Viel Kritik erntet die Verlegung der Notfälle nach Balingen. Foto: Dick

Die Zentrale Notaufnahme und ihre Schließung: Es sind „Sparpläne auf Kosten der Patienten“, findet Leserbriefschreiberin Renate Schmidt aus Albstadt.

Alles schlucken?

 

In der Bürgerfragestunde im Gemeinderat Albstadt am 26. März fragte ich wegen der Schließung der Zentralen Notaufnahme in Albstadt unter anderem: Wurde die Verlagerung nach Balingen schon länger geplant und geht es um finanzielle Vorteile für den Landkreis auf Kosten der Albstädter Patienten?

Dies verneinte Herr Tralmer. Wenige Tage später las ich im Südkurier: Der gekündigte Chefarzt der Notaufnahme Ebingen, Doktor Vasilakis, war nicht das einzige Opfer. Auch im Klinikum Singen und im Lörracher Kreiskrankenhaus wurden die Chefärzte der Zentralen Notaufnahmen gekündigt.

„Ein übles abgekartetes Spiel“

Die Parallelen zeigen ein übles abgekartetes Spiel: „Laut Insidern sollen die Klinikleitungen in Singen, Albstadt und Lörrach den gekündigten Chefärzten teilweise persönliche Defizite und Führungsversagen vorgeworfen haben. […]. Man bringe Chefärzte in Misskredit, um ein Ziel zu erreichen, das man anders nicht rechtfertigen könne. […]. Für die Träger können die neuen Vorgaben ein Weg sein, um Gelder zu sparen. Die Leidtragenden könnten am Ende die Patienten sein. […]. Die Kliniken in Singen, Lörrach und Albstadt haben aber außer den fast zeitgleich gekündigten Notfall-Chefärzten noch mehr gemeinsam: Alle drei Gesundheitsverbünde stehen vor Neubauten“ (Südkurier, 21. März 2026).

Gesundheitssystem wird von „Profitinteressen diktiert“

Der Abbau von Strukturen bringe Kostenersparnis. Ergebnis in Singen: Seit dem Rauswurf des Chefarztes haben sieben Pflegekräfte und eine Oberärztin gekündigt. Das Luftschloss Zentralklinikum ist die Rechtfertigung für den Abbau der wohnortnahen Gesundheitsversorgung.

Unser Gesundheitssystem wird von Profitinteressen diktiert:

• Versicherungsmonopole, die das große Geschäft mit Privat- und Zusatzleistungen machen

• Krankenhauskonzerne, die sich die Filetstücke aus den bankrotten Kliniken sichern

• Die medizinische Geräteindustrie, die vom Fortschritt der Medizintechnik profitiert

• Internet-Milliardäre, die für sich einen Riesenmarkt von weltweiten Gesundheitsdaten erschließen

• Pharma-Monopole, die mit irrwitzigen Preisen die Krankenkassen plündern.

Hinzu kommen Aufrüstung und Umstellung des Gesundheitswesens auf den Krieg. Da erscheint der Kampf um die Zentrale Notaufnahme in Albstadt vielleicht klein und sinnlos. Aber es geht um die Grundrichtung: Alles schlucken oder sich dagegen organisieren?

Renate Schmidt, Ebingen

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