Von Royan blieb nach den Bombenangriffen des 4. und 5. Januars nicht mehr viel übrig. Foto: Ville de Royan

Mehr als 1000 Tote und Verletzte müssen nach der Bombardierung auf in der Nacht vom 4. auf den 5. Januar 1945 aus den Trümmern geborgen werden. Das Stadtzentrum der Balinger Partnerstadt Royan existiert damals nicht mehr – nur der Turm der Kirche steht noch.

Die Alliierten wollten an jenem Tag vor 80 Jahren eigentlich Bremen bombardieren – aber das Wetter war zu schlecht. Also entschied sich das Kommando, Royan von den deutschen Besatzern zu befreien.

 

Engländer und Kanadier der Royal Air Force überflogen die spätere Balinger Partnerstadt in zwei Wellen. 347 Bomben gingen auf Royan nieder. Die Sprengkraft betrug mehr als 1500 Tonnen. Beide Angriffe dauerten jeweils nur 15 Minuten – am Ende waren 1000 Opfer zu beklagen.

Im Rathaus in Royan hat man die Ereignisse jener Nacht zusammengetragen, auch die Erinnerungen eines Admirals: „Von der Stadt blieb bis auf ein paar Mauerstücke nur ein mit Schnee bedeckter Steinhaufen übrig.“ Die Überlebenden waren halb nackt, es schneite und war minus zehn Grad kalt. Das Stadtzentrum existierte nicht mehr, nur der Glockenturm von Notre Dame stand noch inmitten der Ruinen von 5000 Häusern.

Parole der Stunde:„Rettet die Überlebenden, lasst die Toten zurück“

Am Ende waren 442 Tote zu beklagen. Das Perfide an den Angriffen: Sie wurden in zwei Wellen durchgeführt. Während die Überlebenden versuchten, die Opfer zu bergen und schutzlos im freien waren, stieben die Flugzeuge in der zweiten Welle über den Ort. Die Parole der Stunde: „Rettet die Überlebenden, lasst die Toten zurück.“

Unter den deutschen Besatzern gab es 47 Opfer. Deutsche Militäranlagen wurden nicht getroffen. Sieben alliierte Flugzeuge gingen verloren und 34 Flieger kamen ums Leben.

Über wird das ganze Jahr wird an die Angriffe erinnert

In Royan wird diesem Bombenangriff das ganze Jahr über gedacht, wie Lyliane Isendick-Malterre erklärt. Sie ist in Royan unter anderem für die Städtepartnerschaften zuständig.

Am Sonntag, 5. Januar, gibt es auf dem Friedhof Tilleus eine zentrale Gedenkveranstaltung. Am Donnerstag, 8. Mai, sind Kranzniederlegungen geplant. Vom 5. Januar bis zum 15. April gibt es zudem eine große Ausstellung, in welcher die Ereignisse jener verheerenden Nacht aufbereitet werden.

Ereignisse werden aufbereitet

In Vorträgen und Podiumsdiskussionen werden die damaligen Ereignisse aufbereitet und es gibt Lesungen, bei denen die Erinnerungen von Zeitzeugen vorgetragen werden, sagt Isendick-Malterre. Unter anderem habe Pastor Samuel Besancon notiert, wie die Zeit unter der deutschen Besatzung für die Menschen in Royan war.

„Ein Klavier fällt vom Himmel“

„Ein Klavier fällt vom Himmel“, – das ist während des Krieges tatsächlich so geschehen: speziell angefertigte, robuste Pianos wurden entlang der Front zum Beispiel mit Fallschirmen zu den Truppen abgeworfen. Eines dieser Exemplare wird am 12. April von den Piano-Schülern des Konservatoriums gespielt.

Vom Fluch der Befreiung

„Royan – Fluch der Befreiung“, heißt der Dokumentarfilm des Regisseurs Emmanuel Amara. Er geht darin der Frage nach, ob die Bewohner des bis dahin mondänen Badeorts Opfer von falschen Berechnungen und strategischen Entscheidungen wurden. Im Rahmen der filmischen Aufarbeitung wird unter anderem auch die Doku von Guillaume Vincent gezeigt: „Die Tragödie von Royan“. Er beleuchtet die wohl größte Tragödie des Zweiten Weltkriegs in Frankreich.

„Vom Bau des Atlantikwalls bis zu den Kämpfen hat der Krieg große Spuren in der Charente Maritime hinterlassen“, sagt Royans Bürgermeister Patrick Marengo. Zeitzeugen gebe es nicht mehr, die Monumente würden verrotten. Marengo: „Wir müssen uns an unsere Geschichte erinnern, um unsere Zukunft besser vorzubereiten.“