Regierungspräsident Klaus Tappeser hat den Kreistag in Balingen auf den neuesten Stand gebracht in Sachen Straßensanierungen. Das Zentralklinikum spielte eine entscheidende Rolle.
Landrat Günther-Martin Pauli durfte mit Regierungspräsident Klaus Tappeser hohen Besuch zur letzten Kreistagssitzung vor der Sommerpause begrüßen. Dieser hatte neue Informationen zu den laufenden und anstehenden Straßenbaumaßnahmen im Zollernalbkreis im Gepäck. Im Fokus stand dabei der Anschluss an das künftige Zentralklinikum bei Balingen-Dürrwangen.
Holländische Rampen oder Ampelanlage? Diese Frage beschäftigt die Kreistagsmitglieder nicht erst seit der Sitzung am Montagabend. Konkret geht es um die Anbindung der künftigen Klinik an die B463.
Hierfür muss der Abzweig von der Bundesstraße weg Richtung Dürrwangen angepasst werden. Kreisräte und -verwaltung wünschen sich eine bauliche Veränderung, sodass die Abfahrt von allen Seiten ohne Ampellösung erfolgen kann – über sogenannte holländisch Rampen.
Tappeser: Am Ende hat der Bund den Hut auf
Der Haken an der Sache: „Da es sich um eine Bundesstraße handelt, können wir uns hier seitens Landkreis und Regierungspräsidium so viel wünschen wie wir wollen, am Ende hat der Bund den Hut auf und entscheidet“, erklärte Tappeser dem Gremium und den Besuchern, zu denen sich auch Balingens OB Dirk Abel gesellt hatte.
RP-Mitarbeiter Michael Kittelberger brachte letztlich das vor, was der Großteil des Gremiums nur ungern zur Kenntnis nahm. „Wir planen nicht alleine, alle Schritte erfolgen in Abstimmung mit dem Verkehrsministerium in Bonn“, so Kittelberger.
Das heißt im Klartext: Wenn geplante Simulationen und Test ergeben, dass die unbeliebte Ampellösung leistungsfähig ist und dem künftigen Verkehrsaufkommen gewachsen ist, dann sind die Rampen aller Voraussicht nacht vom Tisch. Dem Vernehmen nach erachtet der Bund die Ampeln als ausreichend. „Entschieden ist hier aber noch nichts“, betonen Tappeser und RP-Mitarbeiter.
Zur Wahrheit gehört auch, dass die Rampen um einiges teurer wären und einen größeren baulichen Aufwand und Eingriff in die Natur bedeuten würden. In diesem Fall greife man in sogenanntes FFH-Gebiet, ein ausgewiesenes Schutzgebiet, ein, erklärte Kittelberger.
Dazu kommt laut Einschätzung des RPs, dass holländische Rampen wiederum Auswirkungen hätten auf die dringend notwendige Sanierung der direkt angrenzenden Brücke über die Eyach. Diese soll laut Verkehrsministerium nämlich vordringlich behandelt werden. Dem ein oder anderen Gremiumsmitglied dürfte an diesem Abend noch mal klar geworden sein, wie dicht der deutsche Behördendschungel sein kann.
CDU-Fraktionschef Frank Schroft versuchte wenigstens in Sachen FFH-Gebiet eine Lösung zu schaffen: „Gebiete, die wir benötigen, können wir doch ausgleichen“, lautete sein Vorschlag. Das sei nicht so einfach, meinte Tappeser, da diese Gebiete auch von Artenschutz geprägt seien. Geschützte Arten könne man nicht so einfach ausgleichen.
Bund muss von den Rampen überzeugt werden
Der Regierungspräsident betonte, dass man nicht hergekommen sei, um den Kreistag mit den ganzen Vorschriften zu ärgern. „Wir werden für die Rampe kämpfen“, versprach Tappeser. Aber letztlich treffe der Bund die Entscheidung.
Sprich: Die Akteure müssen nun Bonn von den Rampen überzeugen. Allzu viel Zeit lassen können sie sich damit aber nicht. Denn feststeht: Wenn das Zentralklinikum eröffnet wird, muss die Anbindung stehen, ganz egal in welcher Form.