Im Netz zeigen viele Menschen ihre Solidarität und möchten für den Baggerfahrer spenden. Foto: Opitz

Anfang August zerstörte ein wütender Bauunternehmer mit einem Bagger die Fassade eines Neubaukomplexes in Blumberg. Sein Motiv: vermeintlich unbezahlte Rechnungen des Bauträgers. Nun unterstützt ihn eine landesweite Aktion von Handwerkern mit einem Spendenaufruf. Das sorgt im Netz für reichlich Diskussion.

Blumberg - Bei der Randalefahrt entstand laut Polizei ein Sachschaden von rund einer halben Million Euro, für den der Baggerfahrer nun aufkommen muss. Der Zusammenschluss einer kleinen Gruppe von Handwerkern mit dem Namen "Solidarität mit dem Bagger“ sammelt für den verzweifelten Baggerfahrer Spenden. Auf dem Facebook-Kanal unserer Zeitung gehen die Reaktionen darauf stark auseinander.

Solidarität und Spendenbereitschaft

Was sofort auffällt und durchaus in den Kommentaren überwiegt ist: Solidarität. "Ich würde mich gerne beteiligen", schreibt eine Nutzerin und die Frage "Wo kann man spenden?" ist wohl die meistgestellte unter den Netz-Kommentaren. Die Spendenbereitschaft der Nutzer unter dem Facebook-Post ist enorm, viele teilen die Bankverbindung. Christian M. schreibt, er sei selbst Bauunternehmer und kenne die Problematik nur zu gut: "Wenn er sein Geld nicht bekommt. Dann hat er alles richtig gemacht.“ So reagieren nicht nur andere Leidensgenossen aus der Baubranche - auch Arbeitnehmer und Selbstständige aus anderen Berufszweigen zeigen sich solidarisch. 

Verständnis für die Zerstörungsfahrt

Ein Großteil der Nutzer positioniert sich zudem gegen den Bauträger - und stellt sich klar auf die Seite des Bagger-Fahrers Matija P. Das Verständnis für sein Handeln ist groß. Unter anderem meint Roland B.: "Solch eine Courage gehört wirklich belohnt."

Andy R. meint, das Ganze geschehe dem Bauträger zurecht. Er kommentiert: "Wer nicht bezahlt muss damit rechnen, das etwas passiert - fertig" und gibt dem Ganzen zusätzlich noch einen Daumen nach oben. "Dem Bauträger gehört die Möglichkeit entzogen, in Zukunft Häuser zu bauen", äußert sich Roland N. dazu.

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Selbstjustiz ist keine Lösung

Doch es gibt auch einige, denen diese Art der Selbstjustiz zu weit geht. Daniel B. etwa stellt sich gegen die Aktion und den Spendenaufruf. Er schreibt: "Immerhin hat er eine Straftat begangen und ich bin mir nicht sicher ob man das befürworten sollte". Er halte Selbstjustiz in keinem Fall für richtig. "Ein Anwalt wäre billiger gewesen."

Dem stimmen auch andere User wie Andreas M. zu: "Denkt hier überhaupt noch einer darüber nach, was er da für gut heißt? Wir haben nicht so lange für Gesetze und Gerichte gekämpft, dass jemand jetzt mit dem Bagger irgendwo aus seiner Überzeugung heraus durchdreht." Eine Straftat finanziell zu unterstützen, ist auch für Ingo G. falsch. "Eigenjustiz ist nun mal nicht Grundlage einer Demokratie. Wenn man dies billigt, wo soll das dann enden!?" Für eine Selbstjustiz-Aktion Geld zu sammeln, wird von einigen Kommentatoren scharf kritisiert. Dennoch sind diese Meinungen unter den bisher knapp 800 Kommentaren in der Unterzahl.

Mitleid mit den zukünftigen Mietern

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Doch es gibt bei der Geschichte noch einen Aspekt, der für einige zu wenig Beachtung findet: Die künftigen Bewohner des Objekts. Die ersten wollten eigentlich kurz nach der Zerstörungsfahrt einziehen. "Und wer spendet für die Menschen, die da einziehen wollten und nun ohne Wohnung dastehen?“, fragt Kerstin H.

Die Sorge um die zukünftigen Bewohner des Mehrfamilienhauses ist ein weiterer Bestandteil der Diskussion im Netz. Dejan T. hat eine einfache Antwort auf die Frage, wer für die Menschen die dort einziehen wollten, aufkommen soll: "Ganz klar der Bauträger."