Gebietsleiter Martin Stoewer ist immer unterwegs – und angesichts der vielen Aufgaben hat er gleich drei Handys im Einsatz. Foto: Otto

Wer sich mit Martin Stoewer unterhält, bekommt nebenher automatisch Einblick in seine Arbeit: Eins seiner drei Handys klingelt immer. Stoewer kümmert sich als Gebietsleiter um die Zustellung des Schwarzwälder Boten an die Leser. Und das ist in diesen Zeiten eine besondere Herausforderung.

Oberndorf - Wenn Stoewer nicht gerade ein Handy am Ohr hat, ist er im Auto unterwegs. "1000 bis 1500 Kilometer in der Woche kommen da schon zusammen", sagt der Vertriebsinspektor, der in den Landkreisen Rottweil, Freudenstadt und Calw als Springer unterwegs ist und sich um alles rund um die Zeitungszustellung kümmert. In jedem Bereich sind rund 150 Zusteller für den Schwarzwälder Boten tätig.

Knackige Urlaubszeiten

Während für viele gerade in den Sommermonaten Zeit für Entspannung ist, bedeutet die Urlaubszeit für ihn und seine Kollegen jede Menge zusätzlicher Arbeit. Denn: Auch die Zusteller des Schwarzwälder Boten, die die Zeitung jeden Morgen in aller Frühe zu den Lesern bringen, wollen Urlaub machen. "Und nach dem vergangenen Corona-Jahr wollen diesmal fast alle gehen", sagt Stoewer.

Dass auch die Zusteller ihre wohlverdiente Auszeit haben müssen, ist klar – allerdings sei es eben zunehmend schwieriger, Ersatz für sie zu finden, berichtet er. Auch andere Branchen suchen bekanntlich händeringend nach Personal und Aushilfskräften. Seit Corona ist eben nichts mehr wie es war – ­oft muss improvisiert werden. Hinzu komme, dass viele treue Austräger des Schwarzwälder Boten älter werden und teilweise aus gesundheitlichen Gründen aufhören müssen. Deshalb ist die Suche nach neuen Kräften mittlerweile ein großer Bestandteil seiner täglichen Arbeit – neben all den Dingen, die der komplexe Ablauf der Zeitungszustellung so mit sich bringt.

Nachts werden die Zeitungspakete vom Druckzentrum in Villingen-Schwenningen zu jedem der vielen Austräger im ganzen Verbreitungsgebiet vor die Tür geliefert. Und im Vertretungsfall muss der Kurierfahrer mit dem druckfrischen Schwarzwälder Boten natürlich eine andere Adresse in dem Ort ansteuern – inklusive der Liste der Adressen, wo später die Zeitung im Briefkasten stecken muss. "Wenn sich abends um 21 Uhr ein Austräger krankmeldet, der womöglich noch mehrere Bezirke abdeckt, wird das Ganze natürlich sportlich", sagt Stoewer. Kaum ein anderes Produkt wird sechs Tage die Woche das ganze Jahr über ausgeliefert – und zwar möglichst im Morgengrauen.

Start an der frischen Luft

Genau das aber macht vielen langjährigen Austrägern richtig Freude, weiß der Vertriebsinspektor. "Die lieben es, morgens mit dem Austragen gleich ihre große Runde Bewegung zu haben und an der frischen Luft zu sein." Gegen vier Uhr geht es für die meisten los – spätestens um sechs Uhr soll die Zeitung verteilt sein. "Es gibt einige, die machen das vor ihrem Bürotag, als Ausgleich", sagt Stower. Andere halten sich als Rentner mit dem Austragen fit – und das bis ins hohe Alter. "Wir hatten in Nagold bis vor zwei Jahren einen Austräger, der hat sechs Bezirke beliefert – mit 82 Jahren."

Doch gerade jetzt kommt es leider auch vor, dass durch Ausfälle und fehlenden Ersatz die Zeitung bei manchen Abonnenten nicht zum Frühstück im Briefkasten ist. "Dass sich die Leser dann ärgern, ist natürlich berechtigt", sagt Stoewer. Man unternehme alles, um die Zeitung nachzuliefern oder es möglichst gar nicht erst soweit kommen zu lassen. "Wenn ein Austräger morgens um vier Uhr anruft, dass sein Auto nicht anspringt, dann flitze ich auch schon mal mit meinem Auto hin, um auszuhelfen", erzählt Stoewer aus seinem turbulenten Arbeitsalltag.

Feste Vertretungen

Doch immer und überall können er und seine Kollegen nicht sein. Deshalb hat Stoewer ein großes Ziel: "Es wäre toll, wenn wir in jedem Ort eine Person finden würden, die sich bereiterklärt, zumindest die Urlaubs- und Krankheitsvertretungen fest zu übernehmen." Die paar Wochen im Jahr seien für viele sicher gut zu bewältigen.

Und mancher, so ist sich Stoewer sicher, hat womöglich noch nie wirklich darüber nachgedacht – hätte aber vielleicht Spaß an der Sache. "Ich hatte vor Jahren eine Abonnentin aus Seedorf am Telefon, die mir gemeldet hat, dass sie die Zeitung nicht erhalten hat. Ich sagte ihr, dass ich eine Vertretung suche und ob es nichts für sie wäre. Und sie ist bis heute dabei geblieben und sehr zuverlässig – das ist toll", freut sich der Vertriebsinspektor. Auch im kleinen Örtchen Eisenbach bei Besenfeld habe sich so eine feste Lösung ergeben.

Einfach ausprobieren

Und natürlich seien auch feste Zusteller immer gesucht, betont Stoewer. "Wer unsicher ist, was ihn erwartet, kann auch mal zur Probe bei jemand mitlaufen", sagt er. Jeder bekomme die Stunden zur Einarbeitung bezahlt, spätestens nach einer Woche in einem Bezirk wisse man auch ohne Blick auf die Liste, wo der Schwabo in den Briefkasten gehört. Je nach Landkreis und Lieferzeitpunkt der druckfrischen Zeitungen können auch mehrere Bezirke abgedeckt werden.

Stoewer könnte noch viel erzählen, auch davon, dass ihm seine Aufgabe trotz aller Herausforderungen in diesen Zeiten immer noch Spaß macht. Doch er muss weiter – und eins seiner Handys klingelt.