Der Berliner Film- und Fernsehschauspieler Julius Robin Weigel erzählt, wie es für ihn ist, in Rottweil zu sein und beim Musical "Kiss Me Kate" mitzuspielen.
Rottweil - Eigentlich Film- und Fernsehschauspieler in Berlin, zog es Julius Robin Weigel auf die Freilichtbühne des Zimmertheaters Rottweil – und in ein Kleid. Wie es für ihn ist, in Rottweil zu sein und zu spielen, das erzählt er hier.
Herr Weigel, gleich zu Beginn eine Frage aus Neugier: Wie lange hat es gedauert, bis sie in den Absatzschuhen laufen konnten?
Das ging eigentlich relativ schnell; innerhalb einer Woche hatte ich mich schon daran gewöhnt.
Waren Sie schon einmal in Rottweil und wie gefällt es Ihnen hier?
Ich bin zum ersten Mal in Rottweil und muss sagen, es gefällt mir hier sehr gut. Es ist eine sehr schöne Stadt, in der ich die Natur und die gute Luft genießen kann – das ist in Berlin eher weniger möglich.
Was war bislang Ihr schönstes Erlebnis hier?
Ich habe mehrere schöne Dinge hier erlebt. Eine hängt mit dem Café "Am Känzele" zusammen: Das ist ein sehr schönes Café mit einer angenehmen Atmosphäre, in dem wir uns immer wieder getroffen haben. Einmal hatte ich zwei Rottweiler nach dem Weg dorthin gefragt, aber die haben mich nur fragend angesehen. Selbst die wussten nicht, wo das Café lag (lacht).
Ein anderes Erlebnis hängt mit meiner Unterkunft zusammen: Ich bin bei einer Freundin in Göllsdorf untergebracht, die einen schönen Garten hinter dem Haus hat. Ich kann in aller Ruhe im Schatten entspannen, Yoga-Übungen im Freien oder meine Stimmübungen drinnen machen, ohne Angst zu haben, dass ich jemanden störe.
Wie sind Sie zu Ihrer Rolle im Musical »Kiss Me Kate« gekommen?
In letzter Zeit ging mir der Berliner Trott ein wenig auf den Geist, deswegen habe ich schon länger überlegt, eine Weile wegzugehen. Eigentlich wollte ich Urlaub machen, dann aber habe ich vom Casting zu "Kiss Me Kate" gehört und mir gedacht "Warum nicht?". Ich hatte ohnehin mit dem Gedanken gespielt, bei einer Theateraufführung mitzumachen. Die Gelegenheit war für mich also sehr günstig.
Gab es irgendwelche Schwierigkeiten oder Herausforderungen bei den Proben?
Eigentlich nicht. Anfangs war meine Rolle noch unklar und es ging immer wieder hin und her, aber am Ende bekam ich die Zusage für die Rolle der Lois Lane/Bianca. Tatsächlich macht es mir aber großen Spaß hier zu sein und die Rolle zu spielen. Ich kann viele Dinge ausprobieren, die ich sonst nicht machen könnte.
Das klingt vielleicht etwas komisch, aber ich kann mich mit meiner weiblichen Seite verbinden. Ich kann in meiner Rolle die Freiheiten einer Frau erforschen, genieße aber gleichzeitig die Sicherheit eines Mannes. Wenn mich jemand angeht, kann ich mich zur Wehr setzen. Außerdem macht es mir Spaß, eine Frau zu spielen.
Apropos: Wie ist es für Sie, hier auf der Freilichtbühne zu spielen?
Ich bin froh, dass wir endlich hier sind und nicht mehr auf der Probebühne. Dort war es immer sehr warm und stickig, hier draußen ist es sehr angenehm. Das Sommertheater im Freien ist mir fast am Liebsten, weil man hier die Magie des Theaters auf eine ganz besondere Art und Weise erleben kann – als Schauspieler und als Zuschauer. An ein paar Dinge musste ich mich allerdings gewöhnen, die man in einem geschlossenen Bühnenraum eben nicht hat: Parkbesucher, bellende Hunde, vorbeifahrende Züge oder die Montagsdemonstranten, die aus der Ferne zu hören waren.
Bleiben Sie beim Theater oder kehren Sie zurück zu Film und Fernsehen?
Ich bleibe schon bei Film und Fernsehen, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, ab und zu bei einem Theaterstück mitzuspielen.