Bürgermeister und Freibadbetreiber sind schockiert: Unbekannte Vandalen haben in Kippenheim mindestens 20 000 Euro Schaden verursacht. Die Tat hat Konsequenzen.
Ein Mülleimer ist von mehreren Seiten mit Abbildungen eines männlichen Glieds verschmiert, nur wenig weiter prangt ein weiterer Phallus auf den Wänden der hölzernen Umkleideschnecke. Als wäre das nicht schon schlimm genug, finden sich auf der Kabine und mehreren Bänken Hakenkreuz-Symbole in gleicher Farbe. Ein anderes Foto zeigt einen Stapel Sonnenliegen, deren Bezug mittig durchgeschnitten ist. Die Bilder, die der Kippenheimer Freibadbetreiber Christian Rieger unserer Redaktion zukommen ließ, sprechen eine deutliche Sprache: Hier waren Vandalen mit krimineller Energie am Werk.
„Wir waren sehr geschockt“, berichtet Rieger im Gespräch mit unserer Redaktion. Das Team habe gerade mit dem Auswintern begonnen, wollte also das Freibad fit für die Saison machen, als es die Schäden und Schmierereien entdeckte. Zahlreiche Gegenstände seien mutwillig beschädigt oder zerstört worden. Besonders betroffen seien etwa 60 Sonnenliegen, die unbrauchbar gemacht wurden. Darüber hinaus sei die Internetantenne des Schwimmbads beschädigt worden, wodurch die Internetverbindung der Anlage außer Betrieb gesetzt wurde. Nach ersten Feststellungen wurden außerdem weitere Einrichtungen beschädigt sowie einzelne Gegenstände entwendet, erklärt Rieger weiter. Auf „mehr als 20 000 Euro“, schätzt er den entstandenen Schaden. Rechnet man die Kosten für die Reinigung der beschmierten Gegenstände mit ein, könnte es Richtung 30 000 Euro gehen. Ob die Versicherung greife, werde aktuell geprüft.
Rieger vermutet, dass die Täter über den Zaun ins Freibad eingestiegen sind. Außerhalb der Saison hat es selbstverständlich geschlossen, der Eingang ist blockiert. Der Zaun in Richtung Sportplatz ist jedoch keine zwei Meter hoch, er kann mit der entsprechenden Energie leicht überwunden werden. Den Schilderungen des Badbetreibers kann man entnehmen, dass die Einbrecher offenbar wussten, was sie taten. Sie haben demnach wohl zuerst die Internetantenne abgeschnitten, um die Videoüberwachung von der Kommunikation mit der Außenwelt zu trennen. „Die Schäden sind in dem Bereich aufgetreten, wo man vermuten könnte, dass die Videokameras nicht hinkommen“, erklärt Rieger.
Es ist unwahrscheinlich, dass der Ersatz für Sonnliegen rechtzeitig kommt
Die Auswinterung an sich beeinträchtige der Vandalismus nicht. Doch für die Sonnenliegen muss nun Ersatz besorgt werden. „Ich gehe davon aus, dass wir mit einer minimalistischen Zahl an Sonnenliegen in die Saison gehen“, befürchtet Rieger. Das ärgert den Badbetreiber besonders, denn man habe erst im vergangenen Jahr aufgestockt. „Die Liegen werden sehr gut angenommen. Dass es nun weniger gibt, könnte manche Gäste erzürnen“, sorgt sich der Badbetreiber.
Rieger hofft nun auf die Mithilfe der Bevölkerung, um den Fall aufzuklären. Wer zwischen 1. und 5. März, insbesondere in den Nachtstunden, verdächtige Beobachtungen rund um das Bad in der Schmieheimer Straße gemacht hat, wird gebeten, sich bei der Polizei oder per E-Mail unter office@freibad-kippenheim.de zu melden.
Hakenkreuze sorgen für Bestürzung
Besonders schockiert zeigen sich Rieger und auch Bürgermeister Matthias Gutbrod über die Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole – in diesem Fall die Hakenkreuze. „Übel, ganz ehrlich“, kommentiert Gutbrod im Gespräch mit unserer Redaktion den Vorfall. Nachdem er vom Badbetreiber informiert wurde, habe er sich selbst ein Bild gemacht. „Ich bin sehr schockiert, wenn ich diese Zerstörungswut sehe. Das ärgert mich wahnsinnig, der Schaden wird auch ziemlich hoch sein.“
Der Bürgermeister kann sich nicht daran erinnern, dass rechtsextremistische Symbole schon einmal in Kippenheim so präsent aufgetaucht sind. Er will den Vorfall keineswegs herunterspielen, sagt er, doch er macht ausgehend von der Tat im Schwimmbad kein generelles Problem mit Rechtsextremismus in seiner Gemeinde aus – „vor allem, da ich nicht die genauen Hintergründe kenne“.
Polizei ermittelt
Die Polizei bestätigte am Donnerstag auf Anfrage unserer Redaktion, dass sie die Ermittlungen aufgenommen hat. Das Verfahren sei jedoch noch nicht abgeschlossen, der Polizeiposten Ettenheim gehe allen eingehenden Hinweisen nach. Werden die Täter erwischt, droht ihnen eine Freiheitsstraße von bis zu zwei Jahren beziehungsweise eine Geldstrafe.
Viel Hoffnung kann die Polizei jedoch nicht machen: Die Aufklärungsquote im Jahr 2025 im Polizeipräsidium Offenburg lag bei Sachbeschädigungsdelikten bei 8,6 Prozent.
Vorfall in Münchweier
Der Bauwagenverein bringt derzeit ehrenamtlich den Pavillon Hörd in Münchweier in ein wieder ansehnliches Bild. Wie die Stadt Ettenheim mitteilt, wurde während der Malerarbeiten das vorhandene Gerüst dafür missbraucht, um im oberen Giebelbereich Schmierereien anzubringen. Die Ortsverwaltung Münchweier bittet die Bevölkerung um Hinweise.