„Uns trifft es mit am härtesten im Kreis“, verweist Hauptamtsleiter Florian Merz auf die Zahlen des Zensus 2022, der Furtwangen einen deutlichen Bevölkerungsschwund bescheinigt. Dabei hat das Einwohnermeldeamt andere Zahlen. Das wirft Fragen auf.
Ein Minus von 6,68 Prozent, oder in absoluten Zahlen ausgedrückt: Furtwangen hat laut dem aktuellen Zensus 2022 nur noch 8374 Einwohner. Das sind 599 weniger als die 8973 Einwohner, die nach dem jährlich fortgeschriebenen Zensus 2011 zum Stichtag 30. Juni 2022 in der Stadt mit Erstwohnsitz angenommen wurden.
599 Einwohner weniger – das hat enorme Auswirkungen auf den Finanzhaushalt der Stadt. Berechnet sich doch der Finanzausgleich auch nach der Bevölkerungszahl.
Wenn die Kriterien für den Finanzausgleich unverändert blieben, wären das für Furtwangen eine Million Euro weniger ab 2026 in der Stadtkasse, rechnet Merz vor. Wobei die negativen Auswirkungen auch schon im nächsten Jahr spürbar wären, wenn beim Finanzausgleich eine Mischkalkulation aus dem aktuellen Zensus 2022 und dem fortgeschriebenen Zensus 2011 erfolge. Doch Merz hat eine Hoffnung.
Schließlich finde sich ein Bevölkerungsrückgang in den meisten Kommunen Baden-Württembergs, nicht nur in Furtwangen. Insofern hofft Merz, dass das Land die Ausgleichszahlungen neu berechnet und es letztlich mehr finanzielle Zuweisung pro Einwohner gibt.
„Das Land wird sichhoffentlich bewegen“
Wenn das nicht der Fall sein sollte, hätte letztlich auch der Kreis weniger Geld, das er sich mittels einer höheren Umlage von den Kommunen holen müsste. Das würde die finanzielle Not der Kommunen noch verstärken, führt Merz aus. Deshalb unterstreicht er noch mal: „Das Land wird sich hoffentlich bewegen.“
Merz macht auf eine weitere Diskrepanz bei den Einwohnerzahlen aufmerksam. Das Einwohnermeldeamt von Furtwangen gehe aktuell von 8803 Personen aus, also 429 Personen mehr, als die 8374 vom Zensus 2022. Dieser Unterschied liegt womöglich auch an den Studenten, hat Merz eine Vermutung.
Eine Hochschule in einer Stadt in der Größe Furtwangens sei etwas Besonderes. Typisch für eine Studentenstadt seien deutliche Schwankungen in der Bevölkerungszahl, abhängig davon ob sich die Studenten hier mit ihrem Erstwohnsitz anmeldeten oder nicht. Die Corona-Pandemie habe außerdem die Entwicklung verstärkt, auch online Veranstaltungen wahrzunehmen und nicht unbedingt am Studienort sein zu müssen und hier zu wohnen. All das führe bei den Einwohnerzahlen Furtwangens zu stärkeren Schwankungen.
Bauplätze hier„im bezahlbaren Bereich“
Nun bilden aber die Zahlen des Zensus die Grundlage für Ausgleichszahlungen. Und die fallen eben niedriger aus als die Zahlen von Einwohnermeldeamt und des fortgeschriebenen Zensus 2011. Was tun, wenn sich das Land nicht bewegt und es tatsächlich zu einer Reduzierung im Finanzausgleich von einer Million Euro kommen sollte?
Merz stellt ein Gedankenspiel an, das so zwar nicht umgesetzt werden soll, aber die Situation vor Augen führt. Der Hebesatz für die Gewerbesteuer müsste ganze 30 Punkte in die Höhe schnellen, von 360 auf 390. „Das ist utopisch“, stellt Merz selbst fest und betont: „Meiner Meinung nach kann man das den Firmen nicht zumuten.“ Stattdessen müsse man sich „vieles anschauen“, um die Einnahmensituation zu verbessern.
Letztlich ist es die Zielrichtung Furtwangens, die Einwohnerzahlen wieder steigen zu lassen. Als Plus verweist Merz auf die Bauplätze, die hier „im bezahlbaren Bereich“ lägen. Außerdem gebe es hier viele Firmen und attraktive Arbeitsplätze.
Die Geburtenzahlen seien in Furtwangen „relativ stabil“. Daher hoffe die Stadt auf Zuzug, um die Einwohnerzahl wieder steigen zu lassen. Da spielten auch Flüchtlinge eine gewisse Rolle. Merz erwähnt, darunter seien auch Fachkräfte, „vor allem aus der Ukraine“.
„Das ist eine Bereicherung für uns“, freut er sich, wenn diese hier in Furtwangen Fuß fassen.
Entwicklung im Kreis
Zensus 2022
Die Zahl der Einwohner geht im Schwarzwald-Baar-Kreis laut Zensus 2022 um 2,53 Prozent zurück auf nunmehr 210 596 Personen. Furtwangen verliert mit einem Minus von 6,68 Prozent also überdurchschnittlich viele Einwohner im Vergleich zum fortgeschriebenen Zensus 2011. Nur Mönchweiler weist mit einem Minus von 7,06 einen noch höheren prozentualen Verlust auf. Wie sieht es sonst im oberen Bregtal aus? Vöhrenbach hat einen Bevölkerungsrückgang von 2,35 Prozent auf 3621 Personen. Das sind 87 weniger im Vergleich zum fortgeschriebenen Zensus 2011. Gütenbach verliert 72 Personen und hat laut Zensus 2022 nur noch 1069 Einwohner. Das entspricht einem Minus von 6,31 Prozent.