Als möglicher Standort für den Recyclinghof ist die Fläche der Firma Benninger (hinten im Bild) im Visier. Das Problem: Die Zufahrt führt durch das Wohngebiet. Foto: Gerald Nill

Wohin der Zeller Recyclinghof zieht, bleibt unklar. Zunächst war die Fläche der Firma Benninger im Visier. Das Landratsamt bringt nun ein Gewerbegebiet in Hausen ins Spiel.

Der Recyclinghof Zell muss umziehen – das war bereits im Juli bekannt geworden. Der Vertrag mit dem aktuellen Verpächter Ralf Kiefer, gleichzeitig Betreiber des Hofes, läuft zum 31. Dezember aus, erläuterte damals Silke Bienroth, Betriebsleitung Eigenbetrieb Abfallwirtschaft im Landkreis Lörrach. Die Verhandlungen über eine Verlängerung des Vertrags hätten sich schwierig gestaltet.

 

Bereits im Juli hatte man eine neue Fläche gefunden – wo diese sei, wurde damals noch nicht öffentlich bekanntgegeben. Jetzt ist aber klar: Die Fläche ist auf dem Gelände der Firma Benninger. Dies bestätigt auch Johannes Steffan vom Eigenbetrieb Abfallwirtschaft auf Nachfrage unserer Redaktion.

Noch ist unklar, ob die Fläche der Firma Benninger als Recyclinghof-Standort ausgewählt wird. Foto: Gerald Nill

Die Fläche werde weiterhin als möglicher Standort untersucht. „Jedoch werden die Probleme mit der Zufahrtssituation und Verkehrsführung sowie weitere Aspekte derzeit sorgfältig geprüft“, erklärt Steffan. Und weiter: „Solange diese Prüfungen noch nicht abgeschlossen sind, wird kein Pachtvertrag abgeschlossen.“

Massiver Widerstand durch Anwohner

Die Standortsuche für den Zeller Recyclinghof war am Dienstag auch Thema in der Sitzung des Betriebsausschusses Abfallwirtschaft des Landkreises. Der Standort auf der Fläche der Firma Benninger sei grundsätzlich geeignet, stehe aber aufgrund der Zufahrt durch ein Wohngebiet auf etwa 500 Meter in Frage. Bei den Bewohnern des angrenzenden Wohngebiets stoße das Vorhaben bereits auf massiven Widerstand, heißt es in der Sitzungsvorlage des Ausschusses. Außerdem sei ein Durchfahrtsrecht in der Flächenzufahrt ungeklärt.

Viele Punkte müssen noch geklärt werden beim möglichen Standort der Firma Benninger – hier der Blick von hinten auf das Areal. Foto: Gerald Nill

Zells Bürgermeister Peter Palme hatte bereits im Juli die Problematik der Lärmbelästigung an diesem Standort angesprochen. Er hatte klar dafür plädiert, am jetzigen Standort zu bleiben.

Fläche in Hausen kommt ins Spiel

Der Betriebsausschuss schlug nun vor, den Such-Radius für einen neuen Standort zu erweitern. Denn: Vor Kurzem wurde der Abfallwirtschaft eine Fläche am Ortsrand von Hausen angeboten, die etwa 1,5 Kilometer vom westlichen Ortsrand von Zell entfernt liegt. Die Fläche ist als Gewerbegebiet ausgewiesen und würde sich sehr gut eignen, heißt es in der Sitzungsvorlage.

Besonders vorteilhaft sei die Zufahrt direkt von der Bundesstraße sowie die ausreichend große Entfernung zur nächsten Wohnbebauung. Auf benachbarten, unbebauten Grundstücken seien Infrastrukturen der Gemeinde vorgesehen, die vom Betrieb einer abfallwirtschaftlichen Annahmestelle kaum beeinträchtigt würden, heißt es weiter. Die Stadt Zell sowie die Gemeinde Hausen seien über diese Entwicklung informiert und hätten bisher keine Verhinderungsgründe aufgeführt.

Und somit hat der Ausschuss – mit zwei Enthaltungen – nun zugestimmt, den Recyclinghofstandort „Zell im Wiesental“ neu zu definieren zum Standort „Recyclinghof Wiesental“. Dieser soll soll in einer mittleren Entfernung von Schopfheim und Schönau liegen und das Einzugsgebiet zwischen den beiden Recyclingzentren versorgen.

Kommt der aktuelle Standort noch in Frage?

Es sei noch einmal ein Gespräch der Abfallwirtschaft mit dem Bürgermeister, den Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderats, Kreisräten aus der Raumschaft und dem Verpächter und Betreiber am jetzigen Standort vorgesehen, macht Johannes Steffan auf unsere Nachfrage klar: „Dabei sollen letzte mögliche Optionen vor allem für eine Übergangslösung betrachtet werden.“

Dass es auf dem jetzigen Standort dauerhaft weitergeht, hatte aber Silke Bienroth vom Eigenbetrieb Abfallwirtschaft bereits im Juli ausgeschlossen.

Der aktuelle Standort des Zeller Recyclinghofs soll nur bis Ende des Jahres erhalten bleiben. Foto: Verena Wehrle

Ursprünglich war bereits am 10. Oktober eine Bürgerinformation zum Thema vorgesehen, die jedoch verschoben wurde. „Ein neuer Termin kann derzeit noch nicht benannt werden“, informiert Steffan. „ Ebenso ist für einen neuen Standort noch kein Betreiber gefunden, da diese Leistung ausgeschrieben werden muss und das erst geschehen kann, wenn ein endgültiger Standort feststeht.“

Wie geht es also nach Jahresende weiter?

„Derzeit gehen wir davon aus, dass es zum 1. Januar 2026 keinen nahtlosen Übergang zu einem neuen Recyclinghof geben wird“, sagt Johannes Steffan. Und weiter: „Sollte dies tatsächlich der Fall sein, werden die Öffnungszeiten der benachbarten Recyclingzentren Schönau und Schopfheim erweitert, um die Übergangszeit zu überbrücken.“

Im Juli war für diese Übergangszeit bereits von einem halben bis zu einem ganzen Jahr die Rede. Da sich die Suche nach einem Standort nun weiter in die Länge zieht, bleibt unklar, wie lange die Zeller für ihre Abfallentsorgung weite Wege auf sich nehmen müssen. Unklar bleibt aber auch, ob es überhaupt wieder einen Standort in der Schwanenstadt geben wird.