Jürgen Wuhrer, Patrick Rücker und Markus Handschuh interessierten sich schon als Kinder für die Tier- und Vogelwelt. Foto: Hubert Pfister

Drei Männer haben ihr Hobby zum Beruf gemacht. Freundschaftlich verbunden sind sie auch durch den Verein Vogelfreunde Hausen, wo sie Erfahrungen austauschen.

Dass sie ihr Hobby zum Beruf gemacht haben, vereint die drei. Und, dass sie das aus Liebe zu ihren gefiederten Freunden getan haben, im Besonderen. Die Sorge um den Zitronenzeisig führt die drei Männer jetzt immer wieder bei den Hausener Vogelfreunden zusammen.​

 

Da ist zum einen Jürgen Wuhrer, Vorsitzender des Vogelzuchtvereins im Killertal. Der 46-Jährige erlernte von 1996 bis 1999 den Beruf des Forstwirts. Von 2000 bis 2001 leistete er seinen 13-monatigen Zivildienst im Vogelschutzzentrum Mössingen. Auch später war er dort immer wieder als ehrenamtlicher Tierpfleger tätig. Von 2001 bis 2023 arbeitete er als Forstwirt bei der Stadt Albstadt, seit März 2023 ist er Tierpfleger beim Nabu-Vogelschutzzentrum Mössingen.

Die Vogelzucht war von Kindheit an sein Hobby. Den Vogelfreunden trat er 1992 aktiv bei. Doch schon zuvor half er im Verein mit. Nachdem er viele Jahre als Stellvertretender Vorsitzender amtiert hatte, übernahm er 2017 den Chefposten.

International tätig

Patrick Rücker stammt aus Gönningen am Fuße des Roßbergs und ist 34 Jahre alt. Seit seinem achten Lebensjahr züchtet er Singvögel. Mit 15 Jahren trat er dem Kanaria-03-Vogelzuchtverein Reutlingen bei. Über diesen Verein kam er mit den Vogelfreunden Hausen in Kontakt. Er wollte sich seinerzeit eine Vogelschau anschauen. So lernte er den damaligen Vorsitzenden Bernhard Sondheim kennen, der Rückers Interesse an Prachtfinken teilte. Bis heute hält er Prachtfinken, die ihn jetzt schon 27 Jahre begleiten. Schon als kleines Kind war der Gönninger von der Tierwelt begeistert. Jährliche Besuche in der Wilhelma bedeuteten für ihn ein Muss. So war bereits im jugendlichen Alter die Frage nach der Berufswahl geklärt: Es musste etwas mit Wildtieren sein. Er entschied sich für eine Ausbildung zum Zoo-Tierpfleger. Mittlerweile ist er seit zwölf Jahren im Zoo von Karlsruhe tätig – und immer noch zufrieden mit seiner damaligen Entscheidung. Auch an seinem Arbeitsplatz hat er sich auf die Vogelwelt, ihre Pflege, Haltung und Zucht spezialisiert. Über die Mitarbeit in einem Artenschutz-Projekt gelangte Rücker vor geraumer Zeit wieder nach Hausen.

Der Dritte im Bunde ist Markus Handschuh

Der Dritte im Bunde ist Markus Handschuh, Jahrgang 1975, wohnhaft in Onstmettingen und aufgewachsen mit der Vogelzucht seines Vaters, einem Gründungsmitglied der Vogelfreunde Hausen. Von 1995 bis 1996 absolvierte Handschuh ebenfalls seinen Zivildienst im Vogelschutzzentrum Mössingen, um anschließend ein Diplom-Biologiestudium in Konstanz und Tübingen anzutreten. Nach dem Abschluss arbeitete er ab 2007 als Vogelpfleger im Zoo von Jersey auf den Britischen Kanalinseln, engagierte sich bei Vogelschutzprojekten in Übersee und später als Vogelbiologe bei der Britischen Stiftung für Ornithologie (BTO).

Der Zitronengirlitz Foto: Nabu/Tom Dove

Danach leitete er fünf Jahre eine Auffang- und Zuchtstation für bedrohte Arten in Kambodscha. Nach weiteren Stationen ist er seit 2020 im Nationalpark Schwarzwald tätig und agiert seit 2025 als Geschäftsführer des Vereins Naturnahe Weidelandschaften. Nebenher läuft derzeit seine Promotion in Wildbiologie an der Uni Freiburg. Über den Nationalpark ist Handschuh am Zitronenzeisig-Zuchtprogramm beteiligt. Alle drei kennen sich schon lange. Nun führte sie der Versuch wieder zusammen, den besagten Zitronenzeisig – einen im Schwarzwald vorkommenden Vogel – zu retten.

Am Rande des Aussterbens

Von der Art existierten dort bis in die 1980er-Jahre rund 800 Brutpaare. Heute sind es noch um die 25. Durch Biotopverlust und Krankheit wurde das Tier an den Rand des Aussterbens gebracht.

Wuhrer, Rücker und Handschuh tauschen sich regelmäßig aus und kämpfen darum, den Zitronenzeisig zu retten, indem man kranke Vögel pflegt und sich dafür einsetzt, durch passende Beweidung oder Anlegen von Futterwiesen verschiedene Biotope für den Zitronenzeisig bewohnbar zu machen. Zudem züchten sie die Vögel. Zum einen, um die Art zu erhalten, zum anderen, um die Tiere eventuell auswildern zu können.

Das Artenschutzprojekt, über das die drei zusammengefunden haben, läuft über den Zoo Karlsruhe und den Nationalpark Schwarzwald. Aber egal, woran sie zusammen arbeiten, es verbindet sie, dass sie ihr Hobby und ihre Leidenschaft zur Ornithologie zum Beruf gemacht haben.

Eine kurze Beschreibung des kleinen Vogels

Verhalten
 Der zitronengelbe Vogel ist gerne in den höheren Baumschichten unterwegs, sucht sein Futter ab und zu aber auch am Boden. Sein Nest baut er ebenfalls in Nadelbäumen nah am Stamm und polstert es mit Federn, Wolle und Haaren aus. Im Winter zieht er in etwas tiefere Lagen der Bergwälder.

Lebensraum
 Zitronengirlitze trifft man vor allem in Bergwäldern mit Fichtenbestand an. Auf angrenzenden Bergwiesen und Lichtungen gehen sie gern auf Futtersuche. Bei uns kommen sie nur im Hochschwarzwald und den Bayerischen Alpen vor. In anderen Regionen sind Beobachtungen praktisch ausgeschlossen.

Stimme
 Er ruft einsilbig kurz „tüht“ oder „dyit“, oft auch stotternd „dyi-didi“ oder „te-te-te“.