Viele dürften überrascht davon sein, was sich einst auf der Fläche des heutigen Industrie- und Gewerbegebiets INKOM in Zimmern befand: ein Kasernenareal.
Zimmern o. R. - Vor mehr als 20 Jahren wurde der Zweckverband Interkommunales Industrie- und Gewerbegebiet Zimmern o.R.-Rottweil gegründet. Seither schreibt das INKOM auf der Stettener Höhe Erfolgsgeschichte. Der Blick aus der Luft 1968 zeigt ein Kasernengelände, das auf eine bewegte Geschichte zurückblickt.
Manche mögen sich noch an das Kasernenareal – die ehemalige Flak – auf der Stettener Höhe erinnern. Die Älteren kennen die Flak vermutlich sogar noch in Betrieb, die Jüngeren dürften sich vielleicht gerade noch an die alten Baracken erinnern, die mit Stacheldraht gesichert waren. Das ist lange her, denn bereits vor mehr als 20 Jahren wurde auf dem Areal auf der Stettener Höhe der Grundstein für das INKOM Südwest, das interkommunale Gewerbegebiet der beiden Kommunen Zimmern o.R. und Rottweil gelegt.
Fliegerabwehrkommando baut Feuerstellung
In seinem Buch "Zimmern ob Rottweil in historischen Bildern" schrieb einst Sylvester Hermann von Au, der das Leben auf der Flak als kleiner Junge selbst miterlebt hatte: "Mit Soldaten hatte unser Dorf immer zu tun. Ganz nahe und auf unserer Markung waren sie aber seit dem Jahr 1914. Das Fliegerabwehrkommando baute für die Pulverfabrik eine Feuerstellung auf dem Gewann "Gehren" hinter der "Sonne" ein." Die Fabrik habe gegen feindliche Flieger von der Höhe aus geschützt werden sollen.
55 Mann im Dorf einquartiert
Bald sei die Flak dann aber weiter nach oben ins Gewann "Ebnet" (Stettener Höhe) verlegt worden, wo man sie habe besser ausweiten können und zudem nach allen vier Himmelsrichtungen freie Aussicht hatte. Im Juni 1915 seien die 55 Mann von der Stettener Höhe im Dorf einquartiert gewesen. "Die meisten waren in den Wirtschaften "Sonne" und "Löwen", so von Au weiter. Im Juni desselben Jahres seien sie dann in die Wohnbaracken auf der Stettener Höhe umgezogen. Seither sei an dem Lager immer gebaut worden. Diverse Hallen seien 1938 fertiggestellt worden.
Im Jahr 1943 4000 Soldaten stationiert
Im Jahr 1943 sollen auf der Stettener Höhe bis zu 4000 Soldaten stationiert gewesen sein. Mehrfach sei die Flak von Jagdbombern angegriffen worden. 1945 wurde das Lager durch einen solchen Angriff größtenteils zerstört, schreibt Walter Schwer in seiner Chronik "Zimmern o.R. im 20. Jahrhundert". Im April 1945 sei es dann durch Franzosen besetzt worden. Außerdem sei für befreite ausländische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene auf der Flak ein Sammellager eingerichtet worden. Im Juni 1945 seien dann die ersten Russen und Polen ins Lager gekommen. Im Juni sollen es 2500 an der Zahl gewesen sein.
In der Luftansicht aus dem Jahr 1968 sind noch einige Hallen der einstigen Kaserne zu sehen. Die letzten Überbleibsel wurden aber mit Baubeginn im INKOM beseitigt. Bis zum Jahr 1986 hatten die Franzosen das Areal noch genutzt, anschließend waren es kanadische Streitkräfte. Erst 1994 zogen schließlich auch die Kanadier ab und zurück blieb ein teils baufälliges Kasernenareal. Eine weitere militärische Nutzung sei nicht angestrebt worden.
Areal von rund 13,9 Hektar
Die Gemeinde Zimmern habe damals die Möglichkeit erhalten, die Konversionsfläche zu erwerben. Das Areal hatte eine Fläche von rund 13,9 Hektar und war neben einer großen Lagerhalle mit teils baufälligen Garagen und Mannschaftseinrichtungen bebaut. Der Großteil war mit Stacheldraht eingezäunt und für die Bevölkerung nicht zugänglich. Recht bald habe es Gespräche zwischen Zimmern und Rottweil bezüglich eines gemeinsamen Wirtschaftsstandortes gegeben.
INKOM ist eine Erfolgsgeschichte
Am 29. Juli 1999 wurde dann schließlich – nach vielen Diskussionen und hitzigen Debatten im Gemeinderat – der Zweckverband Interkommunales Gewerbegebiet Zimmern o.R./Rottweil gegründet. Eine neue Ära begann. Ziel des Zweckbandes war und ist es bis heute, die Konversionsfläche der ehemaligen Kaserne als Gewerbegebiet zu vermarkten und Unternehmen anzusiedeln. Das ist über all die Jahre bestens gelungen. Das INKOM ist eine wahre Erfolgsgeschichte. Bereits im Jahr 2003 konnten die ersten Grundstücke an Unternehmen verkauft werden, heute verzeichnet INKOM-Wirtschaftsförderer Heiko Gutekunst rund 70 angemeldete Firmen.
Die Nachfrage ist ungebrochen. Zahlreiche Kräne künden bereits von weitem von der regen Bautätigkeit im Gebiet. Die Fläche ist ideal für produzierendes Gewerbe und Dienstleister. Und das Gebiet profitiert natürlich auch von der guten Verkehrsanbindung an die Autobahn 81 sowie an die Bundesstraßen 14 und 27. In der aktuellen Ansicht aus der Luft ist zu sehen, dass das Gebiet über die Römerallee erschlossen ist und sich rechts und links Firmen entlang des Alb- oder Schwarzwaldrings angeordnet haben. Über die Jahre sind weitere Stichstraßen hinzugekommen.
Firmennetzwerk breit gefächert
Das Firmennetzwerk im INKOM ist breit gefächert und reicht vom Handwerker, über Dienstleister, IT-Spezialisten bis hin zum Maschinenbauer. Zahlreiche Unternehmen haben Förderungen aus dem ELR-Programm (Entwicklung Ländlicher Raum) und aus dem Sonderprogramm "Spitze auf dem Land" erhalten. Mehr als 1200 Arbeitsplätze und eine Vielzahl von Ausbildungsplätzen sind über die Jahre entstanden. Auch die Gewerbesteuereinnahmen für beide Gemeinden sind ein wichtiger Faktor. Wichtigster Grundsatz im INKOM ist es, den Unternehmen eine Perspektive zu geben. Dass dies ebenfalls gelungen ist, zeigt sich an den zahlreichen Unternehmenserweiterungen der vergangenen Jahre. "Ein guter Draht zu den Unternehmen ist dabei sehr wichtig", betonen die Verantwortlichen.