Auf der Wiese wurden einst riesige Mengen an Holz aus dem oberen Wiesental nach Basel geflößt. Foto: Uli Merkle

Die Flößerei brachte viel Aufregung, Arbeit und bescheidene Einnahmen, während in den Wäldern im oberen Wiesental regelrecht Raubbau betrieben wurde.

Es gibt wenig Informationen und kaum sichtbare Zeichen darüber, was sich zwischen 1726 und 1756 in Zell beziehungsweise auf dem Fluss Wiese zugetragen hat. Ein wenig lässt sich dennoch erschließen.

 

Auf der Wiese wurde bereits im 15. und 16. Jahrhundert Flößerei betrieben. Dabei beschränkte sich der Transport von Baumstämmen auf die wasserreichen Monate Februar bis April. Grund für die Flößerei war der schier unendlich große Bedarf der Stadt Basel an Bau- und Brennholz. Im 17. Jahrhundert wurde die Flößerei wohl aufgrund der unruhigen Zeiten aufgegeben.

Im Jahr 1723 erließ die vorderösterreichische Regierung den Erlass, die Flößerei auf der Wiese wieder aufzunehmen und Holz nach Basel zu liefern. Das Kalkül dieses „Kaiserlichen Holzflößungswerk“ war es, „ein namhaftes Quantum an barem Geld ins Land zu bringen“. Kurzum, man erhoffte sich damit eine gute Einnahmequelle für das ärmliche Vorderösterreich.

Grenze am Grendel

Es gab, neben den technischen Problemen, auch ein politisches: Am Zeller Grendel passierte der Fluss Wiese die Landesgrenze zwischen dem vorderösterreichischen oberen Wiesental und der Markgrafschaft Baden-Durlach. Die vorderösterreichische Regierung mit ihrem damaligen Sitz in Ensisheim im Elsass beauftragte den Krozinger Johannes Litschi, die Verhandlungen mit der Markgrafschaft Baden zu führen und die technischen Voraussetzungen für die Flößerei zu schaffen. Litschi war ein Fachmann für wasserbauliche Anlagen.

Schönauer weigern sich

Ein Jahr später, 1724, ritt der Waldvogt mit Johannes Litschi die Wälder von Todtnau und Schönau ab. Während mit den Todtnauern ein Floßvertrag abgeschlossen werden konnte, weigerten sich die Schönauer Holz abzuflößen. Erst nach einem Machtwort von Kaiser Karl VI. in Wien und der Androhung einer Strafe willigten die Schönauer ein.

Die Verhandlungen mit der Markgrafschaft Baden gestalteten sich zäh, waren aber schließlich erfolgreich. Der Markgraf verpflichtete sich, einen Floßkanal vom Zeller Grendel bis nach Basel zu bauen.

400 Arbeiter im Flussbett

Für den Bau wurden 400 Arbeiter, ausschließlich „Markgräfler Untertanen zu billigem Lohn“, rekrutiert. Auf vorderösterreichischem Gebiet von Todtnau bis Zell sollte direkt auf der Wiese geflößt werden. Dazu wurden sämtliche Hindernisse, wie Findlinge, aus dem Flussbett entfernt. Uferbefestigungen mit Baumstämmen (Faschinen) und Dämme mussten gebaut und das Flussbett teilweise mit flachen Steinen ausgelegt werden.

Außerdem mussten Schwell- und Floßweiher, sogenannte Legen oder Klausen, angelegt werden. Darin wurden die Baumstämme zu Gestören zusammengestellt. Ein Gestör bestand aus mehreren festverbundenen Baumstämmen. Mehrere dieser Gestöre, lose miteinander vertäut, ergaben wiederum ein Floß.

Die Legen hatten eine weitere Funktion: In ihnen wurde das Wasser aufgestaut. Dazu wurde ein Deich aus Erde, verstärkt mit Holzstämmen gebaut. Diese Deiche hatten eine Stellfalle, wodurch das Wasser abgelassen werden konnte. Mit dem so entstandenen Wasserschwall konnte ein Floß eine größere Strecke, auch bei Niedrigwasser, zurücklegen.

Eine solche „Holzlegi“ befand sich mitten in Zell. Der alte Straßenname „Diichgass“ erinnerte daran. Inzwischen haben übereifrige Beamte den früheren Namen „Diichgass“ in „Teichstraße“ historisch verstümmelt und seiner Bedeutung beraubt.

Floßzoll wird fällig

Der Schwall aus der „Diichgass“ reichte aus, die Flöße bis zum Grendel zu transportieren. Dort, wo sich heute die B 317 und die Gleise der S6 um den Grendelfelsen schmiegen, war der Abzweig zum Markgräfler Floßkanal. Nach dem Grendel, etwa beim heutigen Sportpark Brühl, befand sich die erste „Legi“ auf Markgräfler Gebiet. Hier wurde das Holz neu vermessen, um den Floßzoll durch das Markgräflerland zu berechnen. Je nach Breite der Gestöre, mussten diese neu zusammengestellt oder Baumstämme teilweise einzeln geflößt werden, da der Floßkanal nur eine Breite von unter zwei Metern hatte.

Hier, zwischen Zell und Hausen, ließ Johannes Litschi für die Flößer sogar ein Haus errichten. Es stand direkt an der „Legi“, die später den Namen „Chrützgumbe-Legi“ bekam. Dieser Name entstand, weil dort 1756 ein Sandsteinkreuz erstellt wurde, das die Grenze zwischen Vorderösterreich und der Markgrafschaft markierte.

Floßkanal ab 176 in Betrieb

Der Floßkanal konnte bereits 1726 in Betrieb gehen und somit die Flößerei von Todtnau bis Basel ermöglichen. Also nur drei Jahre nach dem Erlass, die Flößerei im Wiesental wieder aufzunehmen. Wenn man bedenkt, wieviel wasserbauliche Maßnahmen dies erforderte und sich das Ganze über die drei Länder Österreich, Markgrafschaft Baden-Durlach und das schweizerische Basel erstreckte, ist dies sicher eine besondere Leistung, die heute schwer zu toppen wäre.

„Gastarbeiter“ aus Tirol

Die Aufnahme der Flößerei brachte der vielen Zellern Brot und Arbeit. Wobei die Flößer und Floßknechte selbst meist aus Tirol kamen, weil diese genügend Erfahrung mit der nicht ungefährlichen Arbeit hatten. Sie waren somit wohl die ersten „Gastarbeiter“ in Zell. Die „Zeller Untertanen“ wurden mit dem Bau und den ständigen Reparaturarbeiten an den wasserbaulichen Anlagen eingesetzt.

Der Deich bricht

Am Ostersamstag im Jahr 1732 kommt es in Zell zu einer größeren Katastrophe: Ein starkes Hochwasser treibt ein Floß vom oberen Wiesental talwärts und schießt mit großer Wucht in die Legi bei der „Diichgass“, so dass der Deich bricht. Zum Hochwasser der Wiese kommt jetzt noch zusätzlich der Wasserschwall aus der Legi, so dass sich Baumstämme kreuz und quer ihren Weg durch Zell bahnen. Bis nach Schopfheim gibt es Schäden an den Wieseufern und im Floßkanal.

Raubbau in den Wäldern

In der Hochzeit der Flößerei von 1726 bis 1756 wurden 150 000 Klafter Holz an die Stadt Basel verkauft. Dies entspricht ungefähr 500 000 Kubikmetern. Wobei wesentlich mehr Holz im oberen Wiesental Tal geschlagen wurde. Denn viel Holz wurde auch für den Ausbau und die Reparaturen der Wiese und des Floßkanals verbraucht. Etliches Holz gelang auch in die Hände von Holzdieben, wenn es entlang der Wiese oder des Floßkanals bei zu geringem Wasserstand zwischengelagert werden musste.

Zeller Holz bleibt verschont

Der Zeller Wald blieb vom Raubbau weitestgehend verschont. Den der Damenstift Säckingen, als Besitzer der Zeller Waldungen verbot das Abflößen von Zeller Holz. Nur im Jahr 1754 verkaufte Hürus Hans Jakob von Schönau ein Floß Holz an die Basler. Das ließen sich die Zeller nicht gefallen, beschwerten sich beim Kaiser in Wien und Hürus Hans Jakob musste eine Entschädigung zahlen.