St. Georgen nimmt das Ergebnis des Zensus 2022 nicht hin. Man ist sich sicher, dass die Zahlen falsch sind. Doch das gilt es nun auch zu belegen.
Wie viele Einwohner hat St. Georgen? Daran scheiden sich die Geister – zumindest gehen die Meinungen der Stadtverwaltung und des statistischen Landesamts stark auseinander. Daher hat die Stadt Widerspruch gegen das Ergebnis der Volkszählung eingelegt. Im Rathaus ist man sich sicher, die Zahlen auf seiner Seite zu haben, wie in jüngster Gemeinderatssitzung anklang.
Denn im statistischen Jahresbericht, der auf der Tagesordnung stand, ist die Einwohnerzahl zum Ende des Jahres 2024 mit 13 226 Personen angegeben – und damit etwas niedriger als noch zum Ende des Vorjahrs mit 13 332. In einem ganz anderen Bereich befindet sich da die Zahl, die 2022 beim Zensus ermittelt wurde: 12 265 Einwohner hatte St. Georgen demnach – 782 Personen und damit fast sechs Prozent weniger als angenommen.
Wie kommt so eine Differenz zustande? Aus Sicht der Stadtverwaltung kann nur ein Fehler vorliegen. Dieser Einschätzung, die Bürgermeister Michael Rieger schon kurz nach Bekanntwerden des Zensus-Ergebnisses vertrat, lässt die Verwaltung auch Taten folgen. Die Stadt hat Widerspruch gegen das Ergebnis des Zensus eingelegt und sich einer Sammelklage mehrerer Kommunen angeschlossen. Auch im Schwarzwald-Baar-Kreis ist St. Georgen damit in guter Gesellschaft: 14 Kreiskommunen gehen gemeinsam gegen das Ergebnis vor. Zusammen lasse man sich anwaltlich vertreten, gab Rieger in der Sitzung Einblick.
„Zahlen können so nicht stimmen“
Bis Ende April war Zeit, um im Widerspruchsverfahren die Begründung einzureichen. Und an dieser wurde im Rathaus mit Hochdruck gearbeitet, erklärte Giovanni Costantino, Leiter Zentrale Steuerung und Dienste. Von Verwaltungsseite habe man sich die Zahlen der Stadtverwaltung und auch die des Zensus 2022 intensiv angeschaut. Seine klare Einschätzung: „Unserer Meinung nach können diese Zahlen so nicht stimmen“ – das zu belegen, sei aber gar nicht so einfach.
1,5-Millionen-Euro-Loch im Haushalt
Dass St. Georgen die aus Verwaltungssicht in der Statistik fehlenden Einwohner nicht einfach hinnehmen möchte, hat vor allem finanzielle Gründe. Denn jeder Einwohner weniger bedeutet für die Stadt weniger Mittel aus dem Finanzausgleich. Konkret heißt das für St. Georgen: 2025, wenn das Ergebnis des Zensus zunächst zu 50 Prozent berücksichtigt wird, fehlen etwa 700 000 Euro an Einnahmen im Haushalt. Ab 2026 sind es rund 1,5 Millionen Euro – und das auf Dauer.