Baden-Württemberg ist in Hinblick auf die Einwohnerzahl kleiner als bislang angenommen. Bei so mancher Stadt lag die bisherige Rechnung erheblich daneben. Ein Überblick.
Die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner in Baden-Württemberg ist kleiner als bisher angenommen – zu diesem Schluss kommt nun der Zensus 2022. Zum Stichtag 15. Mai 2022 ermittelte das Statistische Bundesamt rund 11,1 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner für das Land – rund 131.000 Menschen weniger, als auf Basis der Bevölkerungsfortschreibung des Zensus 2011 bisher vermutet worden waren.
In der veröffentlichten Tabelle fallen einige Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg allerdings besonders ins Auge. Die Landeshauptstadt beispielsweise ist um tausende Menschen kleiner als bisher angenommen, sie schrumpfte damit um 3,4 Prozent. Rund 610.500 Menschen leben laut Zensus 2022 tatsächlich in Stuttgart. Eine Nachbarstadt, wenige Kilometer entfernt, hat es jedoch noch härter getroffen: Ludwigsburg kommt auf ein Minus von 3,5 Prozent.
Heidelberg schrumpft mit dem neuen Zensus
Die Uni-Stadt Heidelberg ist sogar fast fünf Prozent kleiner als bisher angenommen. Oberbürgermeister Eckart Würzner erklärt: „Das Ergebnis haben wir so nicht erwartet.“ Man blicke nun gespannt auf das amtliche Ergebnis, das im September veröffentlicht werden soll. Neben Heidelberg traf die Überraschung aber auch Mannheim und Karlsruhe, die in Hinblick auf ihre Bevölkerung ebenfalls kleiner geworden sind – allerdings bewegt sich der Schwund hier unter einem Prozent.
Doch es gibt auch Städte, die größer sind, als man bislang dachte. Heilbronn darf sich über ein Plus von 1,2 Prozent freuen. Die Stadt Pforzheim sticht mit einem Plus von 4,8 Prozent noch deutlicher hervor. Tatsächlich leben hier rund 133.000 Menschen, bisher war man dort von 127.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ausgegangen.
Doch nicht nur die Zahlen der großen Städte im Land lassen aufhorchen. Auch so manche kleine Gemeinde muss große Verluste in Hinblick auf ihre Bevölkerung einstecken. Sankt Blasien im Landkreis Waldshut etwa, bekannt für das gleichnamige Kloster samt Internat, ist laut dem aktuellen Zensus um 9,4 Prozent kleiner als angenommen.
Das Minus trifft jedoch nicht nur Baden-Württemberg und viele Städte, sondern auch Deutschland insgesamt. Die bundesweite Einwohnerzahl musste am Dienstag mit Blick auf die Zahlen nach unten korrigiert werden. Sie lag 2022 bei rund 82,7 Millionen, rund 1,4 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner weniger als bislang angenommen.
Wie kommt es zu den Abweichungen?
Aber wie kommt es überhaupt zu diesen Änderungen? „Die bundesweiten Abweichungen zur Bevölkerungsfortschreibung bei den Bevölkerungszahlen betreffen vor allem die ausländische Bevölkerung“, heißt es in einer Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes. Nach dem Zensus 2022 lebten zum Stichtag 15. Mai 2022 in Deutschland rund 10,9 Millionen Ausländerinnen und Ausländer. Das sind nahezu eine Million weniger als durch die Bevölkerungsfortschreibung bisher amtlich angenommen.
Die Macher des Zensus 2022 gehen davon aus, dass viele ausländische Einwohnerinnen und Einwohner melderechtlich in den Städten und Gemeinden erfasst wurden, dann aber wieder wegzogen, ohne sich beim Amt wieder abzumelden, so die Erklärung des Bundesamtes.