Glasscherben aus dem Archiv Fiebig und Repikate – so könnten einst die in Herrenalb gefertigten Gläser ausgesehen haben. Foto: Sabine Zoller

Gläserne Geschichte zum 20. Museumsgeburtstag: In Bad Herrenalb gibt’s in der Sonderausstellung einiges zu sehen.

Das Ziegelmuseum in Bad Herrenalb feiert sein 20-jähriges Bestehen nicht nur mit einem Rückblick auf die eigene Erfolgsgeschichte, sondern mit einer Zeitreise in die Welt der alten Handwerksberufe.

 

Im Zentrum der neuen Sonderausstellung steht ein Werkstoff, der die Region prägte wie kaum ein anderer: das Glas.

Ausgrabungen Dass die Glasherstellung in Bad Herrenalb eine tiefe Tradition hat, ist heute unumstritten. Doch den physischen Beweis dafür lieferte eine Frau, deren Herz bis zuletzt für die Geschichte ihrer Heimat schlug: die in diesem Jahr verstorbene Museumsgründerin Sigrid Fiebig. Bereits im Jahr 1998 konnte sie bei Ausgrabungen in Bad Herrenalb Glasscherben sichern, die heute als kostbare Belege der einstigen Herrenalber Glashüttenzeit dienen.

Diese Fundstücke zeigen charakteristische „Nuppen“, die sogenannten Glastropfen, die einst auf Becher aufgesetzt wurden, um sie griffiger und stabiler zu machen. Sie sind das Bindeglied zwischen der Erwähnung in der Herrenalber Ortschronik und der heutigen Ausstellung.

Spurensuche Um den alten Handwerksberuf für die Besucher lebendig zu machen, begab sich das Museumsteam um Bernhard Lohner, Christa Sagawe und Dietmar Glaser auf Spurensuche in den Schwarzwald. Ziel war die Dorotheenhütte in Wolfach, die letzte Mundblashütte des Schwarzwaldes.

Dank einer großzügigen Kooperation stellt die Glashütte dem Ziegelmuseum wertvolle Leihgaben von Rohmaterialien über historische Formen bis hin zu Werkzeugen der Glasmacher zur Verfügung.

Ein Highlight der Zusammenarbeit ist ein handgefertigtes Geschenk aus Wolfach: Der symbolträchtige „Teufelsbock“ des Ziegelmuseums wurde von den Wolfacher Glasbläsern meisterhaft aus Glas geformt.

Das größte Ausstellungsstück zeigt Bernhard Bogner vor dem Eingang des Museums: das alte Chorgestühl aus dem Mittelalter Foto: Zoller

Luxusartikel Die Ausstellung beleuchtet die Anfänge im Gaistal. Ab 1703 wurde dort auf Betreiben der Klosterschaffner Glas produziert, um das unwegsame Holz der Wälder nutzbar zu machen. Glas war damals ein wahrer Luxusartikel, denn für ein winziges Bauernfenster von 20 x 20 Zentimetern musste man den Gegenwert von rund 60 Eiern bezahlen.

Besucher können nun in der Ausstellung das typische, grünlich schimmernde „Waldglas“ bewundern. Die Farbe entstand durch die Eisenoxide in der Buchenholzasche, die als Schmelzmittel diente.

Zu sehen sind Replikate historischer Trinkgefäße, die 2019 Einzug ins Museum hielten, um die Sammlung der mittelalterlichen Klosterziegel mit Objekten aus der Zeit zu ergänzen.

Rund 100 Exponate Die Sonderausstellung lädt dazu ein, tief in die Geschichte längst vergangener Handwerksberufe im Schwarzwald einzutauchen und rückt rund 100 Exponate aus privaten Leihgaben ins Rampenlicht, die von einem mit 1,40 auf 1,80 Meter großen Chorgestühl der Laurentius-Kirche in Flacht – einem Sammlerstück von Edmund Bernt (1952–2016) – bis hin zu einem klassischen metallgespindelten Uhrwerk einer Kuckucksuhr in Zentimetergröße reichen.

Die Ausstellung im Ziegelmuseum Bad Herrenalb ist ab sofort jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich.