gedenk- und Begegnungsstätte für die jüdische Geschichte von Müllheim entstehen sollte.
Wirklich passiert ist in der Zwischenzeit herzlich wenig. Außer aus meiner Sicht halbherzig ausgeführten Sicherungsmaßnahmen am Gebäude und dem Anbringen einer Banderole mit einigen Eckdaten zur Geschichte des Hauses ist inhaltlich so gut wie nichts geschehen. Noch bevor der eigentliche Diskurs eröffnet und man sich über die Nutzung des Zivi-Hauses, ein mögliches Betreiberkonzept und die unterschiedlichen Kooperationsmodelle auseinandersetzen kann, wirft der Bürgermeister hinsichtlich der Renovierungskosten anlässlich einer Gemeinderatssitzung jetzt eine Zahl in den Raum, die meiner Meinung nach das Zeug hat, massive Irritationen auszulösen.
Das letzte Haus mit jüdischer Geschichte in Müllheim
Wobei für mich völlig unklar bleibt, auf welcher Basis Bürgermeister Löffler seine Rechnungen anstellt, wenn er von einer siebenstelligen Renovierungssumme spricht. Von den bisherigen Kostenkalkulationen ist diese Aussage jedenfalls nicht ansatzweise gedeckt.
Das Zivi-Haus ist nun mal das letzte und einzig verfügbare Haus mit jüdischer Geschichte in Müllheim, ganz egal, wie marode und renovierungsbedürftig es sich im Augenblick auch darstellen mag. Aber nicht zuletzt auch die unerwartet große Resonanz des Dokumentarfilms der Müllheimer Filmemacherin Kerstin Pommerenke über die Müllheimer Synagoge, „Stiefmütterchen statt Vergissmeinnicht“, der auch nach zahlreichen Vorstellungen immer noch das Müllheimer Kino füllt, zeigt das große Interesse der Bevölkerung an diesem Thema.
Förderverein engagiert sich
Neben dem großen Interesse der Familie Zivi – vertreten durch François Blum und Gérard Zivy – gibt es da auch noch den Förderverein Erinnerungskultur Müllheim, der sich seit Jahren aktiv und engagiert für den Erhalt und die Nutzung des Zivi-Hauses einsetzt und sich sich an Planungsgesprächen und konzeptionellen Überlegungen beteiligt.
Ich finde, es wäre mehr als schade, wenn dem Zivi-Haus durch weitere Untätigkeit seitens der Verwaltung (der Gemeinderat ist hierbei ausdrücklich ausgenommen) dasselbe Schicksal blühen sollte wie unserer 1968 abgerissenen Synagoge. Unterm Strich bleibt festzuhalten: Eine angehende große Kreisstadt sollte behutsamer und engagierter mit ihrem jüdischen Erbe umgehen, nicht irgendwann in ferner Zukunft, sondern jetzt.
Christian Mees, MüllheimSchreiben Sie uns: leserbriefe@schwarzwaelder-bote.de. Mit der Übersendung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihr Leserbrief in der Printausgabe, im E-Paper sowie im Onlinedienst des Schwarzwälder Boten veröffentlicht wird. Wir behalten uns Kürzungen vor. Leserbriefe entsprechen nicht notwendig der Meinung der Redaktion.