Der Clown und sein Eisbär – ein ungewöhnliches Paar beim Zirkus Alessio. Foto: Martin Gruhler

Glänzend unterhalten und immer wieder tief in der Seele berührt: Die Tiere und Artisten des Zirkus Alessio punkten bei ihrem gelungenen Gastspiel.

Im Nonstopmodus jagte in der Vorstellung ein Höhepunkt den anderen. Alpha und Omega und immer wieder mittendrin gestaltete Clown Adi den lustigen Teil der Show.

 

In Interaktionen mit dem Publikum hatte er schnell vor allem die jungen Zuschauer um die Finger gewickelt. Fast sportliches Ballon hin und her stupfen mit den Kindern endete mit der Explosion einer Wasserbombe. Ein kräftiges Strechseilziehen endete damit, dass der lustige Kerl wohl aktuell einen blauen Flecken am Popo hat. Ein riesiger Eisbär, indes kein echter, ging dann noch mit dem Clown auf Schmusekurs – ein ganz besonderer Teil der Show.

Majestätisch der Auftritt eines Schimmels zusammen mit einem Zwergfohlen. Das große weiße Pferd mit den vielen schwarzen Punkten war offenbar aus Pippi’s Villa Kunterbunt abgehauen. Insgesamt fünf aus Österreich stammende Pfinzgauer sind als „Kleine Onkels“ im Zirkus Alessio engagiert.

Kleines Zelt aufgebaut

Dompteur und Zirkusdirektor Andre Kaiser hätte gerne alle Pferde auftreten lassen. Indes hatte das Multitaskgenie im Vorfeld entschieden, in Bad Dürrheim nur das kleine Zirkuszelt aufzubauen, es ging einfach der Platz aus: „Das Terrain am nahen Wittmannstal erwies sich einfach zu weich und tief um die XXL-Version zu nutzen.“

Für die Zuschauer, wohl der Höhepunkt, als Kamele und Dromedare gemeinsam mit schwarz-weiß gestreiften Zebras ihre beeindruckende Show mit schnellen Kreiseln und im engen Gegenverkehr ohne Karambolagen ihre Bahnen zogen. Schwarzes Vieh wurde von ihm ebenfalls angeleitet, indes weniger erhaben und stolz als die Wüstenschiffe. Mächtige Gesellen wie ein Bison, ein Wasserbüffel oder ein Longhornwesternrind und dann auch ein Alpenstier zogen eher stoisch gemütlich durch die Manege, bevor sie wieder auf die saftigen Wiesen abgebogen.

Messerwerfer in Aktion

Der Zirkusdirektor erwies sich zudem auch als ziemlich talentierter Cowboy mit dem Lasso und dem Messerwerfen. Wenn beim Tomahawk-Auswurf die attraktive Dame vor der angepeilten Bretterwand getroffen hätte, wäre das große Malheur intern in der Familie geblieben. Das schließlich knapp zu verfehlende Ziel stellte nämlich Gattin Tina dar.

Eine gelungene Hundedressur kam auch deshalb gut an, da der freche Hundejunior des Ensembles partout nicht auf seinem angewiesen Platz verweilen wollte und erst noch mit Leckerlis bestochen werden musste.

Waghalsige Akrobatik

Waghalsig aussehende Akrobatik führte die ungarische Artistin Patricia in mehreren Nummern gekonnt unter dem Zelthimmel hervor. Mütter und ihre Dreikäsehochs konnten da nur noch mit offenen Mündern zusehen. Olympiareif spielerisch gekonnt aber auch brandgefährlich für den Außenstehenden anzusehen fand die Angelegenheiten doch wohl mit einem gewissen Wagnis statt, denn: Ein Auffangnetz war nicht vorgesehen gewesen.

Die Gesetze der Schwerkraft setzte das kubanische Duo Sky nonchalant außer Kraft, etwa mit einer rasant kreiselnden Rollschuhnummer auf einem Quasitablett. Sehr beeindruckend auch ihre die Akrobatiknummern in einem mit dem Mund gehaltenen Stangenquadrat.

Skippy auch dabei

Skippy, das Buschkänguru, das bei einem Auftritt von Alessio vor zwei Jahren in der Kurstadt ausgebüchst war und erst Tage später mit Hilfe eines Betäubungsgewehrs, wieder eingefangen werden konnte, machte dieses Mal „einen auf Unschuldslamm“. Weiterhin hat das australische Beuteltier offenbar seinen eigenen Charakter und macht nicht unbedingt gleich das, was der Chef gerade will.

Die Zirkusbesucher konnten in Vorstellungspause die Tiere in einem großen Freilichtgehege näher betrachten. Frische Grasbüschel wurden etwa den Pferden und den Büffeln gereicht.

Mehr Platz als gefordert

„Die Tiere genießen hier in unserem Zirkus einen zehn Mal größeren Freilauf als vom Gesetzgeber vorgeschrieben. Es sind besser Bedingungen gegeben wie in den meisten Zoos“, erläutert Andre Kaiser. Das Veterinäramt aus Villingen-Schwenningen hatte sich im Vorfeld von der großzügigen Haltung überzeugt.

85 Tiere zählt der Zirkus mit seinen 30 „zweibeinigen“ Mitarbeitern zählt das Manegentheater. Aktuell heißt der Zirkus, nach dem Sohn von Andre Kaiser Alessio, der selbst schon sehr quirlig im Programm engagiert ist. Indes existiert der Zirkus mit seinen Wurzeln bereits mittlerweile seit neun Generationen, gegründet schon im Jahr 1732 in Konstanz.

Die nächsten Vorstellungen sind am Freitag um 15.30 und 19 Uhr, am Samstag um 15.30 Uhr und am Sonntag um 14 Uhr.