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Grüngutsammelstelle: Mit Vorgängerfirma besteht Vereinbarung. Veränderung stößt in Zimmern auf Widerstand.

Zimmern o. R. - Alba will die Öffnungszeiten der Grüngutsammelstelle in Zimmern kürzen. Bei den Gemeinderäten kommt das überhaupt nicht gut an.

Horst Grieshaber lädt seinen Heckenschnitt ab. Mittwoch, 12.30 Uhr, kann er mit seinem Auto direkt vor dem Berg mit Grüngut parken, in aller Ruhe leert er seinen Kofferraum. So geschickt erwischt es der Rottweiler nicht immer. Es gebe Zeiten, da müsse er warten, bis er drankomme. Zeiten, in denen viel los ist auf der Grüngutsammelstelle in Zimmern. Betrieben wird diese von der Firma Alba, die auf dem Gelände auch Papier entgegen nimmt, zudem eine Sortieranlage betreibt.

Mit Vorgängerfirma besteht Vereinbarung

Bisher hat die Grüngutsammelstelle montags bis samstags von 7 bis 19 Uhr geöffnet, im Winterhalbjahr samstags bis 17 Uhr. Jetzt will Alba das ändern. Geplant sind ab 2017 folgende Zeiten: Montag bis Freitag, 7 bis 17 Uhr, sowie samstags von 7 bis 12 Uhr. In der Sitzung des Zimmerner Gemeinderats hat das zu Diskussionen geführt – auch der Vorgeschichte wegen. Dabei ist eigentlich der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft des Landkreises zuständig, der einen Vertrag mit Alba hat.

Ursprünglich hatte die Firma Schrägle die Sortieranlage betrieben. Im Jahr 2005 wollte das Dunninger Unternehmen diese erweitern und hatte dafür eine emissionsschutzrechtliche Genehmigung für die Baumaßnahme beantragt, erklärt Bürgermeister Emil Maser. Diesen Erweiterungsplänen habe der Gemeinderat seinerzeit nur zugestimmt, weil Schrägle damals im Gegenzug die Öffnungszeiten ausgedehnt habe – um die Belastung Zimmerns mit dem vermehrten Anlieferverkehr, der sich so verteilen sollte, zu reduzieren. Seit 2007 gibt es Schrägle, das zuvor 13 Jahre lang der EnBW gehört hatte, nicht mehr. Vor neun Jahren wurde aus Schrägle Alba. Der einstige Inhaber und spätere Geschäftsführer Max Schrägle zog sich damals zurück.

Mancher im Gemeinderat erinnerte sich am Dienstagabend noch gut an die Diskussionen mit Max Schrägle im Jahr 2005. Das Gremium habe die verlängerten Öffnungszeiten damals zur Bedingung für die Genehmigung gemacht, sagte Guntram Ober. "Ich werde alles für mich als Gemeinderat Mögliche tun, damit die Gemeinde sich auf die Hinterfüße stellt." Soll heißen: Zimmern soll sich wehren gegen die gekürzten Öffnungszeiten.

Laut Maser hatte die Firma Alba mitgeteilt, sie sei nicht länger bereit, die großzügigen Zeiten beizubehalten. Zum einen sind im Vertrag mit dem Landkreis weniger Stunden vereinbart – die Mehrkosten trägt das Unternehmen –, zum andern sei der Bedarf nicht da. Samstagnachmittags soll an der Grüngutsammelstelle nichts los sein? "Das ist für mich eine Farce und ein Scheinargument", erklärte Ober. Auch Ingrid Balke kann das kaum glauben: "Es gibt auch Leute, die samstagmorgens arbeiten müssen." Wenn nachmittags kein Grüngut mehr abgeliefert werden kann, wird ihrer Meinung nach wild entsorgt.

Vertrag mit Kreis läuft noch bis 2018

Rat Winfried Praglowski erinnerte daran, dass der Gemeinderat auch schon über die Anlage diskutiert habe, weil dort samstagnachmittags der Rückstau zu groß gewesen sei. Sein Kollege Wolfgang Schmutz bezeichnete die Aussage von Alba, es sei nichts los, sogar als "absolut weltfremd" und als "Falschaussage". Darüber hinaus sei die Grüngutfläche oft in einem "saumäßigen Zustand".

Praglowski fragte sich noch, warum der Landkreis andere Öffnungszeiten ausgeschrieben hat, als die Gemeinde Zimmern bekanntermaßen forderte?

Der Vertrag zwischen Landkreis und Alba läuft noch bis Ende 2018. Bleibt das Unternehmen mit den neuen Öffnungszeiten nicht unter der Vereinbarung, dann könne der Kreis schlecht etwas monieren, erklärt Hermann Kopp, der Erste Landesbeamte. Danach sieht es aus. Zur Vereinbarung der Gemeinde mit der Firma Schrägle ist laut Kopp zu klären, ob diese Verpflichtung mit dem Verkauf an Alba übertragen wurde oder nicht.

Von der Firma Alba in Dunningen war gestern keine Aussage zu bekommen. Bürgermeister Emil Maser sagte in der Sitzung allerdings, es sei in zwei Gesprächen nicht gelungen, das Problem einvernehmlich zu lösen. "Es bleibt uns nichts anderes übrig, als uns mit dem Landratsamt in Verbindung zu setzen."

Horst Grieshaber, der immer wieder seinen Grünschnitt nach Zimmern bringt, hätte mit den neuen Öffnungszeiten keine Probleme. Aber er ist auch Rentner. Für alle anderen sei es besser, wenn an Samstagen auch nachmittags geöffnet sei. Johannes Lichtenwald, der nächste der mit seinem Grüngut kommt, sieht das genauso. Er ist berufstätig. Nur weil er derzeit Urlaub hat. kann er mittags anliefern, und das, ohne lange warten zu müssen. Seine Erfahrung: "Abends ist es voll."

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