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Zimmern Wird trotz Insolvenz weitergebaut?

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Seit April ruhen die Arbeiten am Gebäude in der Hauptstraße 13 in Zimmern. Foto: Zelenjuk

Zimmern o. R. - Diese Nachricht kommt wie ein Schlag aus heiterem Himmel: Das Immobilienunternehmen Wohnbau Thieringer, das derzeit zwei Bauvorhaben in Zimmern realisiert, ist zahlungsunfähig. Grund für finanzielle Schwierigkeiten ist offenbar eine unverkaufte Gewerbeeinheit.

Seit April ruhen die Bauarbeiten am Gebäude direkt neben dem Ärztehaus in der Ortsmitte von Zimmern, seit vier Wochen wird auch in der Chemnitzer Straße im Neubaugebiet Ost III nicht mehr gearbeitet. Ob die beiden großen Bauvorhaben der Wohnbau Thieringer GmbH fertiggestellt werden können, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Denn das Unternehmen ist in eine finanzielle Schieflage geraten: Geschäftsführer Reiner Thieringer hat im August den Insolvenzantrag gestellt.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Axel Kulas aus Stuttgart bestellt. Er macht im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten Hoffnung, dass sich die Situation positiv entwickelt und beide Bauprojekte realisiert werden können.

Geschäftsführer Thieringer selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. "Er ist krank", teilt Kulas mit – und lobt die gute Zusammenarbeit. "Im Rahmen seiner Möglichkeiten bemüht sich Reiner Thieringer sehr darum, dass den Käufern und den Handwerkern so wenig Schäden entstehen wie möglich. Auch die Familie unterstützt hervorragend", hebt der Insolvenzverwalter hervor.

Für die Gewerbefläche wird ein Investor gesucht

Wie geht es mit dem Unternehmen weiter? "Jetzt läuft erst mal das Insolvenzantragsverfahren. Es muss geprüft werden, ob das Unternehmen wirklich pleite ist, ob es Schulden hat. Und auch das Vermögen wie Autos oder Baumaschinen muss gesichert werden", erklärt Kulas die einzelnen Schritte. Erst dann kann in Absprache mit allen Akteuren die Entscheidung fallen, was aus den Bauvorhaben wird.

Die Rede ist von zwei Gebäuden – einem Mehrfamilienhaus in der Chemnitzer Straße mit acht Wohneinheiten und dem Gebäude in der Hauptstraße 13. Dieses soll 17 Wohnungen und vier kleinere beziehungsweise zwei größere – wenn zusammengelegt – Gewerbeeinheiten beherbergen. "Die allermeisten Wohnungen sind verkauft, je eine ist in jedem Haus noch zu haben", schildert der Insolvenzverwalter.

Das Problem seien vielmehr die Gewerbeflächen. "Es gab einen Interessenten, der eine Gewerbeeinheit in der Hauptstraße kaufen wollte und dann abgesprungen ist", erklärt Kulas. Jetzt wolle der Interessent die Fläche lediglich mieten – die finanziellen Mittel, mit denen die Wohnbau Thieringer gerechnet habe, seien also nicht geflossen. "So ist das Unternehmen in die Schwierigkeiten gekommen und konnte die Handwerker nicht mehr beauftragen", erklärt Kulas. Er hebt in diesem Zusammenhang die verantwortungsvolle Vorgehensweise von Geschäftsführer Thieringer hervor. "Er hat sehr vorsichtig gehandelt und hat die Baufirmen nicht mehr beauftragt, als er gesehen hat, dass das Geld fehlt."

Es darf keine Bauruine mitten im Ort entstehen

Kulas schildert, es habe sogar Überlegungen gegeben, die Gewerbeflächen in Wohnungseinheiten umzuplanen. "Aber das Objekt ist so gut, da muss sich ein Käufer finden", ist er überzeugt.

Der neue Investor könnte also die Situation retten. "Das wäre sehr hilfreich. Es könnte ein Investor sein, der die Fläche selbst nutzt oder vermietet", sagt Kulas. Er will auf jeden Fall verhindern, dass mitten im Ort eine Bauruine steht. Und ist zuversichtlich, dass bald wieder gebaut werden kann – vorausgesetzt, alle Beteiligten spielen mit. Denn es sind viele, die jetzt an einem Strang ziehen müssen: die Kreditinstitute, die Baufirmen, der Architekt und selbstverständlich auch die Käufer der noch nicht fertiggestellten Wohnungen.

Dass die Letzteren verunsichert sind, kann Kulas gut nachvollziehen. "Sie sitzen jetzt in einem dunklen Tunnel. Ich will ihnen aber zeigen, dass ich eine Idee habe und so ein kleines Lichtlein anzünden", sagt er. Für ihn als Insolvenzverwalter sei die Zusage der Käufer wichtig, dass sie auch weiterhin die Rechnungen bezahlen – sodass die Handwerker beauftragt werden und es vorangehen kann auf der Baustelle.

Für Ende September ist deshalb ein Treffen mit den Käufern geplant. "Dann können wir gemeinsam die Perspektiven ausloten. Ich hoffe sehr, dass wir entscheiden: Es lohnt sich, weiterzubauen."

Ob die Käufer sich auf eine Verteuerung einstellen müssen, sei im Moment noch offen. "Für sie wird es nicht zwingend teurer. Wahrscheinlich dauert es etwas länger, aber wir sind ja schon relativ weit", meint der Insolvenzverwalter. Und er macht klar, dass eine zentrale Lösung aus seiner Sicht für alle die bessere Option wäre. "Das Ganze allein zu koordinieren, ist sehr schwer", weiß er.

Im besten Fall starten die Arbeiten im Oktober

Für ihn stehen die Zeichen im Fall der Zimmerner Wohnbau Thieringer gut: "Zu 70 bis 75 Prozent sind die beiden Gebäude bereits fertiggestellt. Wir haben eine gute Qualität, wir haben gute Handwerker." Und er habe viele positive Aussagen: von Banken, vom Architekten, von Handwerkern.

Über einen genauen Zeitplan zu sprechen, sei im Moment zwar noch zu früh. Der große Wunsch sei es aber, bereits im Oktober loslegen zu können.

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