40 Artisten aus aller Welt, 500 Lichteffekte und 100 000 Liter Wasser – der Zirkus Charles Knie ist in Rottweil angekommen und hat eine neue Show mitgebracht. Am Mittwoch geht es los.
Am Montagmorgen kommt die große Zirkusfamilie auf dem Festplatz am Stadion an. 46 Sattelauflieger, 15 Lkw und 40 Wohnwagen parken in dieser Woche auf dem Platz, bis zum Nachmittag bauen rund 55 Mitarbeiter das riesige Zelt auf. Unschwer zu erkennen: Der Zirkus Charles Knie hat seinen Weg von Horb, wo er zuletzt auftrat, in das allseits bekannte Rottweil gefunden.
Zehn Shows können Zuschauer diese Woche besuchen. Los geht es am morgigen Mittwoch mit der Premiere. Zirkusdirektor Sascha Melnjak erzählt unserer Redaktion, was die Besucher erwartet.
14 Nationen, zwei Tierarten
Das letzte Mal war der Zirkus vor zwei Jahren in Rottweil. Seither habe sich viel an der Show getan, berichtet Melnjak. Der Zirkus Charles Knie ist kein gewöhnlicher – der Zirkus hat 2022 die Reißleine gezogen und sich von seinem alten Programm mit vielen Tieren getrennt, und sich seither auf die Faszination Wasser spezialisiert.
„Das hat 2022 total den Geschmack der Zuschauer getroffen – und bis heute hat das Interesse daran angehalten.“ Die einzigen Auftritte von Tieren sind jeweils mit Hunden und mit einem Papagei.
40 Akrobaten aus 14 Nationen treten auf, zeigen, was sie drauf haben. So richtig drauf haben. Eine 14-köpfige Gruppe aus China zeigt zwei Nummern innerhalb der rund zweieinhalb Stunden Show: Reifenspringen und Diabolo. „Dass wir eine chinesische Artistengruppe dabei haben, ist sehr besonders. In China gibt es eine Ausbildung, die es so im Westen nicht gibt. Die Bewertung, ob in einen Zirkus Artisten gegeben werden, ist extrem streng“, erklärt der Direktor.
Viele Akrobaten kommen aus Argentinien. „Dadurch hat die Show ein leicht südamerikanisches Flair“, sagt Melnjak. Auch die Nationen Chile, Italien, Portugal und Frankreich sind vertreten. Die Artisten sind vielleicht sogar auch wichtiger als je zuvor – denn seit der Zirkus vor gut dreieinhalb Jahren sein komplettes Programm verändert hat und das Publikum seither vor allem mit Wasser beeindruckt, ist das Können der Artisten gefordert. Aber das ist kein Problem – „die Artisten sind allesamt jung, dynamisch und charismatisch“, beteuert Melnjak.
Ihre letzten Vorstellungen waren übrigens nicht allzu weit entfernt: Bis Sonntag traten sie in Horb auf. „Manchmal müssen wir 300 Kilometer zu unseren nächsten Shows fahren – mit Horb war das also keine Entfernung“, bestätigt der Direktor mit einem Zwinkern.
Im Schnitt dauere der Abbau des Zirkuszeltes und von allem, was dazu gehört, etwa acht Stunden. Der Aufbau hingegen dauere länger – „das kann auch mal 14 Stunden dauern. In Rottweil braucht es länger, weil der Festplatz etwas enger ist. Flächenmäßig bräuchten wir eigentlich noch den Fußballplatz dazu“, meint Melnjak.
Die ersten Handgriffe wurden hier allerdings schon am vergangenen Freitag getätigt: „Wir haben ein Zelt, aber zwei Mal die Ausrüstung für die 16-Meter hohen Masten, an denen das Zelt hängt. Das hat schon mal Zeit beim Aufbau gespart.“ Die finalen Aufbauarbeiten plane er für den heutigen Dienstag ein.
Das Highlight des Direktors
So viele Akrobaten, so viele Nummern – aber mal ganz privat, auf welche Show freut sich ein Zirkusdirektor selbst am meisten? „An sich sind alle Nummern mein Highlight. Besonders gut gefallen mir allerdings die chinesischen Artisten, das ist einfach was ganz anderes. Aber auch das italienische Duo, Damien und David, macht eine tolle Luftakrobatik. Oder auch unser Clown, Michael Cadima – er ist der Publikumsliebling“, zählt Melnjak leicht lachend auf.
Selbst kommt der Direktor nicht aus einer Zirkusfamilie, erzählt er, sondern ganz aus der Nähe – aus Stuttgart. Dennoch ist er mit Zirkussen aufgewachse: Er hat die Leidenschaft dafür schon von früh auf entdeckt, die man in seinen Augen glitzern sieht. „Vielleicht ist das Teil meines Erfolgsrezepts: ich gestalte die Show immer, wie es mir selbst als Besucher gefällt.“
Und was machen die Artisten, bevor am Mittwoch wieder die Vorhänge für sie heben? „Die haben frei. Schauen sich im Vorhinein an, was es in der Nähe gibt. Bei dem Wetter wird bestimmt noch das Freibad mit unseren Artisten bevölkert“, sagt der Direktor lächelnd.
Zwei Mal täglich tritt der Zirkus bis Sonntagabend auf. Vorstellungszeiten und Tickets gibt es unter dem Link https://www.zirkus-charles-knie.de/Wann-und-Wo.html.