Im Zimmertheater Rottweil wird das Leben des belarussischen Menschenrechtlers Ales Bialiatski eindrucksvoll gewürdigt. Die Ausstellung erzählt von Mut – und von Unterdrückung.
„Ich weiß, dass die Nacht vergeht und der Morgen kommt“, so die hoffnungsgebenden Worte des belarussischen Friedensnobelpreisträgers, Menschenrechtsaktivisten und politischen Gefangenen Ales Bialiatski aus dem Gefängnis in Belarus.
Zu seinen Ehren und zu Ehren aller politischer Gefangenen in der Diktatur Lukaschenkos in Belarus ist eine Ausstellung gewidmet, die im Zimmertheater eröffnet wurde. Die Bürgerinitiative für eine Welt ohne atomare Bedrohung hatte die von der belarussischen Gesellschaft RAZAM e.V. konzipierte Ausstellung nach Rottweil bringen können und zeigt diese mit weiteren Kooperationspartnern im Zimmertheater bis zum 26. April.
In einer poetischen Performance brachten vier Mitglieder der Bürgerinitiative das Leben und Werk des Menschenrechtlers Ales Bialiatski und zugleich das menschenverachtende System des Diktators Lukaschenko von Putins Gnaden den zahlreichen Besuchern der Ausstellungseröffnung nahe.
„Heimliche“ Hymne gesungen
Tatsiana Zelenjuk sang das altbekannte belarussische Lied „Kubalinka“, das 2020 nach den Präsidentschaftswahlen zur heimlichen Hymne der Opposition geworden war. In eindrücklicher Präsenz steckte sie die Hoffnung nach demokratischer Freiheit und zugleich den Verlust dieser Hoffnung ab.
„Viasna“ – der belarussische Frühling
Angela Gessler, Vorsitzende der Bürgerinitiative, stellte die Biografie Bialiatskis vor und dessen Entwicklung in einer immer repressiver werdenden Staatsregierung gegen die wachsende Kritik an dem staatlichen Versagen nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl.
Maria Sinner berichtete den Zuhörern über die Menschenrechtsorganisation „Viasna“. Was auf Deutsch „Frühling“ bedeutet und die im Jahr 1996 gegründet wurde. Diese vermittelte Verfolgten Rechtsbeistand und führte unabhängige Wahlbeobachtungen durch.
Zur extremistische Vereinigung eingestuft
Nach den größten Massendemonstrationen in der belarussischen Geschichte mit 200 000 Tausend Teilnehmern im Jahr 2020 wurde auch diese Organisation als extremistische Vereinigung eingestuft und ihre Aktivitäten verboten. 2021 wurde ihr Mitbegründer Ales Bialiatski und viele seiner Mitstreiter festgenommen und er zu zehn Jahren in einer Strafkolonie verurteilt, was in Belarus und international große Empörung auslöste.
Friedensnobelpreis verliehen
2022 wurde Ales Bialiatski der Friedensnobelpreis verliehen, den er nicht persönlich entgegennehmen konnte. Margarete Lempp las Passagen aus der Dankesrede vor, die seine Frau Natallja Pintschuk an seiner Stelle gehalten hatte.
„Heute sitzt ganz Belarus im Gefängnis“ und fügte für seine Person hinzu: „Und ich bete, dass die Realität mich nicht dazu bringen wird, eine längst vergrabene Axt wieder auszugraben und die Wahrheit mit einer Axt in den Händen zu verteidigen.“ Noch einmal erhob Tatsiana Zelenjuk ihre eindrückliche Stimme für ein Liebeslied, im übertragenen Sinne über die Freiheit für das belarussische Volk.
Weitere Veranstaltungstermine während der Ausstellung sind: Am Samstag, 19. April, um 10.00 Uhr ein Gespräch mit zwei Frauen aus Belarus im Zimmertheater und am Mittwoch, 23. April, um 19.00 Uhr ein Kulturabend „Belarus entdecken“ im Cafe Zimmertheater.