Den „Wettlauf gegen die Zeit“ hat sie eindeutig gewonnen! Die Villinger Hexenzunft begeisterte eine zweimal vollbesetzte Tonhalle mit ihrem Ballprogramm aus den 1980er-Jahren. Legendäre Hits spielten dabei eine entscheidende Rolle.
Die Ankündigung einer „wilden Reise durch die 80er“ hatte das Publikum schon im Vorfeld hingerissen und es hatte sich mit qietschbunter Kleidung, mit Schulterpolstern und Stulpen in Schale geworfen.
Begrüßt wurde es von zwei TV-Ikonen: Zunftmeister Meik Gildner als David Hasselhoff und sein Vize Slobodan Vesovic als Pamela Anderson aus „Baywatch“ sorgten für die ersten Lacher. Denen sollten viele weitere folgen.
Nicolas Herbst erwies sich als Zeitreisender, der plötzlich in Villingen vor 40 Jahren landete und dort sogleich von zwei Zeitpolizisten (Nadeem Samman und Alex Köppe) verfolgt wurde, denn zeitreisen ist illegal. Das Trio spann den roten Faden durch den Abend, traf dabei auf einen Zeitungsjungen (Andreas Stengele), der mit seinem Extrablatt vom Kauf des ZKs durch die Volksbank, vom Hochhaus-Café und der SABA berichtete. Alex Köppe verkörperte dabei köstlich „den Tröndle vom Ordnungsamt“, einst eine Villinger Respektsperson.
Musik als Star des Abends
Zwischen den Sprachparts erklangen viele rockige Oldies, wenn die Hexen jedweden Alters und Geschlechts tanzend über die Bühne wirbelten. Die Tanzkäpsele waren die kleinen Geister, die von den etwas älteren Redsocks als Ghostbusters eingefangen wurden. Keiner im Männerballett hatte sich vor einem engen und bauchfreien Sportdress in Neonfarben gescheut und die Damen erwiesen sich als „Dancing Queens“.
Die neue Tanzgruppe „Reversi“ glich optisch einem bunten Flickenteppich und die „Sarabellos“ ganz in Schwarz bewiesen einmal mehr ihre tänzerische Vielseitigkeit.
Überhaupt war die Musik der Star des Abends. Die Hexenband mit Frontmann Carsten Dörr und Sänger Markus Hess riss mit zwei neuen Fastnetsongs über einen Narro, der einer Hexe verfällt und dem umgetexteten Westernhagen-Hit „Sexy“ – pardon: „Hexy“ – das Publikum ebenso von den Stühlen wie Nicolas Herbst, der mit „Ohne dich“, dem Oldie-Hit der Münchner Freiheit, selbiges sogar zum Singen aus voller Kehle brachte.
Um Musik ging es natürlich auch bei der Boygroup. Die Fünf, dem Jungenalter längst entwachsen, hatten neben einem Medley ihrer Hits auch zwei neue dabei. „Auf das Riettor würd’ ich steigen oder nachts im Brunnen schwimm’, bis nach Schwenningen würd’ ich laufen, um heut Nacht in Rot und Grün zu renn’“ hieß es in einem Liebeslied an die Hexenzunft.
Nachwuchs mischt mit
Der Nachwuchs steht bei den Hexen schon nicht mehr in den Startlöchern, sondern mischt ordentlich mit. Gerade so und noch nicht einmal im Teenageralter waren Gabriel und Julian Gildner die jungen Dörr-Brüder Eric und Carsten, die zusammen mit dem „Integrations-Glonki“ Nenad Grzan (Simon Brüderle) unter lautem Jubel aus dem Zuschauerraum einen Spittelsänger-Hit zum Besten gaben.
Ein Live-Wiedersehen gab es mit Dennis Viebrans und Alex Köppe als „Angels from the 80ies“ ganz in Rosa vom Online-Ball 2021 und ihrem Song „Wir gehören ins Städtle“. Dominik Falk, bei den Hexen der Brauchtumshüter, kam als 68er-Lehrer, der sich von seinen Schülern aus der Jetztzeit – Noel und Sophia Falk, Gabriel Gildner, Marie Schneider und Leni Weisser – über die aktuellen Medien und die Jugendsprache aufklären ließ.
Immer wieder schön: der Hexentanz am Schluss, der noch einmal alle von den Stühlen hob und zum Finale – „For ever young“ – überleitete.